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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-01-09 · Heft 2 (9.1.1841) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 2 (9.1.1841)
Date
1841-01-09
Page
Seite 4 (sequence 20)
Language
German
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4 hierin zu leisten vermag, hat die eben in Stejp» stehende Gemeindenschule bewiesen. Daß sie aber d'ennoch eingegangen, lag in pecuniären Rücksichten, die bei der Doppelfrage einer Gemeinden- und einer Freischule in Anspruch genommen werden mußten. In Rücksicht auf dies letztgenannte Institut ist Hr. Anonymus so gütig, dem Hr. Bram einige Brosamen beleidigenden Beifalls zuzuwerfen. Um Ihren Beifall Herr Anonymus, that's gottlob nicht noch; doch erlauben Sie, daß ich Ihnen an der Freischule noch einen Casus demonstrire, von dem Ihr hohes iugenium gewiß keine Ahnung hat. Die Danziger Juden hatten bisher, wie Sie selbst berichtet, nichts Gemeinsames als den Kirchhof; nun aber haben Sie etwas Gemeinsames im Leben. Merken Sie nun was gemeint ist? Die Freischule ist in der That die erste allgemeine Beziehung der Danziger Juden, und das ist ein Segen, der hinausragt über den Gesichtskreis äußerlicher Wahrnehmung. Anonymus gelangt hier zu den Rabbinen, doch unsererseits ist hierbei nichts zu bemerken, da nebenhergehende, den allgemeinen Fortschritt der Dinge nicht berührende Beziehungen nicht in die Aufgabe diese" Zeilen fallen. k'inis coronat o|uis. Unser Anonymus verläßt den Boden der handgreiflichen Praxis und wendet sich einer Art Speculation zu. Er spricht von der Cultus-Reform, zwar längst abgethane doch hörbare Dinge; als wie: „Die Verbesserung des Gottesdienstes hange zusammen mit der Restauration des ganzen äußern Glaubensgebäudes; es könne die Abschaffung von störenden Nebensachen allein nichts frommen, und nothwendige Veränderungen berühren die positiven Glaubenslehrew zu sehr, als daß sie ein Einzelner oder eine Gemeinde wagen dürfte." Also nothwendig sind Veränderungen und nicht nur sollen sie das äußere Glaubensgebäude, sondern noch mehr, sogar die positiven Glaubenslehren erschüttern dürfen; und erschüttern würde Herr Anonymus auch schon, aber er hat Angst, er ist ein Einzelner. Gleichviel, auf die That kommt's hier nicht an, er hat doch die theoretische Freiheit dazu; er überschaut doch ein» mal die Sache von dem Standpunkte des absoluten Rationalismus. Dafür kann ihm kein Mensch etwas anhaben und man wäre fast versucht zu glauben, er habe uns durch sein früheres Gewäsch nur mystisicircn wollen, wenn die rationale Betrachtung nicht mit der Pointe schlösse: „ob aber dabei.alle unwissenschaftlichen Rabbinen abgeschafft werden müssen, das ist eine andere Frage." Herr Anonymus, ist das Ihr Spaß oder Ihr Ernst? — Da indessen dieses psychische Curiosum nicht aus Ihrem bösen Herzen hervorgegangen, sondern gewißlich aus der Verirrung und Unwissenheit Ihres untersuchenden Geistes, so verzeihen wir es Ihnen gern; denn wie konnten Sie, Verehrter, wissentlich meinen wollen, „manch schönes Bild von rauher Lippe" — exempla illustrantrem — wir scheinbar Guten seien zu vergleichen mit dem Gewände einen mulieris menstrualis, welches Beispiel hier nur einen gewissen homiletischen Typus bezeichnen soll, sei in Einklang zu bringen mit einem rationalen Cultus! — Gegen den zuletzt bezeichneten Typus ist hier nichts ausgesprochen, und wenn sie sagen: der gefällt mir, so mögen Sie mit Ihrem Geschmack dafür auskommen, das Absonderliche liegt nur in der Combinatiön Ihres zwiefachen Begehrens, wks Ihnen aber bereits verziehen ist. Daß Sie aber nebenbei noch aus einen Mann der Wahrheit, dessen aufopferndes Bemühen für jede Sache innern und wesenhaften Fortschrittes Gott segnen möge, grobe, persönliche Ercursionen machen ist eine Jämmerlichkeit, die Ihnen Gott vergeben mag. Wir aber wissen nicht, was wir Ihnen zuerst vergeben sollen, die Zwitterhaftigkeit Ihres Geistes oder die Böswilligkeit Ihres Herzens. Die Sache der Danziger Juden wird gottlob immer mehr eine lebendige, das mag der Fremde vorläufig genügen. Mo aber Leben ist, da ist auch Wahrheit, und wo diese ist, da werden auch die Organe nicht fehlen für sie das Wort zu reden. A. H o r w i tz. Druck von I. B. Hirschfeld.

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