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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-01-09 · Heft 2 (9.1.1841) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 2 (9.1.1841)
Date
1841-01-09
Page
Seite 3 (sequence 19)
Language
German
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3 chen. Im Verlaufe der Beurtheilung läßt sich Anonymus ferner folgendermaßen verlauten: — „und um die neuere schöne Literatur bekümmert sich keiner; kaum daß es Einige geben möchte, die sich daran zu erfreuen im Stande waren, wenn sie eine Arbeit der Art zufällig in die Hände bekommen." Hier lohnt es wirklich nicht, den naseweisen Scribler lächerlich zu machen, er thut sich selber den Gefallen durch die bezeichnende Formel: „eine Arbeit der Art." Doch zum wirklichen, wahrhaftigen Status der Dinge. Danzig ist keine Stadt literarischer, namentlich literarisch-belletristischer Reputation, und steht in dieser Beziehung in fast gar keinem Verhältnisse zu den deutschen Städten gleicher Einwohnerschaft. Das ist ein positives Factum, dessen bedingende Ursachen nicht in die Aufgabe dieser Zeilen hinein gehören. Es ist nicht zu leugnen, daß diese Stagnation aus dem eigentlichen Gebiete geistiger Selbstvffenbarung sich in vielfacher Beziehung spürbar macht; doch das ist eine geschichtliche Verschuldung, der die Gesammteinwohnerschaft Danzigs verfällt und nicht etwa blvs die Danziger Juden. Sieht man aber auf den Sinn, auf die Stimmung für die gegenwärtigen Literaturbewegungen, so ist hierin wenigstens kein confessioneller Unterschied zu machen, und, um bei den Juden zu bleiben, so muß ersreulichermaßen bezeugt werden, daß es auch hier manche Seele giebt, die die Zeit in dem besten Sinne des Wortes, in allen ihren Bewegungen begleitet, und so zu dem Standpunkte absoluter Bildung hinaufsieht. Zugegeben, daß dieser Kreis ein recht sehr geringer ist; es ist der Kreis für diesen Standpunkt unter allen Menschen überhaupt ein geringer; dann aber ist er da wahrlich groß genug, wo man weit untergeordnetere Forderungen nur an zwei jüdische Aerzte zu machen sich berechtigt glaubt. Mag die Fremde nicht erschrecken über Danzig, die Herrlichkeit Gottes wohnt überall und ist auch hier in manchem seiner Ebenbilde sichtlich. Selbst aber bei Herabstimmung dieses Maßstabes auf das gewöhnliche Niveau allgemeiner Bildung muß gleichermaßen bezeugt werden, daß bereits bei einem großen Theile des Kaufmannstandes und namentlich bei den Jüngern, neben der industriellen Richtung eine zeitgemäße humanistische Bildung Raum gewinnt. Wenigstens wird das Bedürfnis einer Einigung dieser beiden Cultur-Richtungen immer fühlbarer, so daß bei dem bestimmten Niveau, bei gewissen Normalforderui^en geblieben, kein vernünftiger und ehrlicher Mensch, insofern man nur die'untersten Klassen ausschließt, hier den Zustand heraussinden würde, den die Unwissenheit und Unverschämtheit des Anonymus bezeichnet. Anonymus fährt fort und berichtet: Man habe allgemein das Unbequeme und Lästige des Ceremonial-Gesetzes zu fühlen angcfangen, man habe oftmals den Mangel eines ordentlichen Religionsunterrichtes bedauert und sogar das Unerquickliche des herkömmlichen Gottesdienstes beklagt. Anonymus hat sich geirrt und hier einmal die Wahrheit geschrieben, aber klug ist das nicht von ihm, denn es widerspricht geradezu seinen früher» Angaben von unserm Kamschadalenzustande. Doch er hat sich schlau eine Hinterthür gelassen, und damit man ihm hierin nicht zu viel traue, schließt er mit einem Witz, wörtlich: „der bessere kleinere Theil endlich hat das Unerquickliche des immer weniger verständlichen Gottesdienstes auf das ernsthafteste beklagt, daher auch hier das Bedürfniß nach Geschrei und Reform, daher findet man auch hier zwei Blätter: die Judenzeitung und den Orient!" — Sie Witzbold! — Aber entschuleigen Sie, die Jost'schen Annalen werden hier auch gelesen. Doch weiter! Bei Gelegenheit des Dr. Bram, zu dessen unberufenem Beurtheiler er sich aufwirft, bemerkt er: es habe sich die Idee einer Gemeindenschule, da dies Institut nach einjährigem Bestehen eingegangen, sich als unzeitig bewiesen. Erstlich Herr Anonymus bestand die Schule zwei Jahre, für welche Zeit der Jrrthum von einem Jahre ein horrentes Falsum ist, und überhaupt die Unzuverlässigkeit selbst rein sachlicher Angaben bekundet. Zweitens aber war die Idee einer Gemeindenschule eine recht sehr zeitige: es ist nämlich zeitig, daß die Religion als Grundanschauung unserer Seele in ihren successiven Offenbarungen stets analog sei der Capacität unserer geistigen Organe; oder mit kürzeren Worten, Herr Anonymus, daß die Religion in dem Gottessinne das Kind hinaufgeleite in die reisern Jahre; dann aber ist es zeitig, daß der Jugend ein klares edles Bewußtsein eingepflanzt werde von der göttlichen und geschichtlichen Berechtigung des Judenthums andern Religionen gegenüber; und endlich ist es zeitig, daß diese religiösnationale Bildung nicht auf Kosten der allgemeinen wissenschaftlichen erzielt werde. Was ein jüdisches Institut in der Qualität einer höhern Bürgerschule

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