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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-01-09 · Heft 2 (9.1.1841) · p. Seite 27

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 2 (9.1.1841)
Date
1841-01-09
Page
Seite 27 (sequence 15)
Language
German
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27 nur Verwandlung. Mit dem Rufe: Es werde! hat der Schöpfer den Tod aus dem Dasein gebracht. So wäret Ihr mir wieder gegeben, ihr vergangenen Stunden und verlorenen Güter! Und wäret Ihr für mich nur noch in der Erinnerung, so wäret Ihr doch für Euch im Dasein. Seitdem begreife ich nicht, wie wir aufhören könnten, wenn ich auch nicht weiß, wie wir sein werden. Da aber ein ewiges Schaffen kein Vermindern, sondern nur Vermehren sein kann: so habe ich nur mehr zu erwarten, und harre erwartungsvoll auf meine zweite Geburtsstunde, die man hier Sterbestunde nennt. Ja, bei jedem Mangel, den ich an mir bemerke, wird meine Hoffnung größer, die menschliche und irdische Unzulänglichkeit vergewissert mich ordentlich in meiner Unsterblichkeit, und erhebt mein Auge, anstatt es zu senken. Ich kann mich fast rachen an meiner Menschennatur, indem ich ihr heimlich, aber trotzig zuruse: Wart' nur, was wird aus Dir noch werden Großes, und wie sollst Du mich einst nicht im Stiche lassen!- So begrüße ich Dich denn auch hierüber, Wort Gottes! — Warum ertönte die Unsterblichkeit nicht vom Sinai? Und wie das Erste der Zehn-Worte so klar sagt: Es ist ein einiger, ewiger Gott! — warum sagt nicht das Letzte: Du bist unsterblich!? Aber siehst Du, das ist ja eben wieder göttlich. Dann würde cs heißen: wenn Du diese Gebote hältst, wirst Du unsterblich sein', wenn nicht, so wird's Dir genommen. Und da wäre die Unvernunft und Entwürdigung da gewesen. Du sollst das Rechte thun um Deines Gottes willen, und um Gottes theilhastig zu werden, Dich zu mehren zu Deiner zweiten Geburt, und Dich glücklich zu fühlen, rein und erhoben in diesem Deinem Leben. Unsterblich bist Du in jedem Falle. Das Wort Gottes lehrt und heiligt die Unsterblichkeit dadurch am meisten, daß es nur die Materialien zurechtlegt, aus denen wir jie uns zusammenbauen können, und stillschweigend die Unsterblichkeit als den ganzen Grund hinlegt, auf dem es sich selbst aufrichtct. Denn welches wäre der Sinn und Verstand einer Offenbarung Gottes, eines Redens Gottes zum Menschen, wenn dieser ein Geschöpf' für heute wäre? Der Aufmerksame fühlt es überall durch. Und das ist der Hauptpunkt. Der Mensch sollte den Gedanken der Unsterblichkeit, wie er schon in seinen ganzen Geist hineingelegt war, sich selbst schaffen, um ihn dann im Worte Gottes überall zu finden. Darum findet sich auch dieser Gedanke am klarsten ausgesprochen.— bei dem menschlichen Denker in der Bibel, bei dem Prediger Salomonis, der, kein Prophet, alle Fehler und Tugenden des menschlichen Denkers hat; und am klarsten gefühlt — bei dem heiligen Sänger, der die Empfindungen des Menschen besingt, beim Psalmisten. Rührend aber ist es, wie die ersten Bücher der heil. Schrift die Keime der Nnsterblichkeitslehre nur itm die Gräber der verehrten Tobten steckt, um die Gräber Chanoch's, Abraham's, Mosche's! IV. Die heilige Schrift beginnt mit dem weitesten Kreise, mit der Natur, und dem Menschen als Glied der Natur. Daß die Schöpfungsgeschichte hauptsächlich den Zweck hat, den Menschen in seiner Ursprünglichkeit als Glied der Natur, dieser angehörig, und in ihrer Wescnreihe vermittelt, aufzustellcn, kann man sehr leicht entnehmen. Es ist dann der Zweck der darauf folgenden Berichte, zu zeigen, wie der Mensch aus dem Kreise der Natur sich losgelöst und eigenständig, wenn nicht selbstständig, geworden, wie er dadurch den Boden sich unter den Füßen hinweggenommen, und darum der Offenbarung bedürftig geworden. Hierin liegt auch der bedeutendste Unterschied zwischen dem Jsraclitenthume und sonstigem Alterthume. Dieses suchte den, von der Natur losgerissenen, und darum bodenlosen Menschen immer wieder auf seine eigene Füße zu stellen. Hingegen das Zsraelitenthum läßt den Menschen durch Gott selbst aufrichten, und ihm eine Haltung geben, aus der zwar der Einzelne, nicht aber der Mensch im Allgemeinen wieder heraus zu fallen vermag. Die Bestrebungen des Alterthums gingen daher nach zweien Richtungen hin, Kunst und Philosophie. Die Kunst, sei sie Dichtkunst oder Plastik, ist, nach der Erklärung der Alten selbst, die Nachahmung der Natur; und so sehen wir, indem das Alterthum die Kunst als ein Hauptmoment des Lebens betrachtet und dazu erhebt, daß es suchte, dem von der Na-

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