Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1841)
- Date
- 1841-01-16
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
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30 Gegenden getragen werden. Natürlich ist der jährliche Abgang an diesem Kapital wol gering, da die Perlen von den Müttern auf die .Töchter und Enkelinnen vererben. Allein geben wir ihnen auch die Dauer von einem Jahrhundert, so betragt doch immer die jährlich nöthige Zubuße fast eine Million. Doch ist es wahrscheinlich, daß der Perlenhankel ein weit größeres Kapital beschäftigt. Die Perlen sind größtentheils orientalische, die theils über die Türkei und Odessa, theils über Armenien und Tiflis kommen. — Wir fragten unsere schöne Jüdin, ob sic nicht wegen eines so kostbaren Schatzes, wie ihre Perlcnhaube sei, in beständiger Sorge schwebe, und wie sic sich denn vor den Dieben wahre. Sie sagte, sie trage ihre Haube den ganzen Tag auf dem Kopfe, unv Nachts lege sie sie in eine Kiste, die unter ihrem Kopfkissen stände. Fast jede Nation hat irgend ein Toilettenstück, auf das sie große Stücke halt. So haben diese Steppen-Jüdinnen ihre Haube, .an die sie. wachend und träumend denken und um die sich ihr ganzes kurzes Leben dreht, wie die Erde um die Sonne." — Im Jahrgang J639 No. 64. 65. 67. theilten wir einen Aufsatz desselben Vers, über die Karaiten mit. Hier folgen einige Notizen über die höchst interessante karaicische Felsenburg Djuffut-Kalö, nahe bei der alten Tartarenstadt Baktschiserai. „Der Weg nach Djuffut-Kalö hinauf wird vom Kloster aus nun immer schmaler und steiniger. Die Karaiten aus dem Orte haben ihre Handelsbuden in der Stadt, überlassen deren Aufsicht wahrend der Nacht aber den Tataren und reiten alle Abende zu ihrem Felsen mit ihrem Erwerbe zurück, von dem sie des Morgens mit leeren Taschen zum Handel herabkamen. Früher zur Zeit der Chane mußten dies alle thun, weil ihnen verboten war, die Nacht in Baktschiserai zuzubringen. Jetzt thun es noch die meisten aus Gewohnheit. Der Ort Djuffut-Kal« gleicht noch jetzt, weil er eben so dauerhaft gebaut ist, wie die Sitten und Gewohnheiten seiner Bewohner, vollkommen dem, was er vor Jahrhunderten war, und ähnelt in gar nichts irgend einer Stadt, einem Dorfe oder einer sonstigen Niederlassung, die man im übrigen Europa noch jetzt sehen kann. Wenn die Biber aus Stein und auf den Felsenhöhen bauten, so würde ich mir eine Biberstadt etwa so denken. Auch die Cyklopen müssen ungefähr solche Städte gebaut haben, wenn die nur nicht wieder zu groß wären. — Der Weg wird kurz vor dem Thore der Stadt so steil, daß die Pferde mit Mühe auf den äußersten Spitzen der Füße hinaufkletrerten. Das Thor ist wie das Thor einer alten Burg des Mittelalters. Zu beiden Seiten desselben, über - und neben einander, gähnen den Ankömmling eine Menge finsterer Höhlen an, ganz wie die Höhlen der gottlosen Einaugen des Odysseus, die nicht Jupiter und der Menschen Rechte kannten. Sic dienen den Karaiten zur Bergung ihres Wiehes wahrend der Nacht und des Unwetters. Die Wohnhäuser sind klein, niedrig, ohne Fenster, mit platten Dächern, alle aus großen Steinstücken aufgeführt. Da die Straßen dabei zwischen diesen Steinhäusern ganz schmal eingeengt sind, und man immer auf dem nackt hervorguckenden Felsen reitet, da ferner auch die Höfe mit großen Mauern eingefaßt sind, in welche man durch enge Steinthüren hineinschlüpft, so sieht Alles so aus, als wären es nur mit Kunst nachgebildete und auf der Oberstäche des Felsens zusammengesetzte Höhlen. Kein Baum, nicht ein-! mal ein Strauch, ja nicht ein einziger Grashalm ' wächst in den Straßen oder Höfen dieses graulichen j Felsennestes, um mit seinem grünen Lichte die graue j Steinfarbe ein wenig anmuthig zu nüanciren. Die j kleinen Straßen, eng, tief und krumm, wie sie sind,! irren planlos hier und dort herum und verzweigen sich, als wenn Bäche über den Kops des Felsens hinweggegangen wären und sie als ihre Betten zurückgelassen hätten. Diuffut-Kalo hat auf seinem - steilen Felsen nicht ein Tröpfchen quillendcn Wassers, und die Brunnen der Karaiten liegen tief unten im Thale. Einige von ihnen beschäftigen sich damit, als Wasserträger die frische Welle auf dem Rücken der Pferde heraufzuschaffen und den Durstenden zu verkaufen. Die Eimer, in denen sie es j bringen, sind, um Verschüttung zu vermeiden, ganz bis auf eine kleine Klappe verschlossen, durch welch: sie das Wasser mittelst eines Röhrenhebers hervorziehen. Auch uns Schmachtenden wurde gegen eine kleine Vergütung gestattet, durch eine Röhre aus dem Fasse eines vorübertreibenden Wasserträgers die Kühlung heraufzusaugen. Wir statteten mehre Besuche in der Karaiten-Residenz ab, zunächst uns vor allen Dingen ihrer Synagoge, welche sie, die in aller Welt '(wenigstens in der ganzen südrussischen