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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-02-06 · Heft 6 (6.2.1841) · p. Seite 77

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 6 (6.2.1841)
Date
1841-02-06
Page
Seite 77 (sequence 9)
Language
German
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77 Frankfurt am Main, Dezember. In der Didask. wird von geselligen Vereinen ff. in Wiesbaden referirt, und wie diese bald an-, bald eingingen; auch von „bürgerlichen Winterbällen," wo es heißt: Nur bewahrheitet sich hiebei wiederum die alte Erfahrung, daß. jeder Druck einen zweiten erzeugt, und so wurden durch Veranlassung des Ballcomito die Juden von d.iesem Vergnügen ausgeschlossen,— die armen Juden, welche noch immer zur Stärkung des mittelalterlichen Zunftsinnes Hinhalten müssen! Man sage nicht, daß bei solchen Zuständen der einzelne gebildete ode/ gelehrte Jude eher als die Gesammtheit geachtet werde; denn es ist noch nicht so lange her, als in dem hiesigen Casino gjner der ersten CelebritateR im jetzigen JudeEhum — für deren Eintritt sich christliche Freunde bewarben — dieser Zutritt verweigert wurde. Damals schoben die bürgerlichen Mitglieder die -Sache auf die militärischen Genossen der Gesellschaft. Diesmal ist es vielleicht verkehrt und am Ende werden beide Recht haben, resp. in ihren gegenseitigen Beschuldigungen. Nur eine humane Gesetzgebung — der wir jetzt eher, als je entgegen sehen dürfen — wird auch diesen Rest mittelalterlicher Gesinnungen zu Grabe tragen; denn kömmt das Licht von oben, so wird das ganze Gebäude der Staatsgesellschaft erleuchtet!! Speyer, 17. Januar. (Privatmitth.) Am 27. des v. M. fand in dem benachbarten Orte Fehl die Einweihung einer neuen Synagoge Iatt, welche die dortige kleine Gemeinde mit großem Opfer erbaute. Ich bemerke mit Vergnügen, daß viele christliche Einwohner durch Geld und Arbeit ihr Scherflein zu derselben beigctragen. Die Gemeinde besoldet auch einen sehr guten Religionslehrer sehr reichlich. Die Einweihung ging feierlich von Statten. Der Zug von der alten zur neuen Synagoge, bei welchem das Sangerchvr und die Schuljugend Lieder sangen, wurde auch von der protestantischen Geistlichkeit und Schullehrern begleitet, die letzteren wirkten in der Synagoge beim Gesänge mit. Allerdings war aber der katholische Geistliche und sein Schullehrer entfernt geblieben. Herr Rabbine Merz hielt eine sehr erbauliche Predigt über wahre Gottesverehrung. Der Psalm 150 schloß die Feierlichkeit, an die sich aber das Minchagebet im Chore auf höchst angemessene Weise reih'te. Christ und Israelit verließen tief bewegt und zum Herrn erhoben das Gotteshaus. Schweiz. Basel, 9. Januar. Aus Basel-Landschaft wird gemeldet, es sei daselbst beinahe wieder zu einem Streite mit den Franzosen gekommen, wie vor wenigen Jahren. Die in Bubendorf liegenden Karabiniers dieses Halb-Kantons hatten nämlich Schießübungen veranstaltet, und zwar war als Zielscheibe ihrer Uebungen die Figur eines Soldaten in Französischen Farben, mit blauer Uniform und rothen Beinkleidern, aufgestellt. Zufällig kamen einige Französische Israeliten, die im Kanton Geschäfte haben, hinzu; diese erblicken in dem Verfahren der Basel-Landschaftlichen Karabiniers eine Beleidigung ihres Landes und machten sofort dem Staatsrath Jorin eine Anzeige, welcher seinerseits die Regierung in Liestal vcranlaßte, durch eine Verordnung einzuschreiten und über den ganzen Vorfall an den Vorort zu berichten. C o r r e s p o u d e n j e n. Provinzkalberichte. (Fortsetzung) Wöllstein (Posen), im Oktober. Seit einigen Jahren ward in der hiesigen jüdischen Gemeinde das lebhafte Bedürfniß fühlbar, ein Gotteshaus zu besitzen, das die Erbauung des Geistes und des Herzens befördern könnte, da unsre frühere Brettersynagoge seil mehreren Jahren wegen Baufalligkeit nicht mehr besucht werden konnte. Alle die bedeutenden Hemmnisse wurden durch die lhatige und umsichksvolle Ausdauer unseres ersten Vorstehers, Herrn W. Friedemaun, glücklich überwunden, indem sich dieser wackere Mann mit dem rühmlichsten Eifer der Gottessache annahm und fast seine ganze Zeit ihr widmete, so daß nur durch seine Bemühungen binnen 1 £ Jahre die glückliche Vollendung des Baues gelang, wofür ihm die ganze Gemeinde mit ungelheilkem freudigem Herzen den innigsten Dank weiß. 6»

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