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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-01-16 · Heft 3 (16.1.1841) · p. Seite 38

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 3 (16.1.1841)
Date
1841-01-16
Page
Seite 38 (sequence 10)
Language
German
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38 nicht verlangen, daß es innerhalb ihrer Mauern schon wieder verhalle, sondern daß es aus ihr heraus ertöne, und Jeugniß ablege von dem, was in ihr geschieht und gelehrt wird." Eben so treffend fahrt er fort: „Eine Religionsgesellschaft, welche allenthalben die Minderzahl bildet, und der Anfechtungen mancherlei Art ausgesetzt ist, kann nicht oft genug das Bekenntniß ihres Glaubens und die Grundsätze ihres Lebens wiederholen, weil man gar zu leicht geneigt ist, aus dem Stillschweigen gehaffige Folgerungen zu ziehen." Wir fügen hinzu, daß es die Predigt ist, welche in der jüdischen Masse echt religiösen Sinn wecken, und Erkenntniß über ihren eigenen Glauben schaffen muß. Es wäre daher viel angemeßner, der homiletischen Literatur Leser zu schaffen, als das Publikum in seiner Lauheit zu bestärken. Denn am Ende hört dieses auf dogmatische, linguistische und literar-historische Untersuchungen noch weniger. Wie aber Jeder, der selbst Redner ist, Vorliebe für dieses Fach haben wird, geht es denen, die nicht reden, sondern nur schreiben können, oft umgekehrt, daß sie die Rede zu verachten sich den Anschein geben wollen. — Im vorliegenden ersten Hefte werden nur von Maier und Salomon Predigten gebracht, da Mannheimer spater erst beitrat. Die Festpredigten (9) sind zu: Neujahr, Versöhnungs- und Laubhüttenfest, und zwar die ersten immer von M., die zweiten von S. Die Kasualreden (10.), die für sich mit neuer Seitenzahl gehen, sind eine Einweihungseine Geburtstagsund8Traureden (4 von M.,4 von S.) — Wollen wir nun eine kurze, unpartheiische Charakteristik für die hier gegebenen Festpredigten gewinnen, so bemerken wir, daß dieselben nur moralischer Tendenz sind, das Bekenntniß, die Lehre und das Positive der Religion aber aus ihrem Kreise (bis jetzt) ausschließen, und daß diese Moralität eine völlig allgemeine ist, die nur aus dem Boden des israelitischen Festes erwächst, und bald positiv an den Begriff des Festes, bald allegorisirend an die Bestimmungen des Festes die moralischen Restexionen knüpft. — Ohne hiermit eine frühere Streitfrage zwischen uns und dem Herrn Dr. Salomon über die Eigenthümlichkeiten der israelitischen Homiletik wieder aufwärmen zu wollen, haben wir hiermit die Granzlinien der vorliegenden Predigten ziehen wollen. Innerhalb dieses engem Kreises aber ist eine große Fülle schöner Sprache, lauterster Gesinnung, reifster Beobachtung und Lebenserfahrung, auf echt religiösem Sinne fußend, niedergelegt. Dle Reden Salomons unterscheiden sich durch den großem Schimmer der Sprache, durch die effektuette Rangirung der Satze, die Nettigkeit und Klarheit des Hauptgedankens, der fertig dem Hörer entgegentritt. Die Predigten Maier's dagegen sind gewichtiger, gedankenschwerer, ernster und dichter; sie schreiten, namentlich die über das rechte Fasten, wie geharnischte Ritter daher, die mit ehernem Fuße das Unkraut niedertreten. Dahingegen fehlt es ihnen an künstlerischer Abrundung, an der Vollendung des Hauptgedankens, an Leichtigkeit der Zusammenfügung, an logischer Folge. (Man sehe gleich No. 1.) Was eine nicht zu empfehlende Eigenthümlichkeit Maier's ist: ein allzulanger Text, von öfters 7 Versen u. m. Die Lange eines Textes könnte ausnahmsweise einmal über 2 Verse hinausgehen, sonst ist der Zweck des Textes verfehlt, der kurz, treffend, schlagend den Hauptgedanken der Predigt geben muß. Ref. hat die besondere Eigenthümlichkeit, keinen Text zu wählen, der nicht so verschlungen mit den Gedanken der Predigt ist, daß er nicht wenigstens am Ende jedes Theiles wieder wörtlich zum Vorschein kommen kann, und dies ohne Zwang. Dadurch gewinnt die Predigt an Klarheit für die Hörer, deren Mehrzahl immer als von nicht zu großer Kapacitat erachtet werden muß, ungemein, sie ist fertig und ganz, und der Textvers ist so oft wiederholt, daß ihn das zäheste Gedächtniß behält. Ich kann sagen, daß mir schon von Zuhörern nach Jahren gesagt wurde, welchen Text ich da und da gehabt. Mit dem Texte vermahlt sich aber dann die Totalwirkung der Predigt und identisizirt sich mit ihm. — Einzelheiten behalten wir uns für die folgenden Hefte vor, also nur noch einige Worte über die Kasualreden. (Schluß folgt.) C o r r e s p o u d e n z e n. Proviirzialberichte. Rawicz (Großherzogthum Posen), im November. Seitdem das Großherzogthum Posen unter preußischer Herrschaft steht, und durch deren Einfluß die polnische Wirthschaft daselbst zum Theil gewichen ist, haben auch vorzüglich die Juden, theits unter Beförde-

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