Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1841)
- Date
- 1841-01-09
- Page
- Seite 2 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225173-3225176--03258-3312781- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2 da jedoch vor der französischen Occupation im Jahre 1807 nur einem sehr geringen Theile derselben, und zwar unter sehr schwierigen Bedingungen die Niederlassung in der Stadt bewilligt war, so mußte die übrige größere Zahl sich auf den verschiedenen Vorstädten congregiren und somit auch zu Gemeinden. Als jedoch mit der Negenerirung der menschlichen Rechte auch das Recht der Juden auferstanden aus dem Sarkophag einer trüben, thränenwerthen Vergangenheit, da wurden auch den fremden Glaubensbrüdern die Stadtthore geöffnet, nicht wesentlich darum, weil außerhalb derselben die Vorstädte verschwanden durch der Franzosen Hand, sondern darum, weil innerhalb derselben das Menschenrecht sichtbarer geworden. Zu der städtischen Gemeinde zogen nun die vier vorstädtischen, und ohne räumliche Sonderung bestanden nun auch in der Stadt die fünf Gemeinden nebeneinander; und das konnte nicht anders sein. Die Abweichung an Wohlstand und für die damalige Zeit somit auch an Bildung, die Verschiedenheit der Gemeindcinftitutionen und theilwcise auch der Erwerbsthätigkeit hatte einer jeden dieser 5 Gemeinden ein bestimmtes Charakteristikum aufgedrückt, das sich merkwürdiger Weise noch bis auf den heutigen Lag spürbar macht. In dieser charakteristischen Gesondertheit also rüchten die L Gemeinden nebeneinander, und es wäre für den damaligen Standpunkt der Dinge eine zu große Kultur-Forderung gewesen alle vorhandenen Particularitäten, alle eingebildeten Bevorrechtungen zu zerstören und zu überwinden des Ganzen und der Einheit wegen. Diese Einheit fehlt noch heutigen Tages und wird auch wol noch lange fehlen; und so sehr auch dadurch jeder Schritt vorwärts nur immer in parzieller Gestalt erscheint, was natürlich die Bewegung langsam macht, so ist dennoch Danzig darüber kein Vorwurf zu machen. Diese Fraction ist eine geschichtlich eingelebte und kann nur wieder durch ein neues Leben eine innere unbefangene Bildung ganz und Eins werden. Gottlob daß in Danzig schon hin und wieder die Idee eines solchen Einswerdens, auf die auch das redliche Bemühen des vr.Bram stets hinwirkt, als nothwendig austaucht; und sollte es auch über unsere Tage hinaus, wie kaum anders zu erwarten ist, nur bei der Idee Einzelner bleiben, es ist immerhin ein tröstliches Zeichen, ein kräftiges Aufblitzen achter, humaner Bildung, die nicht in sich selber, sondern erst im Ganzen das Ganze sieht. Traurig stände es freilich um jede Aussicht für den Fortschritt, wenn die Ansicht des Anonymus, des Censorii unserer Bildung die allgemeine wäre, der, beschränkt genug, bei Gelegenheit der Rabbinen von einer vornehmsten Gemeinde spricht. Das Wort vornehmst ist hier wirklich charakteristisch für die tiefe Kultur-Anschauung unseres Scribenten. Wir lassen nun unfern Kritikus einige Augenblicke allein, um etwas auf die jüdischen Zustände Danzigs wesentlich Einwirkendcs nachzuholen, das der Beachtung eines so hohen iugeuii gewiß unwerth befunden worden. Nach Danzig dürfen seit der Erlangung des Staatsbürgerrechts keine fremden Juden ziehen. Diese Institution ist vom Rathe der Stadt ausgegangen, und von den Juden, da sie vielleicht hätte rückgängig gemacht werden können, wahrscheinlich aus commercieller Selbstberücksichtigung, indolirt worden. Es machte sich das Unstatthafte einer solchen Beschränkung zuerst als sociales Hemmniß geltend, da nicht selten Eltern ihre Kinder der Fremde zuwenden mußten, während die Heimath die Ansiedelung neuer Bürger begünstigt hätte. Es sind später von den Juden ernste, doch vergebliche Schritte für die Rückgängigkeit dieses Edicts gemacht worden. Wichtiger aber ist die Reaction dieser Beschränkung, und zwar sehr ungünstig, auf die fortschreitende Entwickelung. Danzig blieb mit seiner angestammten Herkömmlichkeit isolirt und wo die Normalität der Zustände so wenig gestört wird durch irgend ein fremdes Element, da muß wiederum die Bewegung sehr langsam sein, dennoch aber bewegen sich die Danziger Zustände, und in der neuesten Zeit gottlob schneller, als man in der Fremde glauben möchte. Seines Orts über jeden einzelnen Punkt das Nähere. Von der Rabbinats-Vertheilung schreitet unser Anonymus zur Beurtheilung unseres höhern Cultur- Status, wobei eS ihm auf pure positive Gelehrsamkeit abgesehen zu sein scheint. Verehrter Anonymus, das ist eine sehr löbliche Perscrutatio, doch wissen Sie was ein Casus obliquus ist? — Ihre Beurtheilung fängt mit dem Satze an: Von den Familien, welche diese Gemeinden bilden, herrscht bei einigen:c. Lieber Freund, in dieser Constructionsweise ist der Casus obliquus »or „Einige" ein grober Schnitzer, und Sie thun Unrecht, in so wichtiger Affaire durch solchr Kleinigkeiten Ihren Kredit zweideutig zu ma-