Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1841)
- Date
- 1841-01-09
- Page
- Seite 28 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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28 tut losgerissenen Menschen eine nachgeahmte Natur für diese selbst als Basis zu substituiren. Die Philosophie des Alterthums hingegen suchte dem Menschen durch die Idee eine Stellung zu verschaffen, aber allerdings mußte sich da die Anschauung der Idee sehr zersplittern und auseinanderfallen, weil sie des Centrums, und namentlich des Selbstbewußtseins entbehrte. Faßten daher die jonischen und epischen Philosophen die Idee noch als ein ganz Materielles auf, so daß erst Anaxagoras den voig als ein für sich Seiendes begriff: so verstanden die Sophisten die Idee noch als das bloße Wort, das der Mensch willkührlich schmieden könne. Auch Plato konnte hiervon nur einen sehr kargen Schritt weiter thun: ihm ist die Idee in der Wahrheit etwas Äußermenschliches, in einer hohem Welt Vorhandenes, wogegen die menschliche Idee nur Abdruck jener. Aristoteles war es, der die menschliche Idee substanziirte, indem er ihre Genesis in der Logik nachzuweisen suchte. Wie sie aber von ihm abwärts durch die verschiedenen späteren Schulen wieder zersplittert ward, und bald in der Dialektik, bald in der Ethik sich Nebenwege suchte, ist hier nicht der Ort näher nachzuweisen. In der heiligen Schrift ist es allein Kohelet, welche dem Menschen eine unabhängige Stellung für sich zu schaffen suchte. Aber nachdem die verschiedenen Wege, die dahin führen könnten, betreten worden, und sich als unzulänglich gezeigt haben, endet Kohelet damit, sich unbedingt dem Gotte, den die Offenbarung gegeben, wieder in die Arme zu werfen. (Fortsctz ung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile cms Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Derlagshandlung. So eben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: 'pTffi'' n^en .rv'TSSfflSÄi rvns? |Ta?n Hebräisches Gebetbuch mit deutscher Uebersetznng und. Anmerkungen. (Mit deutschen Lettern.) Schreibpapier gr. 8. geh. Mona 1841. Preis 20 Ggr. Erst jetzt erlaubt mir der Schmerz und die Rücksichten für rheure Verwandte, meinen Freunden und Bekannten von meinem herben Verlust zu sprechen. Wie viele von Ihnen schon wissen, am 10. Oktober dieses Jahrs verlor ich mein geliebtes Weib, Ulrike geb» Wolsfstein, nachdem sie wenige Stunden vorher mich mit einem gesunden Töchterchen beschenkt hatte. Wer sie gesehen noch den Tag zuvor, als wir fröhlichen Herzens in unserm Gotteshause die Feier des Geburtstages unsers Königs begingen, als sie bei der Speisung der Armen hülfceiche Hanv leistete und ihr Gesicht der Spiegel der Freude war, die^sr'e hier verbreiten half, wer sie gekannt, die liebende Gattin und Mutter, die Trösterin der Armen und Unglücklichen, die Zierde ihrer Familie, die Freude ihrer 'betagten Mutter — der wird meinen großen Schmerz ermessen, mit dem ich und meine Kinder an ihrem frühen Grabe stehen. Aber beseligender Trost war mir die Theilnahme meiner verehrten Mitbürger, meiner theuern Freunde Ln der Nahe und Ferne. Ihnen, Mitbürger, meinen tiefen, Lnniggefühlten Dank zu sagen, erlaube ich mir noch jetzt. Sie haben bei dem Leichenbegangniß meiner seligen Frau durch Ihre feierliche Begleitung, durch den Gesang, der mein Gemüth in der traurigsten Stunde meines Lebens erhob, die Toleranz in Ihren Gesinnungen, die achte Religiosität, die in unserm kleinen Orte Christ und Jude verbindet, von neuem bewiesen. Möge unser aller Herr und Vater einen Jeden vor gleicher Trauer in seinem Hause behüten. Das Andenken an Ihre Güte wird nie in mir erlöschen. Clötze in der Altmark. Salomon Frank. Druck von I. B. Hirschfeld. (Hierzu eine Beilage.)