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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-02-06 · Heft 6 (6.2.1841) · p. Seite 75

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 6 (6.2.1841)
Date
1841-02-06
Page
Seite 75 (sequence 7)
Language
German
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75 Mißhandlungen, welche ihr Volk seit der schrecklichen Anklage des Christenmordes zu erdulden habe. Ich suchte sie möglichst über die Zukunft zu beruhigen, und die junge, erst fünfzehnjährige Frau überließ sich sogleich den freundlichsten Hoffnungen, ja sie versprach sogar einen Ball zu geben, sobald die Unschuld ihres Mannes erkannt sei, und da müsse ich zuerst mit ihr tanzen. Ick konnte mich einer Regung des Mitleids nicht enthalten, wie ich die liebliche Frau in kindlicher Unbefangenheit Plane der Freude bilden sah, die bald einer traurigen Enttäuschung Raum geben sollten. Rabenschwarzes Haar fiel in Uebersülle der herrlichsten Locken über das schöne leidende Gesicht herab, und die, wie ich noch nicht gesehen, dichten Augenwimpern und Brauen wurden nur von dem Diamantenfeuer zweier Augen verdunkelt, deren Strahlen schlaflose Nächte und kummervolle Zähren nicht im geringsten zu brechen vermocht hatten. Wie die Sonne durch Gewitternacht, so brach der Blitz des belebten Höffens durch das seine blasse Antlitz, und gab ihm einen Reiz der Schönheit, im Uebergange vom Kummer zur Freude, das jedes Tyrannenherz erweicht hätte, nur nicht die Schergen des geld- und blutdürstigen Ibrahim. Palästina. Jerusalem. Von den traurigen, unser Mitgefühl erregenden Verhältnissen zu Jerusalem, giebt Herr v. Hailbronner kurze, aber desto nachdrücklichere Kunde. Das Judenquartier sagt er, übertrifft alles an Unsauberkeit, was man irgendwo finden kann. Die vier kleinen Synagogen, die hier beisammen in einem Hause stehen, sind von der Art, daß das ärmste Judendorf in Deutschland sich ihrer schämen würde; die Betstühle der Rabbinen gleichen den Orchestern unserer Dorfschenken, und die Holzgittergallerien für die Frauen scheinen eher für Aufbewahrung des Geflügels zu dienen. So viele reiche Juden, die in der Welt zerstreut leben, und so viele, die in ihren letzten Lebensjahren auf diese geweihte Erde übersiedeln, sollten doch die Tempel ihres Glaubens besser dotiren, wie dies in neuerer Zeit die christlichen Sekten bis zum Luxus rivalisirend thun. Krakau. Krakau, I. Januar. (Privatmitth. Schluß aus voriger Nummer.) Durch unser kräftiges Bestreben sollen wir unfern christlichen Mitbrüdern eine beßre Meinung von uns zu geben suchen, als sie von unserem häuslichen Leben, von unserem Glauben und unseren Religionsübungen haben *); durch Euer erleuchtendes Beispiel sollt Ihr, erleuchtetere Israeliten! die Jugend zu arbeitsamen, redlichen Menschen erheben, Ihr sollt sie ins Bereich des regen Lebens, der Munterkeit und der Arbeitsamkeit führen, Ihr sollt jfe Handwerke lehren. Ihr, die. das Glück und das Wohlsein Eurer Nachkommen so sehr herbeiwünscht, heißt das ihr Glück befördern, wenn Ihr ihnen ihr Kindesalter zum Ehestande macht? Heißt das die Basis zu allem Wohlsein 1) Dieser Aufruf gilt allen Israeliten Polens. Dieses Wort aber zu realisiren, wäre zunächst das geeignetste Mittel: durch unermüdetes Mitwirken vieler jüdischen Skribenten im Königreiche Polen — mit Inbegriff der hiesigen Freistadt — in Gallizien und im Großherzogthum Posen, eine jüdische Zeitschrift in polnischer Sprache, die üb;r israelitische Geschichte, Cere-l monialgedräuche und Volkssitten treue Auskunft geben und nebenbei auch Nachrichten von begünstigenden Akten gegen die Israeliten im Auslande enthalten sollte, zu Stande zu bringen. Die Polen sind noch des Wesens des Judenthums zu unkundig, als daß man es allenthalben böser Absicht zuzuschreiben hätte, wenn man sie so oft verkehrte — den polnischen Juden sehr nachtheilige — Urtheile über Judenhcit und Judenthum fallen hört. Dem Herrn I. Tugcndhold aus Warschau geziemt aller Dank für die Uebcrsetzung des „Manasse den Israel von Mendelssohn" unter dem Namen: „Oinona IzraeJitow“ (die Waffe der Israeliten) und für die lehrreich ausgestattete Vorrede, in welchem Werke er uns wenigstens bei den Polen Einer Beschuldigung so gründlich überhob. Der,Mangel einer polnisch-jüdischen Zeitschrift läßt sich um so mehr fühlen, da in den letzten Jahren selbst polnische Gelehrte vom Fache — die aber kaum eine Ahnung vom Judenthum und jüdischem Volksgeiste haben — in ihren über uns geschriebenen Werken, denen das polnische Publikum sein ganzes Vertrauen schenkt, unsere religiöse Verfassung von einer falschen Seite, durch ihre eigne Brillen betrachtet haben. Wir behalten es uns auf einen zweiten Bericht vor, eine solche Schrift (Rys krotki historyi Izraelilöw w Europie, w Krakotvie 183^ anonym), in der sich zwischen gründliche Ideen, so vieler leidenschaftlicher Unsinn mit eingeschlichen hat, einer genauem Prüfung zu unterwerfen. Corresp.

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