Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1841)
- Date
- 1841-01-09
- Page
- Seite 25 (sequence 13)
- Language
- German
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25 Seite in der nächsten Zukunft Nieles geschehen müsse, um ihre Würdigkeit zu bethätigcn, Einzelnes war schon zu berichten, ein Mehreres muß die nächste Zeit bringen. — In Galizien ging der innere Geist nur langsam vorwärts, und brachte noch gegen das Ende des Jahres ein organisirtes Bethaus zu Lemberg als eine einsame Blüthe. Im Beginne des Jahres hatte in Preußen das immer wiederholte Gerücht einer nahen Umgestaltung der jüdischen Verhältnisse besondere Erwartungen geweckt: als vielbetrauert der König sein Haupt in die Gruft legte. Diese Begebenheit gab den Israeliten häufige Veranlassung, sich innerhalb der bürgerlichen Sphäre kund zu thun. In allen Synagogen der Monarchie fanden paffende gottesdienstliche Feierlichkeiten zum Gedächtniß des verstorbenen,! zur Thronbesteigung des neuen Königs statt; bei der j Krönung in Königsberg und Berlin stand die jüdi-! sche Glaubensgenossenschaft als solche in ihrer Ver-! tretung nicht zurück, und Se. Majestät verliehen den Vorstehern zu Berlin eine huldvolle Audienz. Außerdem fanden Stiftungen, Speisung der Armen ff. bei dieser Gelegenheit statt: so wie gegenseitig von Vermächtnissen des hochseligen Königs ein Theil den jüdischen Gemeinden zufloß. Endlich lehrte uns ein Königl. Reskript, daß zur Beschleunigung der vorliegenden Arbeiten zur Regulirung des Judenwescns Befehl ertheilt worden. — Abgesehen hiervon blieb das Verwaltungssystem dasselbe, wie früher. Die Uebersiedelung von Juden aus einer Provinz in die andere blieb sehr erschwert, die Gemeinden in den alten Provinzen völlig sich selbst überlassen; im Großherzogthum Posen nur wurde das Schulwesen überwacht. In ganz einzelnen, genau beschränkten Fällen wurde jüdischen Schulen ein Anrecht auf Unterstützung aus den Kommunalkaffen zugesprochen, dagegen die Befreiung israelitischer Lehrer von Kommunallasten wiederholt abgesprochen. Ebenso blieb die jüdische Geistlichkeit völlig unberücksichtigt, mnd im vollkommnen Widerspruch wird die Gegenwart eines jüdischen Geistlichen bei dem geringsten Zeugeneide erforderlich, dagegen die Trauung einem Jeden überlassen, wenn er nur den landesgesetzlichen Vorschriften dabei Genüge thut. Sind wir nunmehr völligauf deutschem Boden angelangt, so finden wir, daß unter den deutschen Bundesstaaten im verflossenen Jahre für uns die wichtigsten einnehmen: das Königreich Sachsen und Sachsen-Hildburghausen. In dem erstern debattirten die Stände aufs lebhafteste die Frage über den Judeneidund stellten für denselben, bis mit geringer Ausnahme, völlig zeitgemäße Verfügungen, was um so mehr anzuerkennen ist, da gerade in Sachsen der Judeneid in der abschreckendsten mittelalterlichsten Gestalt bestand. Hiergegen zeigte sich eine geringere Freisinnigkeit in dem strengen Festbalten alter Verordnungen wegen Aufenthalts fremder Israeliten. Zwar wurden diese endlich in Betreff derer aus den Zollvereinsstaaten aufgehoben, dagegen gegen anderweitige, noch immer in Kraft erhalten. — Hildburghausen erließ ein organisches, heilsames Gesetz in Betreff des Kirchenwesens der Israeliten. — Hamburg that den ersten Schritt zur Gleichstellung, indem es einen oder zwei israelitische Notare zuließ; ist dies auch noch unbedeutend, so weiß man doch, wie schwer immer dev erste Schritt ist. — In Hannover wurde zu den Vorbereitungen hinsichtlich der Verbesserung der jüdischen Zustände, die freilich nicht ärger sein können, Hoffnung gemacht, die aber erst die Zukunft realisiren muß. Hessen-Darmstadt erließ eine Verordnung über die israelitischen Religionslehrer, das allerdings geeignet ist, das Schlechte zu entfernen, aber noch nicht das Gute wesentlich zu fördern. In den badischen Standen wurde die Petition um Gleichstellung beseitigt, obschon diesmal die Majorität der Kommission dafür gestimmt. In einzelnen Theilen von Baiern, Unterfranken, Pfalz wurden die Rabbincnstellen geordnet, und meist mit jüngeren Männern besetzt. Wir sehen, noch liegt die Welt, auch unsertwegen, im Streit, und die Einigung scheint noch nicht so nahe. Die Frage der Emanzipation ist noch nicht entschieden, und wenn sie logisch noch so scharf erwiesen ist, praktisch will sie die Geister nur langsam durchdringen. Glauben wir auch nicht einmal, daß das große Dementi, welches die gebildete Welt im abgesponnencn Jahre sich gegeben, eine Vergütigung ihrerseits uns bringen möge. Zwar müssen die, welche bisher für uns gestritten, darin bekräftigt worden sein, auch werden viele Schwankende wenigstens in diesem Punkte das uns angethaene Unrecht erkannt haben: aber da gegentheilig der Haß in