Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1841)
- Date
- 1841-01-23
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
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Todtenfeier der Beni-Israel hat in ihren Ceremonien etwas Aehnliches mit dem Schradda der Hindu. Einige unter ihnen glauben an ein Fegefeuer für die Aufnahme der Seelen nach dem Tode. Die Trauerzeit dauert 7 Tage. V. H. Frankreich. 'Paris, 10. Januar. Dem Dczembcrhefte der Arcli. israel. de France entnehmen wir Folgendes über französische Zustände in Bezug auf die Israeliten. — Die Gemeinde zu Carpentras bestand 1788 noch aus 2000 Seelen. Gleich nach dem Jahre 1798 entfernten sich sehr Viele aus der, der päpstlichen Herrschaft unterworfenen Landschaft. Jetzt zählt sie nur noch 100 Familien. Der Gottesdienst ist schön, der Geistliche bezieht sein Gehalt vom Staate: aber in geselliger Beziehung ist man zu Carpcntras völlig stehen geblieben, und Katholiken und Israeliten sehen sich nicht im Geringsten mit den Augen der Eintracht an, die man erwarten und wünschen sollte. Vergebens war die Hoffnung der Israeliten nach dem Juli 1830, daß alle trennenden Momente nun verlöschen würden — Carpcntras ist für sie noch die Landschaft Venaissin: die Katholiken haben gegen die Juden noch den unbeugsamen Haß vergangner Zeiten bewahrt. Außer einigen einzelnen Männern, welche den Gedanken und Empfindungen der Zeit ihr Herz geöffnet haben, schließt man die Israeliten von allen geselligen Beziehungen ab. — lieber Metz berichtet man Folgendes: die Israeliten zu Metz zerfallen in drei Klassen, 1) die Or-! thodoxen, die zahlreichste und unwissendste Klasse; anderswo versteht man unter Orthodoxen Menschen mit festem, sicherm Glauben, hier ist es reine Mummerei; 2) die Neumodischen, gleichbedeutend mit Gleichgültigen, eine im Wachsen begriffene Klasse, sie hat alle Fehler der orthodoxen Klasse, nur nicht ihre Tugenden, nicht einmal die Mildthätigkeit, hingegen theilt sie den Fehler, Alles wissen zu wollen; 3) eine kleine Zahl unterrichteter Männer mit den besten! Zwecken, aber furchtsam oder entmuthigt. Die Rab-! binenschulc steht unter der Patronschaft der ersten j Klasse, und cs ist von ihr auch nicht das Geringste zu erwarten. Sie entläßt Schüler, mit Belobungsattesten, die nicht einmal orthographisch schreiben. Im Bibliothekssaale befinden sich nur zerrissene 1 Blatter, dagegen sollen die Schüler große Verehrer von George Sand sein. — Herr Cahen berichtet, daß seine Schritte (No.2) zu Gunsten der Juden von Algier mit vollem Erfolge gekrönt werden, es ist sofort Befehl ertheilt worden, daß in den Bureaur des Civilstandes die Juden nicht mehr gezwungen werden sollen, am Sonnabend zu schreiben. „Die Negierung, heißt es, ist voller guten Gesinnungen für sie, und der Augenblick ist nicht entfernt, wo, gleich dem, was für den protestantischen Kultus zu Algier geschehen ist, der israelitische ebenfalls organisirt wird. Wir können sagen , daß, wenn die Israeliten Frankreichs, anstatt der völligen Gleichgültigkeit für die Juden jenes Landes, nur einiges Interesse zeigen würden, die Regierung sehr bedeutende Unterstützung gewahren, und Algier bald ein Konsistorium, einen Rabbinen, eine Knabenschule haben wird. Die Negierung ist den Juden Algier's Schutz schuldig, wie allen anderen Bewohnern, aber es gebührt den Israeliten der Hauptstadt, sich für ihre Glaubensgenossen, die vor der Ankunft der Franzosen so sehr mißhandelt worden, zu interessiren. Zum dritten Male bringe ich die Bildung eines algier'schen Komite's in Vorschlag." (Man wird dem Redakteur dieser Mg. Zeit, des Judenthums Nachsehen, hierüber einige Worte beizufügen. Es giebt Juden, die es sich als die höchste Stufe der Bildung anrechnen, wenn sie für ihre Glaubensgenossen auch nicht die geringste Theilnahme empfinden. Sie glauben dann sagen zu können: Wir sind Preußen, Franzosen, Danen ff., aber sobald wir das geringste Interesse für Juden nehmen, sind wir nur Juden, und sondern uns ab. Die Emanzipation, die wir ansprechen, macht es uns zur Bedingung, keine Sonderinteressen anehr zu haben. Es ist dies ein sehr gewöhnliches, aber sehr schiefes und unheilvolles Raisonnement. Das Leben lehrt es uns überall, daß Katholiken, Protestanten ff., welche die besten Bürger ihrer Staaten, glühende Patrioten sind, dennoch für die Verbreitung ihres Glaubens, für ihre irgendwo bedingten Glaubensgenossen die größten Opfer bringen, und Jedermann lobt sie dafür. Der wahrhaft tüchtige Mensch fühlt und handelt für Alles, was den menschlichen Geist bewegt. Wo es also die Belebung seines Glaubens, die Erleuchtung von solchen Men-