Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1841)
- Date
- 1841-01-16
- Page
- Seite 35 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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35 Rhodus zu Theil geworden war. Eine ähnliche Mission unter der Leitung des Herrn Cremieux, Vicepräsidenten des Konsistoriums der Französischen Israeliten, begab sich gleichzeitig und zu denselben Zwecken, von Paris nach Alexandrien. . Abgesehen von den Hindernissen, die man erwartet hatte, wurden die Schwierigkeiten jener Missionen auch noch durch den schwankenden politischen Zustand des Vicekönigs von Aegypten wesentlich vermehrt. Man erhielt die Gewißheit, daß es unter den vorhandenen Umständen nicht möglich sei, die sofortige Einleitung eines neuen Prozesses zu erlangen, aber durch die unermüdliche Ausdauer der Missionen ward doch Vieles erreicht. Unsere unglücklichen Brüder, die zur Zeit der Ankunft der Missionen in Alexandrien immer noch im Gefängnisse waren und in augenblicklicher Todesgefahr schwebten, sind der Freiheit zurückgegeben worden; diejenigen der Angeklagten, die ihre Sicherheit in der Flucht gesucht hatten, haben Erlaubniß bekommen, in ihre Heimath und zu ihren Familien zurückzukehren. Auch ist dies noch nicht Alles; vielmehr haben wir Ursache, zu glauben, daß, abgesehen von diesen unmittelbaren Erfolgen, die Lage unserer orientalischen Brüder durch die energischen Maßregeln, zu denen die letzten Kalamitäten Anlaß gegeben, andauernd verbessert sein dürfte. Es ist kaum nöthig, zu bemerken, daß unsere Schritte mit ansehnlichen Ausgaben verbunden waren und daß, bevor die Zwecke der Mission vollständig erreicht sein werden, noch weitere Ausgaben zu erwarten sind. Zur Deckung derselben sind Subscriptionen unter uns eröffnet worden, .Gesuche um Unterstützung sind an unsere Brüder in entfernten Ländern ergangen, und überall mit vollständigein Erfolg. Alle, denen die Aufforderungen bisher zugingen, sind überzeugt davon, wie eng die Wohlfahrt unserer Glaubensgenossen überhaupt mit jenen traurigen Ereignissen zusammenhängt; außer ihrem Mitgefühle für die Leidenden, stimmen Alle auch darin mit uns überein, daß es unsere Pflicht sei, zusammcnzuhalten in dem Widerstande gegen die Verfolgung, von welcher Seite sie auch ausgehe, so wie den Verläumder zu beschämen und seine Bosheit zu entlarven, bevor die Lüge sich weiter verbreitet, damit in den Augen einer aufmerksamen Welt die Heiligkeit und einfache Reinheit unserer ehrwürdigen Religion vollkommen sich darstelle und auf diese Weise für alle Zeiten in den Gemüthern der Menschen eine Anschuldigung vertilgt werde, die so oft das traurige Vorspiel der Plünderung und der ärgsten Unterdrückung gewesen und jedesmal dem Frevler zur Rechtfertigung seiner Frevelthaten dienen mußte. Sie werden daher auch ganz unbezweifelt die Ansicht mit uns theilen, daß in Bezug auf diesen Gegenstand unsere Interessen völlig identisch sind. Das Kollegium des Londoner Comitö's von Abgeordneten Brittischer Juden, dessen Präsident zu sein ich die Ehre habe, hat mich beauftragt, Sie einzulaven, mit Ihren Glaubensgenossen in England und anderen Ländern mitzuwirken und Ihre Beiträge denen hinzuzufügen, die wir bereits gesammelt haben. Wir zweifeln nicht, daß Sie darin einen Ruhm finden, und daß Sie sich freuen werden, sich uns anzuschließen in der Erfüllung der edeln und unabweislichen Pflicht, Schutz zu verleihen dem Wehrlosen gegen den Mächrigen, dem Verletzten gegen den Frevler, so wie in der heiligen Verpflichtung, unsere Glaubenssatzungen gegen die nichtswürdigen Lügen zu verteidigen, welche von der Bosheit ersonnen, von dem Vorurtheil genährt und auf die empörendsten Grausamkeiten gestützt wurden. Ich habe die Ehre, zu verharren, Meine Herren, Ihr gehorsamer, ergebner Diener (gez.) H. de Castro, An die jüdische Gemeinde Präsident, in Berlin. Berlin, 16. Dezember. In diesen Tagen ist hier zum Andenken an den verstorbenen Professor Eduard Gans eine milde Stiftung errichtet worden, an deren Spitze die Professoren Marheineke, Böckh, Heffter, Benary und der Bankier Joseph Mendelssohn stehen. Der Zweck ist die Unterstützung hülfsbedürftiger Studirender aller Konfessionen durch Stipendien, die jedoch nicht unter 50 Thlrn. betragen sollen. Es wird. für diese Stiftung außer in Deutschland auch in Frankreich, Italien und Polen subscribirt und jeder Beitrag dankbar angenommen.