Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1841)
- Date
- 1841-02-06
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
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72 ner in einer Straße außerhalb des Judenquartiers gesehen, wurde so furchtbar geschlagen, daß er vier, undzwanzig Stunden daraus seinen Geist aufgab. Nachdem man entdeckt zu haben glaubte, daß der Mord an dem Diener des Paters Thomas im Hause des Mcir Farhi vollbracht worden sei, so ließ der französische Konsul die Wasserleitung in der Nähe dieses Hauses aufbrechen, und fand zu seiner Satisfaction darin einen Haufen Gebeine, ein Stück Leber und einen halben Schuh, welchen der Bruder des vermißten Famulus, wol zu merken, nachdem er mindestens dreißig Tage mußte im Wasser gelegen haben, für den seines Bruders erkannte. Sammtliche Reliquien wurden in eine Kiste gelegt und nach der französischen Kanzlei gebracht, allein fatalerweise fand es sich, daß bei genauerer Prüfung eines zuverlässigen Arztes jene Gebeine als Schafsknochen erklärt wurden. Nachdem die Haussuchungen bei den Juden glorreich, aber fruchtlos beendet waren, wendete sich der Eifer des französischen Konsuls zu den Wohnungen der Christen,' welche unter österreichischem Schutze standen. So wurde das Haus eines resprctablen österreichischen Kaufmanns, Namens Airub, Nachts überfallen, und unter dem Vorwände, daß Juden dort verborgen seien, ganz durchsucht. Die armen Frauen hatten keinen geringen Schrecken, als der soudroyante Herr Konsul mit zwanzig Regierungssbirren in ihre Schlafgemächer stürmte und, so sehr gegen die Sitte des Landes verstoßend, das Sanctuarium der Frauen durchwühlte. Als alle diese Versuche ohne Entdeckungen blieben, wurde die Frau eines der sieben Angeklagten mit ihrem Kinde vor Gericht geführt, um den Aufenthalt ihres Gatten zu erfahren. Das Kind wurde bastonnirt, allein beim dreihundertsten Streiche brach der Mutter Muth und Herz, und sie gab den Verborgenen an. Dieser wurde ergriffen und bekannte sich, eingedenk des entsetzlichen Schicksals seiner Vorgänger, sogleich schuldig-. Einige Zeit nach ihrem Geständnisse nahmen die sieben Kaufleute dasselbe wieder zurück, und wie man sie auch von neuem durch Tortur und Bastonnade zur Beichte zwingen wollte, so blieben sie doch standhaft in ihrer Weigerung und Beschwörung ihrer Unschuld. Der ftanzösische Konsul drang daher beim Gouverneur auf ihre Enthauptung, und dieser evpedirte einen Kourier an den in Marasch stehenden Ibrahim Pascha, um Verhaltungsbefehle einzuholen. Dieß war die Lage der Dinge, als ich in Damaskus eintraf, wo eine Aufregung herrschte, welche, selbst die Schrecken der Pest und die Unzufriedenheit mit der Regierung in den Hintergrund schob. Der französische Konsul mag die besten (!) Absichten zu Enthüllung des vermutheten Verbrechens gehabt haben, allein indem er die Gewaltmittel einer barbarischen Justiz hervorries, verkannte er offenbar seine Mission als Repräsentant einer christlichen Macht"), und vergab ihrer Würde durch die Verletzung des Konsularvorrechtes im Orient, indem er den Unter, lhan eines europäischen Staates von den Gerichten des Landes wollte aburtheilen lassen. Zwei von den sieben alten Kausleuten hatten unter fortwährenden Torturen das Leben eingebüßt, die Verfolgung und Aufregung gegen die Juden nahm täglich zu, und von einem gesetzlichen Verfahren konnte hier ohnehin keine Rede mehr sein. Wie man den schändlichen el Telli und den Barbier straflos erklärt hatte, so konnte jeder die infamsten Anklagen machen, ja sich selbst als Mitschuldigen darstellen, ohne für sich szwas befürchten zu müssen, da die Vorbedingung jedes Geständnisses, welches eine Anklage gegen die reichen Kausleute enthielt/ in Freisprechung des Anklägers bestand. Die Regierung hatte hierbei nichts im Auge, als die Konfiskation des jüdischen Vermögens; der französische Konsul ließ sich zu den unbegreiflichsten Handlungen hinreißen, um den glänzenden Namen eines Beschützers der Christenheit zu erringen, die ganze Rotte schlechten Gesindels aber fischte hier im Trüben, 'die einen um Geld zu erwerben, die andern um für eigene Verbrechen Gnade zu erhalten, die meisten aber, um Privathaß zu befriedigen. Als Seitenstück zum el Telli trat der Diener Arari's, Marad el Fallat auf, und gab an, daß im Hause seines Herrn der Mord an dem Famulus des Paters Thomas verübt worden sei; ja nachdem?) Das ist doch wol viel zu wenig gesagt! Er hm unschuldige Menschen gemordet, und Familien zu Grunde gerichtet, hat Martern fürchterlicher Art über Männer, die Nichts verbrochen, hervocgerufen und das Glück unzähliger Juden gefährdet, und das nennt Herr v. H. nur „ein Verkennen seiner Mission"! — Aber es sind Juden! Der Redakteur.