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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-02-06 · Heft 6 (6.2.1841) · p. Seite 70

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 6 (6.2.1841)
Date
1841-02-06
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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70 hräer ermordet worden seien, und nach dieser Annahme unterließ man jede anderweitige Nachforschung. Der französische Konsul forderte nun vom Scheriff Pascha, dem Gouverneur von Syrien, daß man jedes Mittel zur Entdeckung der Mörder zu seiner Verfügung, stellen solle, und reklamirte vom österreichischen Konsulate das Recht, Nachsuchungen bei den Hebräern anzustellen, welche Unterthanen dieses Staates wären; beides wurde bewilliget, und man begann mit Eifer das Geschäft. Mittlerweile bot ein gemeiner Türke, Namens Mohammed el Telli, welcher wegen Staatsschulden im Gefängniß saß, dem französischen Konsul seine Dienste an, und versprach die Entdeckung der Mörder für seine Freisprechung. Er wurde auf Verwendung der Hast entlassen, und man verfolgte jedes von ihm angegebene Individuum. Alle von ihm bezeichneten Häuser wurden äufs strengste untersucht, und der französische Konsul nahm diese Domicil-Jnspectionen in eigener Person mit einem Gefolge von Soldaten und Handwerkern und unter dem Zulaus des Straßenpöbels vor. Unter den ersten gefänglich Eingezogenen befand sich ein hebräischer Barbier, der sich in seinen Aussagen verwickelte und dadurch höchst verdächtig erschien. Er blieb jedoch standhaft in der Betheuerung seiner Unkenntniß eines begangenen Mordes, und nachdem er drei Tage im französischen Konsulate vergebens bestürmt worden war, die Wahrheit zu gestehen, lieferte man ihn dem Gouvernement aus. Weder Drohungen, noch das Versprechen der Unbestraftheit hatten irgend einen Eindruck auf ihn machen können, und man schritt zu ernsteren Prozeduren. Er wurde zweimal nacheinander heftig gepeitscht, und sodann die Tortur am Kopfe angelegt. In den Zwischenräumen dieses Gerichtsverfahrens besuchte ihn brüderlicherweise der obengenannte Türke rl Telli, dessen eifrige Zusprache ihn endlich verführte, ein Geständniß abzulegen. Er bekannte nämlich, am 5. Februar in der Abendstunde durch den Diener des David Arari in dessen Haus gerufen worden zu sein, wo er diesen mit sechs anderen - namhaften israelitischen Kaufherren antraf, die ihn aufforderten, den Pater Thomas zu ermorden, der gebunden und mit verstopftem Munde in einer Ecke des Zimmers lehnte. Nachdem er aber als rechtschaffener Mann diese furchtbare Zumuthung mit Abscheu von sich gewiesen, hatten ihn die Anwesenden entlassen, indem sie ihm sechshundert Piaster eingehändiget, und um Verschweigung des Gesehenen gebeten hätten. Dieser Aussage folgte die Verhaftung der sieben Kaufleute. Sie wurden inquirirt, und als sie mit den heiligsten Schwüren ihre Unschuld betheuerten, empfingen sie Schläge, und wurden gezwungen, eine alle Kräfte übersteigende Zeit hindurch stehend auszuhalten. Mittlerweile wurde auch der Diener des David Arari arretirt, und erhielt anhaltende Hiebe, während man auf den schwarzblauen, zerrissenen Leib kaltes Wasser goß, um die Schmerzen zu steigern. Die Folge war, daß er die Aussage des Barbiers bestätigte, ihn auf Befehl seines Herrn herbeigeholt zu haben. Indessen genügte dieses Geständniß nicht, und gedrängt von dem Zureden des schläuen Türken, von Drohungen neuer Bastonnaden und dem Versprechen der Straflosigkeit, erklärte er ferner, daß die Angaben des Barbiers durchaus wahr seien, er selbst aber, der Diener, den Pater Thomas umgebracht habe, auf Befehl der sieben Kaufleute, und unter Assistenz des Barbiers. Er habe sodann mit diesem den Leichnam zerhackt, die Knochen und Hirnschale gebrochen, und dieß alles in eine von der Wohnung des Verbrechens ferne Wasserleitung geworfen. Der Barbier ward nun abermals unter den gewöhnlichen Drohungen und Versprechungen zur Bestätigung der Aeußerungen des Dieners aufgefordert, wozu er sich auch verstund. Der französische Consul begab sich unverzüglich nach der angezeigteit Stelle, wo man wirklich, wie die Aussage lautete, einige Gebeine vorfand, unter welchen, nach ärztlicher Besichtigung, Menschenknochen waren. Diese wurden ohne weiters für die des Paters Thomas angenommen, und unter üblichen Exsequien im Hospiz der Kapuziner beigesetzt. Das Blut des Fraters war nach Aussage des Dieners in ein kupfernes Gefäß gesammelt, und für religiöse Zwecke in Bouteillen abgezogen worden. Dieß erweckte im Volke den alten Aberglauben, daß die Juden zu Ostern Christenblut trinken, und man verbreitete das Gerücht, daß der junge Hebräer Picciotto seinem Onkel, dem österreichischen General- Konsul Picciotto in Aleppo, eine dieser Flaschen zugesendet habe.

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