Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1841)
- Date
- 1841-01-23
- Page
- Seite 45 (sequence 5)
- Language
- German
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45 einige wenige unter ihnen verstehen indeß auch das Guzerathi und Hindustani. Sie haben, wie schon früher bemerkt, in ihren Synagogen kein Sepher- Tora, oder geschriebenes Gesetz, wie die Juden, geben indeß das göttliche Ansehn aller Bücher des alten .Testaments zu. Erst neuerdings sind ihnen die Namen der Propheten bekannt geworden und in die Anerkennung der spätern Propheten willigten sie nicht ohne einiges Bedenken ein. Von den arabischen Juden haben sie die hebräische Liturgie empfangen, die sie theilweise bei ihrem Gottesdienst gebrauchen. Einige Exemplare des Rituals von Cochin, das gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Amsterdam gedruckt wurde, finden sich gleichfalls unter ihnen. Die fünf Bücher Moses bilden die Hauptquelle ihres Religionsgesetzes, obgleich sie deren Vorschriften nur theilweise beobachten. Pergamentblättchen mit darauf geschriebenen Bibelstellen werden nicht selten an verschiedenen Theilen des Körpers von ihnen getragen. Den Gebrauch von Zaubermitteln, wozu sie durch ihre heidnischen Nachbarn verleitet wurden, haben sie in der letzten Zeit gänzlich aufgegeben. Sie rechnen ihren Tag von einem zum andern Sonnenaufgang und benennen ihre Monate mit hebräischen Namen; ein Dritthcil der Bevölkerung beobachtet auch den wöchentlichen Sabbat. Um 6 Uhr Vormittags versammeln sie sich zum Gottesdienst in der Meschid, wo sie gegen zwei Stunden unter Gebet, Nachsprechen von Bibelstellen nach dem „Hazzan"') oder Leser, und Kniebeugungen verweilen; einige Andächtigere sieht man dort auch noch des Mittags oder zwischen 2 -,und 3 Uhr Nachmittags. Der Abendgottesdienst fängt gegen 6 Uhr an und wird am zahlreichsten besucht. Er dauert gegen 2 Stunden und wird häufig damit beschlossen, daß die Anwesenden den Segenskelch mit den Lippen berühren. Von dem größten Theil der Bevölkerung wird der Sabbat gänzlich vernachlässigt. Der Tag des Neumonds heißt bei ihnen, wie bei den Juden, „Kosch Hodesch" **) oder der erste Tag des Jahres, wird aber wenig feierlich begangen, außer wenn er auf einen Wochen-Sabbat fällt. Das „Jubel"wird gleichfalls nicht gefeiert. Wenn in einem Dorfe, wo die Beni-Jsrael nicht zahlreich sind, eine Geburt stattsindet, so besuchen fast alle das Haus und werden dort mit Consekt und Früchten bewirthet. Die Beschneidung vollzieht der ,,Kazi"°) an dem durch das mosaische Gesetz bestimmten Tage und spricht dabei die Worte: „Preis Dir, Jehovah, unser Gott und Aller Herr, der Du uns durch Deine Gebote heiligest und die Beschneidung auferlegst." Auch ruft er den Propheten Elias und' den zu erwartenden Messias an, wobei mehrere abergläubische Ceremonien beobachtet werden. Der ganze Ritus soll die Abstammung der Beni-Jsrael von Abraham andeuten. Stets ist eine Anzahl Glaubensgenossen zugegen, für deren gastliche Bewirthung gesorgt wird. Die Heirathen finden in der Regel so früh wie bei den Hindus statt. Die Ceremonien dauern 5, anstatt, wie bei den alten Juden, 7 Tage und tragen-in mancher Hinsicht einen heidnischen Charakter. Die eheliche Treue wird im Allgemeinen , streng bewahrt, obgleich Ehebruch nur leicht, z. B. I mit einer Geldbuße von 2 Rupien (IThlr. lO Sgr.),! bestraft wird. Bei schwereren Vergehen der Art fin-! det Scheidung statt, und der nicht schuldige Theil! darf sich wieder verheirathen; dem schuldigen ist dieß! eigentlich untersagt, bei der lockeren Disciplin der Gemeinde kann er cs aber durch Geld gleichfalls erlangen. In einer beträchtlichen Familienzahl kommt Polygamie vor, doch giebt es kein Beispiel, daß ein Mann mehr als drei Frauen gehabt habe. -Unfruchtbarkeit wird, wie bei den alten Juden, als ein großes Unglück angesehn; die Adoption von Kindern, bei Mangel an Leibeserben, geschieht durch einen schriftlichen Vertrag. Die Weiber find keines-! weges so erniedrigt, wie bei den rabbinischen Ju- ' den, doch dürfen sie nicht in die Meschid zum Got-! tesdienst gehn. Das Begräbniß folgt schnell nach! dem Tode. Die Tobten werden, ohne Särge, in 3! oder 4 Fuß liefen Gräbern, mit dem Kopf nach - Osten, bestattet. Zuweilen werden den Seelen der Verstorbenen Opfer von Röis, Milch und Kokosnüssen gebracht und zur Zeit des Begräbnisses Wasser mit Mehl vermischt gesprengt; auch pflegt man am dritten, - fünften und siebenten Tage nach der Bestattug an dem Grabe zu beten. Die jährliche ‘) V*. "*) ©in ©in. Red. Red. °) Wahrscheinlich pasg. Red.