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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-02-06 · Heft 6 (6.2.1841) · p. Seite 71

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 6 (6.2.1841)
Date
1841-02-06
Page
Seite 71 (sequence 3)
Language
German
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71 Die sieben Kaufleute wurden abermals vorgerufen, und bei Vorzeigung der Gebeine zum Geständniß ihrer Schuld aufgefordert. Als sie aber fortfuhren, ihre Unschuld zu betheuern, so schritt man zur Tortur. Einer von ihnen wurde, unter andern Martern, mehrere Stunden hindurch in eiskaltem Wasser festgehalten, welches ihm so grausame Schmerzen erzeugte, daß er dem Wunsche der Inquirenten Folge gab, und sich mit den Aussagen des Dieners und des Barbiers schuldig bekannte. Auch die übrigen sechse folgten diesem Beispiel, nachdem sie wiederholte Geißelungen mit der Hippopotamuspeitsche standhaft erduldet hatten. Allein diese Entdeckungen genügten dem französischen Konsul keineswegs, und er bot Alles auf, um das Blut selbst ausfindig' zu machen, und dadurch ein Verbrechen zu enthüllen, groß genug, um auf ewig den israelitischen Namen in der ganzen civilisirten Welt mit Schmach zu bedecken. Die sieben Kaufleute und ein Ravbine wurden aufs neue bastonnirt, um sie zum Geständniß zu bringen, allein vergebens. Nur einer unter ihnen trat, um ferneren Mißhandlungen zu entgehen, zum Jslamismus über. Man entsagte daher vorläufig dem Verfolg der Untersuchung wegen des Blutes, und wendete sie wieder an den berüchtigten Diener des David Arari, dem es keine große Mühe kostete, fernere Indicien zur Auffindung Schuldiger zu geben. Nach vollbrachtem Morde sei er zu Mrad Farhi geschickt worden, um ihn aufzufordern, nachdem man sich des Paters entledigt, auf gleiche Weise dessen Domestiken zu ermorden. Diesen Auftrag habe er dem Farhi in Gegenwart des jungen Picciotto ausgerichtet. Am folgenden Tage fei Picciotto mit vier andern Israeliten zu seinem Herrn gekommen, und hätte ihm angezeigt, daß sie den Diener des Paters Thomas ebenfalls abgeschlachtet. Der französische Konsul forderte die Gefangennehmung des Picciotto, der als Sohn des früheren General-Konsuls in Aleppo in österreichischem Unterthanenverbande steht. Picciotto wurde im österreichischen Konsulargebäude zu Haft gebracht, wies die ganze Anklage als ungegründet von sich, und bewies, daß er zur Zeit der Miffethat sich ferne von ihrem Schauplatze in Gesellschaft befunden. Nach einiger Zeit trat aber der anklagende Diener abermals auf, und erklärte, daß er nach seinem eigenen Mordexperiment am Pater Thomas sich in das Haus des Meir Farhi begeben habe, und daselbst Zeuge gewesen sei, wie der Diener des Paters von sieben Individuen gebunden und ermordet worden, und daß unter diesen sich Picciotto befunden habe. Man ging nun so weit, an das österreichische Konsulat die Forderung zu stellen, den Picciotto als Raja behandeln, ins Serail sperren, und nach Laune seiner Feinde behandeln zu lassen. Die Stellung des österreichischen Konsuls wurde von hier an eine sehr schwierige, indem er Gouvernement, französisches Konsulat und die gereizte Stimmung der christlichen und mohammedanischen Bevölkerung gegen sich hatte. Den Verträgen seines Staates mit der Pforte folgend, durfte er den angeklagten Picciotto nicht ausliefern, und erklärte standhaft, daß er in seiner Verwahrung bis zu Beendigung der gerichtlichen Untersuchung bleiben werde. Man verschmähte nun kein Mittel, um dieses ehrenhafte Betragen in übles Licht zu stellen, welches um so leichter war, als die allgemeine Meinung sich gegen die Juden gewendet hatte, und den österreichischen Konsul gleichsam als Mitschuldigen anzusehen geneigt war. Sein Haus war umlagert von Spionen, um auszukundschaften, wer dort aus- und einging, jeder Schritt, jede Handlung wurde verdächtigt, und das scheußliche Delationshandwerk trat in vollem Zerrbilde hervor. Selbst das Unglück und Elend der Regierung vergaß man über diesem traurigen Ereigniß, die commerciellen Verbindungen stockten, allen niedern Leidenschaften war der Eingang erschlossen, und ein Vertreter europäischer Civilisation überbot Türkenhorden in gehässiger Verfolgung und Torturjustiz. Man begnügte sich nicht mehr mit den Denunciationen des famosen Telli, sondern nahm sogar zu den Sech oder Negromanten Zuflucht, wodurch dem Parteihaß vollends der Zügel gelassen wurde, bis mau die Ueberzeugung gewinnen mußte, daß alle hierdurch verdächtigten Familien dem angeschuldigteu Verbrechen gänzlich fremd geblieben waren. Um jeden Weg zu benutzen, der zum gewünschten Ziele führen konnte, wurden dreiundsechzig Jsraelitenkinder im Alter von vier zu zehn Jahren den Armen ihrer Eltern entrissen, und in hartes Gefängniß gesperrt, wo sie dreißig Tage verschlossen blieben. Ein armer Knabe, welcher in aller Unschuld angab, daß er den Pater Thomas nebst seinem Die-

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