Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1841)
- Date
- 1841-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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V. Jahrgang. Zeitung Allgemeine No. 3. -es Judenthums. Ein unpartheiifches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Verlag von Dr. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung israelitischer Prediger in Magdeburg. zu Leipzig» (Mit König!. Sächsischer allergnadigster Concession) Leipzig, den 16. Januar 1841. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. .w. umfasst. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Rußland. Leipzig. In der Arnold'schen Buchhandlung erschien vor - Kurzem „Reisen in Südrußland von Kohl." Dieser Reisende hatte in den jüngsten Jahren verschiedene Genrebilder aus Rußland im Mag. für Lit. d. Ausl., im Ausland, Abendzeitung ff. gegeben, die ziemlich derb und gehässig für die russischen Juden aussielen, weshalb sie eine gerechte Züchtigung von Steinheim im Telegraphen fanden. Aus den obigen „Reisen" entlehnen wir Folgendes: „In Alexandria (einem kleinen Städtchen am Jnguletz in den neurussischen Steppen) hält ein Jude ein Kaffeehaus, und seine reizende Tochter servirte uns den Kaffee. Wir machten ihr einige Komplimente über ihre schönen Augen und Zähne. Doch schien sie sich auf diese natürlichen Edelsteine und Perlen weit weniger einzubilden als auf die künstlich verflochtenen der prächtigen und glitzenden Perlenhaube, die sie auf dem Kopfe trug. Alle Jüdinnen in ganz Neu- und Kleinrußland bis nach Galizien hinein ttagen nämlich eine gewisse steife, bauschige und sehr entstellende Haube, die gewöhnlich auf schwarzem Sammtgrunde über und über mit einer Menge kleiner und großer Perlen besetzt ist und die sie „Muschka" nennen. Diese Haube hat mit sehr unbedeutenden Nüancen fast durchweg ganz dieselbe Form. Nur sind bei den Reichen die Perlen größer, und hier und da hängen sie auch noch eine Menge kleiner Perlen und Edelsteine, die wie die Ohrringe unserer Damen gefaßt sind, rund herum. Gewöhnlich tragen sie so ihr halbes Vermögen auf dem Kopfe. Denn meistens kosten diese Hauben 500—lOOORubel, viele aber auch 5000—6000 und mehr. Sie tragen sie gleichmäßig Sonntag wie Alltag und stolziren in Küche und Keller mit ihrer Muschka herum. Sie setzen ihr Letztes daran, um eine solche Perlenhaube zu erhalten, und wenn sie auch sonst in Lumpen gehüllt sind, so haben sie doch ihren Kopf mit Perlen gesckmückt. Um einer so weit und allgemein, verbreiteten Mode das nöthige Material zu liefern, ist daher der Perlenhandel von Odessa, Taganrog und einigen andern südrussischen Punkten nicht unbedeutend. Es mögen in dem geographischen Berbreitungsbezirke dieser Haube, den wir oben bezeichneten, auf's Mindeste 2,000,000 Juden wohnen. Nehmen wir unter diesen 2 Millionen auch nur 300,000 erwachsene Weiber, als Minimum an, und unter diesen als Perlenhauben tragend nur die Hälfte, 150,000 (nur die ganz bettelarmen und die ganz vornehmen tragen keine Muschka), nehmen wir ferner den durchschnittlichen Werth der Perlen einer solchen Haube nur zu 500 Rubel — es sind dies lauter kleinste Minima, die hinter der Größe der wahren Zahlen weit Zurückbleiben, — so giebt dies einen Kapitalwerth von 76,000,000, die als Perlen auf den Köpfen der Jüdinnen dieser