Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1841)
- Date
- 1841-02-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. Jahrgang. Allgemeine No. G. Zeitung des Iudenthums. Ei» irnpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Verlag von Dr. Ludwig Philippson, Baumgärtners Buchhandlung Geistlicher der isra.elitischen Gemeinde zu Magdeburg. KU Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnadigfter Concesflon) Leipzig, den 6. Februar 1841. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Wels, Registers«, .w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspeditkon für beide Letztere hat sich die König!. Sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Syrien. Damaskus. Als die Angelegenheit der hiesigen Israeliten von den deutschen Blättern am zweideutigsten besprochen und vor ihrem Publikum als sehr zweifelhaft gehalten wurde, bemerkte die Allg, Augsb. Zeit., daß sich jetzt ein sehr unparteiischer Beobachter an Ort und Stelle befinde, der ihr bald zuverlässige Nachricht zukommen lassen werde, der Major von Hailbronner. Dieser Mann ist zurückgekehrt, und hat einen vollständigen Bericht über den ganzen Vorfall in seiner Reisebeschreibung „Morgenland und Abendland. Cotta. Stuttgart, 1841." B. 11. S. 375—389 gegeben, von welchem indeß nunmehr die Augsburgerin gänzlich schweigt. Der Major v. Hailbronner erweist sich im Verlaufe seiner Schrift den Juden eher abgeneigt, denn freundlich, er ist init allen den Vorurtheilen angefüllt, deren sich der Deutsche gegen dm Juden so schwer erwehren kann. Demungeachtet ist er durchdrungen von der Unschuld der Damasker Märtyrer und empört von den Schandthaten, die man gegen sie verübt. Um so mehr interessirt es wol, seine Darstellung kennen zu lernen. Ja, wir müssen sie der Allg. Zeit, des Judenthums einverleibm, weil wir auf sie als die rücksichtslose Meinung eines rücksichtslosen Augenzeugen stets werden verweisen können. Zugleich hat sie das Verdienst, wirklich die erste gedrängte, körnige, zusammenhängende Erzählung der Fakta zu sein, die erzählt ist, blos um die nackte Wahrheit zu erzählen. Am 5. Februar 1840 verschwand zu Damaskus Pater Thomas, ein Kapuzinermönch aus Sardinien, welcher bereits seit dreiunddreißig Jahren medizinische Praxis in Damaskus trieb, und besonders als impfender Arzt bei Groß und Klein in der ganzen Stadt wohlbekannt war. Er hatte sich ein Vermögen gesammelt, das die Regel seiner Ordensdisciplin wol übersteigen mochle, ihn jedoch nichts weniger als freigebig stimmte. Seine Sprache war sehr frei und schonungslos, sein Betragen etwas keck und anmaßend, und sein Wissen gering. Sein Geld und die Klosterhabe wurden unberührt gefunden. Zugleich mit ihm vermißte man seinen jungen, kräftigen Diener und beständigen Begleiter. Die Sache machte Aufsehen, und der französische Konsul hielt es für seine Pflicht, die Untersuchung in dieser Angelegenheit einzuleiten, da Frankreich die erste Autorität der Terra santa ist, und Schutz und Schirmherrschaft über ihre sämmtlichen Filiale ausübt. Mehrere Israeliten gaben an, daß sie Pater Thomas in ihr Quartier haben gehen sehen, keiner aber konnte angeben, daß er wieder herausgegangen wäre, und Niemand fand sich, der ihn am Tage seines Verschwindens an einem andern Orte gesehen hätte. Dieß genügte, um den Verdacht zu gründen, daß die beiden Individuen in dem Stadtviertel der He-