Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1841)
- Date
- 1841-01-30
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht zu erstatten. Schon im dreizehnten Jahrhundert, wo man noch nicht mittelst Dampf nach Asien und Afrika reisen konnte,, und selbst Europa noch schwer zu bereisen, war, machte der Spanier Benjamin aus Toledo auf eigne Kosten aus ähnlichem Zwecke eine Reise in die drei Welttheile, welche einen so günstigen Erfolg hatte, daß noch in neuerer Zeit Chateaubriand alle seine Schriften übersetzen ließ, und sie als Meisterwerk erklärte. Wie viel würden die Wissenschaften den Israeliten verdanken, wenn diese ihre frühern Verfolgungen damit belohnten, über Völker im Innern von Afrika Aufklärung zu geben, wohin bis jetzt noch kein europäischer Fuß dringen konnte. Bei einem Ausfluge zu den Katarakten, den ich mit dem deutschen Maler Herrn Kretschmar aus Danzig machte, fand ich in Khene einen florentinischen Naturforscher, der unlängst Abyssinien verlassen hatte. Nach seiner Versicherung soll in den hohen Gebirgen von Sumen sich ein jüdischer Stamm befinden, der schon zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft dort einwanderte, sich einen erblichen Chef erwählte, dessen Nachkommen heute noch regieren sollen, und der, wie in jener Zeit, im Nornadenzustand lebt." .Hg. Magdeburg, 18. Januar. Ein uns mitgetheilter Privatbrief des Herrn Cremieux spricht sich dahin aus, daß neuesten Nachrichten zufolge die Schulen in Kairo einen, sehr glücklichen Erfolg haben, und daß man im Begriff stehe, auch in Alexandrien deren zu gründen. Er drückt auch den Wunsch aus, daß die Israeliten Norddeutschlands ihm ihre Unterstützung angedeihen ließen. Krakau. Krakau, I. Januar. (Privatmitth. Fortsetzung aus voriger Nummer.) So verhält es sich mit meinen Glaubensgenossen dieser freien Stadt. Auch der Jugend-Unterricht bietet keine ganz erhebliche Erscheinung dar; darüber aber haben die hiesigen israelitischen Einwohner Niemanden zu beschuldigen als sich selbst. Die löbliche Regierung hat sich hier um den öffentlichen Unterricht so verdient gemacht, daß sie auch in der Mitte der Juden nichts mehr zu wünschen übrig ließ. Außer daß die Juden in den öffentlichen Schulen und der hiesigen Universität mit einem Wohlwollen ausgenommen, und von den Schulkollegen mit einer Toleranz und Freundlichkeit behandelt werden, die des Kontrastes wegen Jeden in Erstaunen setzen, hat noch die Staatsverwaltung für Israeliten eine besondere Normalschule in einer jüdischen Straße errichten lassen, die bis jetzt schon 150 Knaben und 40 Mädchen zählt. Unter der Direktion des Herrn Lewitzki ist hier die schönste Ordnung im Schulwesen nicht zu verkennen. Die Landessprache, deutsch, französisch, die Anfangsgründe der lateinischen Sprache, Religionslehre, Exegese, Arithmetik, Geographie, Geschichte, Schönschreiben und Zeichnen sind die Unterrichtsgegenstände für die Knaben, die mehrere christliche Lehrer und Herr Samuel Weinsberg, Herr Schönborn, der Verfasser eines jüdischen Katechismus, nach dem er auch seine Schüler unterrichtet, und Herr Löwy ertheilen; manche neue Sprachen, Zeichnen und Handarbeiten, die einigen christlichen Damen und einer jüdischen übertragen worden sind, sind die Lehrgegenstände des weiblichen Geschlechts. Die jährlichen Schulexamina, die gewöhnlich Herr Wischniewski, Direktor am Lyceum und Professor der Geschichte an der hiesigen Universität, der geschätzte Verfasser der „Bakonischen Methode," des ersten gründlichen systematisch-philosophischen Werkes in der polnischen Sprache, ein Mann von eminentem Scharfsinne, ausgebreiteter Gelehrsamkeit und ernster Forschung, der, als würdiger Zögling des menschen- und judenfreundlichen Czazki, in verschiedenen Verhältnissen seine vorurtheilslose Denkungsart erwiesen hat"), nebst vielen anderen ehrbaren Christen mit ihrer Gegenwart beehren, haben nie einen Tadel der Anwesenden nach sich gezogen, vielmehr ihnen den gebührendsten Dank entlockt. Aber die Absicht der Gründer dieser Schule wurde wenig erreicht; Leute, denen ihr Ahnenstolz alles gilt, konnte man keineswegs bewegen, ihre Söhne oder Töchter einer Anstalt zur Erziehung anzuvertrauen, die täglich ihren großen Nutzen in raschen Fortschritten den Beweis gab; ihnen war es *) So hat er z. B. einst einem israelitischen Jüngling in polnischer Tracht auf sein Ansuchen erlaubt, seine Vorlesungen frei mit anzuhörcn — was. in Polen nie stattfand — ja, er untersagte sogar seinen übrigen Schülern bei Gelegenheit einer Vorlesung, ihm ja die mindeste Mißhandlung zuzusügen. Mögen Viele seinem Beispiele folgen! Corresp.