Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1841)
- Date
- 1841-01-16
- Page
- Seite 39 (sequence 11)
- Language
- German
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39 rung der Regierung, theils durch sich selbst der sozialen, wissenschaftlichen und moralischen Bildungsstufe, auf der die übrigen Provinzen Preußens stehen, sich zu nähern gesucht, und daß diese Bestrebungen nicht ganz fruchtlos gewesen, dafür sprechen die Berichte der Behörden an die Regierung, und davon kann sich leicht Jeder selbst überzeugen, wenn er mit unbefangenem Urtheile den moralischen Zustand der jüdischen Gemeinden im Großherzogthum Posen, wie derselbe vor 20—30 Jahren mx, mit dem jetzigen vergleicht. Daß ein Feld, das aus Vernachlässigung und Verwahrlosung wahrend geraumer Zeit mit Unkraut überwuchert worden, nicht auf einmal von demselben ganz und gar befreit, und in einen edlen Fruchtgacten verwandelt werden kann, das ist wol klar, und man muß also die Forderungen den Umständen anpassen. Aber was in der kurzen Zeit geschehen konnte, ist wahrlich geschehen. Wenn aber Jemand behauptet, daß die Juden selbst Nichts zu ihrer eigenen Verbesserung gethan, ja daß die kostbaren Bemühungen der Regierung ganz fruchtlos an ihnen vorübergegangen seien, daß die Juden von Grund aus' verdorben, eine miserable Nation seien, indem sie nicht einmal die Fähigkeit, sich zu vervollkommnen, besäßen, so kann dies nur ein Mensch, der wie der verlaumderische und unberufene Berichterstatter in der „schlesischen Zeitung," gegen die Juden voll von Gehässigkeit und vorgefaßter Meinungen ist, die er mit der Muttermilch und durch eine vorurtheilsvoUe, schlechte Erziehung eingesogen hat, und der in seinem blinden Zelotismus auch nicht ein Fünkchen von der christlichen Liebe blicken laßt, mit der jene Eiferer den Juden gegenüber doch gewöhnlich zu prunken pflegen. Viele unbestreitbare Berichte und Thatsachen, die das Gegentheil solch' gehässiger Behauptungen darthun, sind der preußischen Regierung zugekommen, so daß dieselbe den Fanatismus dieser Leuce gänzlich ignoriren kann. Aber schmerzlich ist es doch für uns, gerade diejenigen am lautesten schreien zu hören, welche ihrer Stellung nach am meisten von Humanität, der Frucht jeder wahrhaften Bildung, durchdrungen sein sollten. Glauben Sie nicht, daß es die niedrigere Klasse der Bevölkerung ist, die so feindliche Gesinnungen gegen die Juden und das Judenthum hegen, nein, es ist die Mehrzahl der höhern, der sogenannten Gebildeten. Sie sind nicht fähig, eine freiere Anschauung zu fassen, und in ihrem Eigendünkel fordern sie für sich von Anderen Alles, ohne Anderen die geringste Koncession zu bewilligen. Wir aber wollen ruhig und muthvoll dm Weg unserer eigenen Vervollkommnung fortschreiten, und was immer darin geschieht, der Oeffentlichkeit übergeben. Ihnen einen Beitrag dazu zu liefern, war auch beim Anfang dieses Berichtes meine Absicht, hatte mich nicht das empörende Gefühl bei Durchlesung jenes Famosus* libellus in der schlesischen Zeitung über den Zustand im Großherzogthum Posen davon abgebracht. Da wir mit Freude anerkennen und veröffentlichen müssen, was in der neuern Zeit zur Verbesserung der Juden im Großherzogthum Posen geschieht, um sowol die Widersacher und Feinde Lügen zu strafen, als auch den Männern der jüdischen Gemeinden, die thätig an der Regeneration ihrer Glaubensgenossen arbeiten, eine Aufmunterung in diesen mühevollen, aber segensreichen Bestrebungen angedeihen zu lassen: so kann ich auch das mit dem besten Erfolge gekrönte Wirken eines wackern und verständigen Lehrers der Jugend bei der hiesigen Korporation nicht mit Stillschweigen übergehen. Herr M. Eohn, geprüfter und bestätigter Oberlehrer an der hiesigen, unter Aufsicht der hohen Regierung stehenden Schule, unterzieht sich seiner Amtspflicht mit warmem Eifer und jugendlicher Thatkrast, so daß ich im Sinne aller hiesigen Bewohner nicht umhin kann, seinen fast beispiellosen Bemühungen diese öffentliche dankbare Anerkennung zu geben. Er ist mit Herz und Sinn dem Berufe, den er übernommen, ergeben, und trägt, obwol seine Leistungen anspruchslos und anderswo unbekannt sind, viel zu dem Werke bei, den Sauerteig, der sich in den frühem Jahrhunderten der Bedrückung und Verachtung unter den Juden erzeugt hat, zu entfernen. Durch seine religiösen Vortrage, die derselbe von Zeit zu Zeit in einer schönen, verständlichen und gefühlvollen Sprache vor einer zahlreichen Versammlung in der Synagoge hält, sucht er der Gemeinde Geschmack für höhere moralische und religiöse Bildung beizubringen, und durch seinen Unterricht pflanzt er würdige Grundsätze der Religion, freiere Ansichten in die Gemüther der Jugend, die er durch öffentliche Konfirmationen zum Uebertritte in das bürgerliche Leben vorbereitet. Die Regierung unserer Provinz, durch die Schulinspektion von der Thatigkeit dieses Mannes benachrichtigt, hat ihm das Predigeramt bei den jüdischen Sträflingen der hiesigen Königliches Strafanstalt übertragen, und sich nach vorgenommener Revision des Konsistorial- und Schulraths Herrn Dr. Jacob belobigend über seine Leistungen ausgesprochen. Am Huldigungs- und Geburtstage unseres geliebten Landesvaters, hat Herr Cohn in der von Zu-