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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-01-30 · Heft 5 (30.1.1841) · p. Seite 61

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 5 (30.1.1841)
Date
1841-01-30
Page
Seite 61 (sequence 5)
Language
German
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61 lieber, ihre Kinder in dunstige sogenannte Chedarim zu stecken, als die freie Luft der bequemen, geräumig eingerichteten Säle der neuen Schule genießen zu lassen; sie wurden mehr vom Gewäsche ihrer höchst obskuranten Melamdim, mit dem diese den naiven Sinn des Kindes vollpfropfen, befriedigt, als von der faßlichen Unterrichtsmethode der neuen Lehrer; und außer den hiesigen Deutschen und der nieder» Volksklasse wäre die neu errichtete Schule völlig leer. Da nahm die Regierung, die sich in ihren Hoffnungen getäuscht sah, zu andern Maaßregeln Zusiucht: Sie untersagte nämlich allen denjenigen Israeliten eine Heirathserlaubniß, die von dem Direktor der Normalschule kein Zeugniß über ihre gehörigen Kenntnisse hätten, von welchem Edikte Handwerker ausgeschlossen waren. Aber die Gewalt kann selten das durchführen, woran mildes Verfahren bereits umsonst seine Kräfte verschwendet hat. Jedoch um der Einseitigkeit nicht zu huldigen, geziemt es sich zur Entschuldigung jener Obstination einen Umstand zu berühren, in dem genug Grund und Ursache liegt, auch den Besserdcnkenden von dem übrigens lobenswürdigen Schritte abzühalten. Eben jene Gefälligkeit, die gleich den Juden beim Austritt aus der Normalschule im Gymnasio entgegen kömmt, eben jene Vertraulichkeit, die sich gleich da zwischen ihm und den christlichen Schülern einschleicht, stoßen dem jüdischen Studirenden eine zu sehr beliebte Anhänglichkeit an der schwelgerischen Lebensweise und den Ansichten — wenn Judenhaß und flatterhafte Spötteleien auch Ansichten heißen sollen — der übrigen naseweisen Schüler; und da stößt man nicht selten auf einen erzdummen Scholastikus, in dem man gleich den Juden erkennt, und in dem dennoch alles Jüdische einen geschwornen Feind besitzt; wie oft hat sich der polnische Jude von solchen Knaben gemißhandelt gesehen! Solche Erscheinungen wahrlich! können leicht dem, der irgend nur sein Kind uicht zum Judenfeind erzogen sehen will, den Muth Niederschlagen.") Dieses Nebel fühlten manche ein- ") Daß die Siltenverdorbenheit der im Gymnasio und in der Akademie studirenden Jugend dem Zaudern von Seiten der übrigen Juden überhaupt zu Grunde liegt, bestätigt sich einigermaßen in dem Fortschritte der neuesten Zeit, wo doch viele bedeutende Häuser ihre Mädsichtsvolle Männer, unter denen auch der in dieser Zeitung öfter erwähnte Herr Dr. Goldschmidt war, der während seines hiesigen Aufenthalts bei dem Rabbinen sich darum bewarb, von ihm eine Bestätigung zur Gründung einer hohem Schule für Israeliten zu erlangen, zu welchem Plane er bereits die Permission des Staates in Händen hatte, und zu welchem Behufe einige Bewerber um die Lehrämter, unter denen auch Herr ür. Goldschmidt, bereits öffentlich examinirt wurden. Der Rabbine aber gab ihm — aus welcher Ursache, mochte er' selbst nicht wissen — eine derbe Zurückweisung, wodurch auch — wie es mir Herr Dr. Goldschmidt versicherte — einigen amtlichen Personen, denen die Ausführung sehr nahe am Herzen lag, die aber eingedenk des Ausganges eines ähnlichen, vor etlichen Jahren gemachten Planes — der damit sein Ende nahm, daß die hiesigen jüdischen Frauen, von deren Einfluß so vieles hier abhängt, als ihnen ein falsches Gerücht zu Ohren kam, daß man das Lehren des Talmuds gesetzlich verbieten werde, haufenweise nach dem Begräbnißplatze eilten,- um da bei den dort liegenden Heiligen die Rettung ihrer Religion zu erflehen — des unbeugsamen Starrsinns und des schwachen Kleinmuths der hiesigen Juden sich wol bewußt waren, der Muth ganz genommen ward. So gelang es eher unserem gefeierten Crvmieux in Mitte Afrika's — in Kahira — eine zweckmäßige Schule zu errichten, als daß Jemand in dem durch seine günstige Lage so verbesserungsfähigcn Krakau, was Ersprießliches zu Stande bringen konnte. — Der Handwerksstand gilt noch immer hier bei den Vornehmen als ein Pöbelstand, und kein Jude von einigem Ansehen ging bis jetzt mit dem löblichen Beispiele voran, sein Kind, mag es noch so viele Unfähigkeit zum Studium zeigen, zu irgend einer Profession anzuhalten; sondern ein jeder hält, wo nur möglich, seinem Sohne einen Hauslehrer, der keine Idee von pädagogischer Einsicht hat, und der seinen Herrn schon damit zufrieden stellt, wenn er nur dem Kinde eine recht hübsche Portion Talmud und den Kommentar der Wochen -Sidra in einer elenden Weise, chen — wenn ihr Schulkursus in der Normalschule geendigt — der Aufsicht dieser Schule übergeben haben. Eorresp.

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