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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-01-30 · Heft 5 (30.1.1841) · p. Seite 59

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 5 (30.1.1841)
Date
1841-01-30
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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nicht kennen, weiß ich nicht. Welch' himmelweiter Unterschied, wenn man sich der Moldau und Wallachei nähert, und dort die deutsch-polnischen Juden kennen lernt, wo der ewige Hader mit den Griechen kein Ende nehmen will. Wahrend deren letzter Revolution war alles für sie so begeistert, daß man sich bemühte, keine ihrer Schattenseiten aufzuklären; mit Stillschweigen wurden übergangen die Gräuelthaten, die sie gegen die Juden, unter dem Vorwände, sie, seien Türkcnfreunde, begingen. Das Mordschwert würhete so stark, daß selbst Kinder in den Wiegen nicht verschont wurden. Seit dieser Zeit befinden sich keine Juden mehr in Griechenland-. — In Ländern,, wo durch Pest, Vielweiberei und ewiges Morden von oben herab seit Jahrhunderten die Bevölkerung im Abnehmen ist; wo man Tage lang reist, ohne auch nur ein Haus zu finden; wo es dem ergiebigsten Boden an Händen, ihn zu bebauen, fehlt, geben diese Art Ausrottungskriege eine Lücke, wovon man in andern Ländern, deren Bevölkerung im steten Zunehmcn ist, keinen Begriff hat. Welch' trauriges Bild liefert selbst das heutige Griechenland sammt Morea und seinen unzähligen Insel», dessen Volkszahl kaum der im Großherzogthum Hessen gleichkömmt. Welche Hoffnungen dagegen gewahren die Sanitäts-Anstalten, die Herr Cremieur für seine Glaubensgenossen gegen die Pest errichtete. Diese Krankheit wüthet im Allgemeinen so fürchterlich, daß sie im Jahre 1830 in Kairo nicht weniger als 7»MO Pestbefallene hinwegraffte. Ein altes Vorurtheil bei den Arabern behauptet, daß die Pest in den Quartieren der Juden ihren ewigen Sitz genommen habe; gewiß ist, daß sie beim Ausbruch bei diesen stets schreckliche Verheerungen anrichtet. Obschon sich die Bildungsanstalten des Herrn Cremieux einer großen Popularität erfreuen, bedauere ich doch, daß sie errichtet wurden. Was soll diesen arabischen Kindern im Innern von Afrika die Kenntniß von zwei bis drei Sprachen, die man kaum bei den gebildetsten Europäern findet? was soll Menschen, die ihr Quartier ihr ganzes Leben nicht verlassen, unsere Geographie nützen, und warum sollen sie sich unsere«? Maschinen beim Essen bedienen, wenn es gewiß ist, daß alle Muftis, Kadis, Pascha'S, ja ■ selbst Mehmed-Ali noch die Finger gebrauchen? Die Israeliten Kairo's leben seit Jahrtausenden unter den Arabern; Kleidung, Sprache und Gebrauche sind ihnen zur zweiten Natur geworden; werden wir diese Menschen nicht unglücklicher machen, wenn wir sie über ihr Elend aufklären? Hängt nicht die ganze Civilisation im Oriente davon ab, wie wir mehr oder weniger mit ihm in Berührung kommen? Kaum sind es 15 Jahre, daß es den Franken erlaubt ist, in Kairo einen Esel zu besteigen; ohne Lebensgefahr konnte der Europäer die Stadt nicht verlassen. Mehmed-Ali verdanken wir, eine Strecke von 1400 Stunden, vom Taurus bis zum Sennaar, in der Wüste wie am rothen Meere, wenn wir der Wege kundig sind, fast ohne Führer gehen zu können. Kaum waren seine Kräfte in Syrien gelähmt, so war es keinem Europäer mehr möglich, sich dorthin zu begeben, und die beiden Herren Montesiore und Cremieux, die, um ihren unglücklichen Glaubensbrüdern zu helfen, Meere durchsegelten, fanden kein Mittel mehr, zum Ziel ihrer Reife zu gelangen. Ich möchte den Juden und andern guten Menschen den Trost nicht nehmen, daß in Damaskus alles beigelegt ist. Aber wer in der Welt mag uns versichern, daß das in allen Blättern besprochene Urtheil Mehmed.Ali's wirklich abgegangen, angekommen und von einer fanatischen Behörde, über die er nicht mehr zu gebieten hatte, vollzogen worden sei? Wem überhaupt war es je gelungen, ohneMehmed- Ali's Schutz nach Damaskus zu kommen? Noch im Jahre 1833 war Lamartine genöthigt, beim Eintreten in die Stadt sich in Beduinen-Kleider zu stecken, seine Familie mußte sich Nachts einschlcichen. Aber sein Wille war schon einige Jahre später so mächtig, daß sowol Schubert, als Marmont so frei und ungehindert in den Bazarn jener Stadt spazieren gingen, als wenn sie sich in München oder in Paris befänden. Seit vielen hundert Jahren erfreute sich Niemand bei den Israeliten einer solchen Popularität, als Hr. Crömieux. Jung und Alt, Reich wie Arm, religiöse und moderne Israeliten drängen sich um ihn, um für seine Vertheidigungsschriften, große Reise, Geld- und Zeitaufwand ihm ihren Dank abzustatten. Möge er diese schöne Stellung benutzen, um einen großen Verein zu bilden, der allein zum Zweck hat, die verschiedenen jüdischen Stämme, die in allen Theilen von Asien und Afrika zerstreut sind, aufzusuchen, und uns über ihre bürgerliche und religiöse Stellung

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