Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1841)
- Date
- 1841-01-23
- Page
- Seite 54 (sequence 14)
- Language
- German
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54 Spricht er mich an, und redet Liebesworte, Ich bin verwirrt, ich weiß kaum, was er spricht, Und bitt' ihn nur, mir freien Weg zu lasien — Da lacht er auf — ein Höllentachen, Bruder — Greift meinen Arm, ich will mich ihm entringen. Er reißt mir frech den Schleier vom Gesicht, Und will mit seinen Fausten mich bezwingen; Bei meinem Schrei'n erscheint von fern ein Licht, Und Menschen nah'n — da laßt er mich, doch fluchend Rust er mir grinsend in das wirre Ohr: „Wir seh'n uns heut' noch wieder'/' Wie ein gescheuchtes Reh raff' ich mich auf, Und jage her, bis ich die Pfott' erreicht — Benoni (nach einer Pause.) Kennst Du den Namen dieses Aga nicht? Thirza. Nein! nie erblickt' ich früher ihn. Benoni. Ha, war' ich dort gewesen — wie sprach er Zuletzt? Thirza. „Wir seh'n uns heut' noch wieder!" Benoni. Sei ruhig, Thirza! Thirza. Ruhig — bist Du ruhig? Wie graut's mich vor den Schatten dieser Nacht! Benoni. Was hattest Du zu fürchten? sind wir nicht Im Viertel unsrer Brüder, in des Vaters Haus? Auch nicht ein Aga darf Gewaltthat üben -- Thirza. O hättest Du sein grauses Wort vernommen Ja, Wahrheit war's, wie Sammiel's Wahrheit klang's, Wie Uctheilsspruch am letzten Tag der Welt, Durchschaur'te mein Gebein'wie Klang von Erz — Benoni. Wie's mir durch alle Glieder rasend wüthet, Wie's glüht und tobt, als Han' ein doppelt Herz Voll Haß den Raum der ganzen Brust erfüllt — Es ballt die Faust sich krampfhaft, wie zu Eisen, Und jede Sehne stahlt zu Panzer sich — Sei ruhig, Thirza, süße Schwester, ruhig! Auch ich kann kämpfen, und zu Boden streck' ich Den Muselmann, vor Deinen Füßen hier — (Er eilt nach einem Schranke.) Ja, dieser Dolch mit wohlgeschliff'ner Spitze Soll durstig trinken sein verruchtes Blut, Wenn er es wagte, hier hereinzudringen — Thirza. Du wüthest', Bruder — mahnest mich zur Ruhe, Und bist doch selbst von wilder Gluth bewegt. Benoni (verbürgt den Dolch im Gürtel.) Laß, Thirza — sieh, es ist vorüber schon — Laß uns den Blick nach oben lieber wenden. Er, der beherrscht des ganzen Weltalls Enden, Er leitet auch des Staubgebornen Fuß, Und läßt gescheh'n nur, was geschehen muß! Daß nur der Vater Nichts gewahre — Wozu auch, daß ec jetzt erfahre. Was, ohn' Gewicht, ihm doch den Frieden stört, Deß er am heil'gen Sabbat gern begehrt. Und was vermag solch' Aga? Sieh, Kaum daß die Sonne in der Früh' Der Hauser Zinnen wird umröthen. So will ich vor den neuen Pascha treten, Um Gnade und Gerechtigkeit ihn flehen — Ein neuer Herrscher pflegt darauf zu sehen. Daß Lob sich Anfangs seinem Namen eine — Verbirg den Schrecken mit der Ruhe Scheine! (Man pocht an der Thüre. Sie fahren zusammen.) Beide. Der Vater — (Wahrend Benoni die Hausrhüre öffnet, zündet Thirza schnell die Lampen an.) Dritter Auftritt. Die Vorigen. Elazar. E l a z a r. Seid mir gegrüßt zum heil'gen Sabbat, Kinder! lBenoni und Thirza nähern sich ihm, um den Segen zu empfangen.) Thirza (heftig des Vaters Arm ergreifend.) Ja segne, Vater, segne mich! Elazar. Gesegnet, Thirza, bist Du schon vom Herrn, Und ich an Dir! Thirza. Gereicht des Bakers Segen Nicht auch zum Schutz in Schrecken und Gesalw? Elazar. Wohl thut er dies; er stählet das Gemüth, Laßt an des Höchsten Vaters Brust ermannen