Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1841)
- Date
- 1841-01-23
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225173-3225178--03281-3312806- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
47 schm, die seine Religionsansichten theilen, die Erhebung und Bildung von so vielen Individuen gilt— da sollte seine Theilnahme untergehen müssen in den engem Kreisen, denen seine Persönlichkeit als solche angehört? Staat, Volk, Gesellschaft, Glauben, sie sind sammtlich Regionen, in denen wir wirksam sein müssen, und es sein können, ohne Benachthciligung der Einen wie der Andern. Aber es ist nur ein verkappter Egoismus, der den Staat am Ende ebenso sitzen läßt, wie den Glauben, wo cs ein Opfer kostet! Doch wir kommen wol wieder auf diesen Gegenstand zurück. Red.). —. Die großen Ueberschwemmungen der Rhone ff. in Frankreich haben auch die Israeliten in Thätigkeit gebracht. Herr Heyman de Ricqles, Delegirter des israelitischen Konsistoriums zu Lyon wird von den dortigen Blättern sehr gelobt, und erhielt vom Maire und Präfekten Bclobungsschreiben, da derselbe in den Unglückstagen überall in einem Nachen umherfuhr, und Brod und Geld austheilte, ohne natürlich nach dem Glaubensbekenntniß zu fragen. Derselbe hat auch an die Israeliten ein Circulair gerichtet, zu Unterstützungen auffordernd. Desgleichen hat der Groß-Rabbine von Metz einen Hirtenbrief erlassen, indeß haben die Israeliten von Metz, wie i'lmiepelidaat de la Moselle sagt, nicht einmal hierauf gewartet, sondern sehr reichlich beigesteuert. Zu Paris hat der Groß-Rabbine eine Rede gehalten, um zu Beiträgen für die Ueberschwemmten aufzufordern. Herr Eahen, Groß-Rabbine zu Marseille hat ein sehr rührendes Circulair an seine Gemeinden erlassen. Der Groß-Rabbine von Bordeaux hat selbst gesammelt, und 855 Fr. abgeliefert. — —. Halphen Edmond ist am 21. Dezember zum Adjunkten des Maire vom zweiten Bezirk von Paris ernannt worden. —. So eben hat das Konsistorium von Metz seine Demission eingereicht. Das Nähere ist noch nicht bekannt. —. Unter den Abonnenten der Arch. Israel, steht auch das Kriegsministerium mit fünf Exemplaren. Deutschland. Hamburg, 10. Januar. Während des verstossenen Jahres sind in Hamburg 4685 Kinder geboren, worunter 235 israelitische, begraben wurden 4866 Personen, worunter 206 Israeliten (also auch diesmal bewährt sich das eigenthümliche Verhältniß der früheren Jahre, daß, während im Allgemeinen mehr Personen starben, als geboren wurden, bei den Israeliten mehr geboren wurden als starben.) Leipzig, 2. Januar. Die Zeitung für die elegante Welt theilt über „eine gemischte Ehe" Folgendes mit: „Ferdinand Hiller, der Komponist der „Zerstörung Jerusalems," wird eine Katholikin heirathcn. Hiller ist Jude, in Frankfurt gebürtig und heimisch; seine Verlobte ist eine in Paris erzogene Polin, die sich im Conservatoire zur Sängerin bildete und als solche in Venedig die Bühne betrat. Keiner von Beiden wird die Konfession ändern und es stellt sich natürlich die Frage, ob eine so gemischte Ehe in der Heimath Hiiler's bürgerlich und christlich anerkannt werden könne. Der freien Stadt Frankfurt war ein solcher Fall noch nicht vorgekommen; sie hat sich jedoch entschieden, das Bündniß sanktioniren zu wollen, und Hiller bleibt Jude, bleibt frankfurter Bürger. In ähnlicher Art weiß man in deutschen Landen nur von Weimar, daß die Ehe eines Christen mit einer Jüdin rechtlich anerkannt wird." Frankfurt am Main, 30. Dezember. (Eingesandt. Wir geben den folgenden Artikel nur mit Auslassung einiger Persönlichkeiten ganz wie er uns von einem uns bekannten Manne übersandt worden. Daß ihm unser unparteiisches Blatt die Aufnahme nicht verweigern konnte und wollte, liegt auf der Hand. Red.) Sie werden von dem zu Ehren des Herrn Cremieux von Seiten der hiesigen Freimaurerloge, genannt „zur ausgehenden Morgenröthe" veranstalteten Festmahle gehört haben. So gerecht mtd lobenswert!) nun auch diese Manifestationen der Anerkennung und Würdigung der großen Verdienste des Herrn Cremieux sein mögen; so wird doch dabei daS religiöse Gefühl aller nicht indifferent denkenden Israeliten gekränkt, wenn nicht empört werden, wenn wir als wahres Faktum die einfache Bemerkung hinzufügen, daß das ebenerwähnte, von einem jüdischen, aus mehr als 100 Mitgliedern bestehenden, Vereine, gegebene Festmahl —