Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1841)
- Date
- 1841-01-09
- Page
- Seite 24 (sequence 12)
- Language
- German
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24 beraubt, von den Forderungen der Eivilisation, denen zu genügen sie noch nicht gelernt, umringt, von der Regierung sich selbst überlassen, und bei den schwierigen Verhältnissen der ganzen Provinz, schlägt das europäische Wesen bei ihnen, zwar mehr als bei den arabischen Eingebornen, aber doch sehr langsam Wurzel. — In England zeigen sich die Juden sehr rührig, an allen öffentlichen Vorgängen ihre Theilnahme zu erweisen, und bei gegebnen Veranlassungen ihre Wünsche sür das Heil Albion's auszusprechcn. Auch gelangte eine Petition von Seiten der Juden an das Oberhaus, in welchem sich einige Lords recht sehr zu ihren Gunsten aussprachen, ohne daß bis jetzt ihr Folge gegeben ist. Auch hier macht sich der Wunsch nach Reform der Synagoge sehr fühlbar, ohne jedoch entschiedene Maßnahmen bis jetzt bewirkt zu haben. Auch aus Nordamerika hatten wir zu berichten, wie das Wort in der Synagoge lebendig wird. — Die Niederlande bezeugen immerfort, daß sie der Synagoge in ihren Bedürfnissen wesentlich zur Hülfe kommen wollen. — Je mehr nun die Verhältnisse im Süden von Europa, in Italien, stationair bleiben, und durchaus nicht vorrücken: desto weniger haben wir dies vom Norden aus zu sagen. In Dänemark war ein neuer König auf den Thron gestiegen. Schon in diesem Momente verhieß er seinen mosaischen Unterthanen Schutz und Aufmerksamkeit, und denen in Schleßwig-Holstein gleiche Stellung mit den dänischen. Verweigerte er nun zwar die Wählbarkeit derselben in die Stände, welche die Roeskilder beantragt hatten, so legte er doch den schleßwig-holsteinischen Ständen einen Gesetzentwurf vor, durch welchen die äußerst bedrückten und beschränkten Juden der Herzogthümer in kirchlicher und bürgerlicher Beziehung bedeutend höher gestellt würden. Allein hier waren es die Stände, welche den Entwurf verwarfen, und in die Freizügigkeit, den Grundstückerwerb und die Zünftigkeit der Israeliten nicht willigen wollten. Das ähnliche Verhältniß ward in Schweden festgehalten, wo aber im Gegensätze die radikale Partei den Juden noch immer keine gleiche Berechtigung bewilligen wollte, weil diese von der Regierung selbstthätig hatte durchgesetzt werden sollen. Aus dem großen russischen Reiche stellten die Berichte die Intentionen in Bezug auf die Hebräer folgendermaßen heraus: die Bildung und feste Gewerbthatigkeit derselben wurden, wo sie sich kund geben, sehr gefördert und unterstützt; das erwies die Anerkennung, welche höheren Orts die Anstalt zu Riga fand, und die großartige Unterstützung, welche einem neuen Transporte jüdischer Kolonisten, der 2530 Seelen stark aus Kurland abging, geleistet wurde; ebenso wurden den studirenden inländischen Juden ihre Immunitäten bestätigt und vermehrt, auch der Handel der Juden nach dem Auslande gefördert, nicht weniger dem zu frühen Begraben der Tobten gesteuert. Hingegen aber wurde den ausländischen Juden der Eingang, bis auf wenige, bestimmte Fälle, gänzlich gewehrt, wie den ausländischen jüdischen Kaufleuten, so auch ausländischen Juden, die auf russischen Universitäten studiren wollten. Außerdem wurden viele gesetzliche Details gegeben, die in Lokalitäten ihre Anwendung fanden, und verschiedentliche Färbung haben. Unter den österreichischen Staaten zog insonders Ungarn die Blicke auf sich. Denn während in den übrigen kaiserlichen Staaten nach außen die Israeliten im Allgemeinen den statu« guo behielten, ihnen wenigstens gesichert blieb, was sie bis jetzt erlangt, nach innen ein langsames Schaffen bemerkbar war, was in der Errichtung eines Gewerbevereins zu Wien, der Anstellung Rapoport's in Prag, und mehrfachen Reformen des Gottesdienstes sich kund gab: rüsteten sich in Ungarn die versammelten Reichsstände zu einer Maßregel höherer Art. Dieselben gaben die edelste Gesinnung zu erkennen, die über diesem Gegenstand gehaltenen Reden athmen die großartigste Ansicht, und blieben sehr weit von allen gewohnten Nachreden deutscher Oppositionen entfernt. Die Emanzipation der ungarischen Israeliten ward beschlossen, jedoch von Seiten der Regierung noch zeitweilig beschränkt, und nur in einzelnen Freiheiten gewandelt. Die Israeliten selbst hatten ihr hohes Interesse an diesen Geschehnissen auf angemessenste Weise dargelegt. Eine Deputation war in ihrem Namen ausgetreten, und hatte eine kräftige Petition eingereicht. Die Kunde von der Gesinnung der Reichsstände verbreitete ein neues Leben unter den israelitischen Bewohnern des Landes, überall erwachte das Gefühl, daß auch von ihrer