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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-01-09 · Heft 2 (9.1.1841) · p. Seite 26

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 2 (9.1.1841)
Date
1841-01-09
Page
Seite 26 (sequence 14)
Language
German
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26 den Gehässigen durch eine Niederlage nur verdoppelt wird, so kann die Hauptfrage der Entscheidung nicht naher gebracht sein. Mag diese Ueberzeugung nur in uns selbst die Strebsamkeit wach erhalten, und durch die längere Reibung das Feuer sich lebhafter entzünden: so ist von höherm Standpunkte aus nur gewonnen worden. Unter den mancherlei Klagen, die verlauten, sei es denn dieser Gedanke, der freudig erwärme. Denn jene bringen nur Erschlaffung und Abspannung, dieser immer verjüngte Thatkraft. Und Thatkraft ist ja unser einziges, dringendes Bedürfniß. Denn wer auf die Synagoge, auf unsre Institute, auf unsre Literatur sieht, wird sich gern gestehen, daß die Richtung zum Besten ist. Gewinnt also der wirklich religiöse Sinn erst innigere Entfaltung in unseren Seelen, und gesellt sich ihm eine lebensvolle Thatkraft, so haben wir die Klippe der Zeit glücklich umschifft, und ein ruhiges, großes Meer liegt vor uns zu neuer, glücklicher Fahrt mit vollen, schwellenden Segeln. Lhatkraft das Schibolct der Synagoge, sunaswort, an welchem wir Gleichgesinnte, anstrebende erkennen! Schließlich uotircn wir, daß von neuen, eingeweihtcn Synagogen im verflossenen Jahre über zehn uns berichtet worden (Mergentheim, Maestricht, Wollstein, Aix, Dresden, Warschau, Wandsbeck, Erfurt, Beelitz, Stolp), zu vieren ist bereits der Grundstein gelegt worden (Jerusalem, Wesprim, St. Miklos, Mühlhausen.) Xfieolpgtc* Religiöse Bekenntnisse n n d Skizzen in freier Form. III. Wie bist Du entwürdigt worden, Du höchste Schöpfung des menschlichen Geistes, Unsterblichkeit der Menschenseele! Auf die Straße wardst Du geworfen, als ein Freigut für jeden Vorübergehenden; so er will, kann er Dich aufheben, wo nicht, in den Schmutz treten. Zur Zuchtruthe machte man Dich für den Verbrecher, und zur Bonbonniere für das liebe, fromme Kind. Ja, man hat Dich zu baarer Münze umwandeln wollen, mit der einige bestimmte, allein selig machende Glaubenssätze bezahlt würden — Dich, die aus dem Geheimniß des Lebens als höchste Blüthe hervortreiben sollte, aus dem innersten Sein der Seele, aus ihrer verschlossensten Liefe, ganz von selbsten, nur befruchtet vom reinsten Gedankenthau, vom würzigsten Hauche der Empfindung! Hab' ich Dich ^griffen aus meinem Katechismus? Da widertest Du mich an, wie Du Dich so wenig zurückhaltend mir ausdrängtest. Und im Gewühl« des Lebens? Im Glücke bedurfte ich Deiner nicht, denn das Leben schien mir gelöst; im Un-! glücke — standst Du mir zu fern, Dein Ruf war! ein lispelnder Lon, der mir nicht in's Herz drang, Wann erschienest Du mir? Es war in einer sanften Abenddämmerung, als die blendende Sonne Abschied genommen, und die Nacht noch nicht heraufgequollen, und ein mildes rosiges Licht um den Horizont spielte, und der Himmel so weißblau ward,! daß die Sterne eben als kleine Strahlenstifte durchbrechen wollten. Die Erinnerung ging über das j abgesponnene Leben zurück, alle vorübergegangenen j Zustände tauchten mit ihren Höhenpunkten in dem j ruhigen See der Seele auf,, und alles Verlorene,! dessen Menge von Lage zu Tage sich mehrte, trat j in seiner verlorenen Geltung an mich heran. Da j ward mir gewiß, daß das Dasein nicht aukhöj ren könne, da zu sein; daß die schaffende Kraft > sich selbst nicht verspotten könne durch die vernich- I tcnde, daß zwei solcher Kräfte nicht neben einander .bestehen können, weil, wenn die schaffende und die vernichtende Kraft auf einander wirken würden, Nichts werden und Nichts unrergehen, sondern das Nichts in der Schwebe bleiben würde. Was geworden, ist für immer, weil es sonst nicht hätte! werden können. Es giebt keinen Tod, sondern Darum sei das Lo-! der von dm schrillenden Tönen der Zweifel und der Gleichj Verzweiflung überrauscht ward. In der Thätigkeit j war ich zu stolz, in der Abspannung zu dehmüthig für Dich.

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