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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-01-09 · Heft 2 (9.1.1841) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 2 (9.1.1841)
Date
1841-01-09
Page
Seite 23 (sequence 11)
Language
German
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23 Das Jahr £840. (Schluß.) Bei der Ankunft jener Herren in Alexandrien fanden sie die politischen Verhältnisse sehr verändert. Die vier Großmächte hatten Syrien angegriffen, bedeutende Erfolge schon errungen, die Bewohnerschaft Syrien'» sich für ihren rechtmäßigen Herrn, den Sultan, erklärt. Die Frucht jener damaskischen Prozedur war daher nichtig, der französische Einfluß geschwächt, und, obschon keine neue Untersuchung zu Damaskus angestellt werden konnte, sah sich doch Mehmed-Ali um so leichter bemüßigt, durch Freigebuug der Gefangenen eine Art von Genugthuung zu geben. War daher faktisch hiermit das Ereigniß aufgelöst, so fehlte doch noch die öffentliche Lossprechung, und da Damaskus wieder unter die Herrschaft de» Sultans zurückzukehren im Begriffe stand, so war diese nur in Kvnstantinopel zu erlangen. Hierhin eilte Sir Moses, und in einer feierlichen Audienz vor den Sultan geführt, erhielt er den Ferman, wodurch dergleichen Anklagen auf immer zum Stillschweigen gebracht werden sollen. Dies war der Verlauf des für unsre Zeit unerhörten, aber darum tief bezeichnenden Vorgangs. Ein halbes Jahrhundert des angestrengtesten Strebens, eine vielseitige Annäherung und Assimilation, die durchdringende Bildung der Juden, die vielen innerhalb des Judenthums ausgezeichneten Männer konnten unsre Glaubensgenoffenschast vor den gehässigsten Beschuldigungen nicht schützen. Aus blindem Hasse war eine halbe Welt blind, und schien sich nur nach der wirklichen Schuld der Juden zu sehnen. Mit Widerstreben ließ man sich an alle Gegenbeweise heran, und suchte sie zu verdächtigen, und noch heute sind wir nicht sicher, daß man geflissentlich die Freisprechung verdecken will. Mehmed- Ali ist vernichtet, Frankreich in die tiefsten Wirren gestürzt, unsre Beschützer haben überall triumphirt — wäre nur-das eine Resultat nicht auch mit zusammengefallen, daß die Juden schuldig geblieben! Die Erfolge dieser Begebenheiten sind: die Unzulänglichkeit unsrer Stellung, wenn wir nur nach außen streben. Mit siegreicher Ueberzeugung sind wir überführt worden, daß wir außer dem Fortstreben in Bildung und Gesittung auch einer Erstac kung in unseren inneren Verhältnissen bedürfen, de> lebendigsten Theilnahme an einander und gegenseitig ger Unterstützung, so weit dies mit den Gesetzen allgemeiner Menschenliebe und den speziellen Verhältnissen der Staaten und Völker, denen wir integrircnd angehören, nicht widerstreitet. Soll das Jndenthum kräftig und lebendig bleiben, so müssen seine Anhänger jene Lauheit und Gleichgültigkeit verbannen, die die Religion als überflüssig, lose bindend und gegen die Sozialität unbedeutend, blos stellt und preis giebt. Nur tu dieser Erkraftigung haben wir zugleich die Bürgschaft, daß die Besten und Edelsten aller Konfessionen immer auf unsrer Seite stehen, und die Beschimpfungen des Hasses zurückweiseu werden. Dies ist denn auch ein völliges Genüge, daß gerade die Gerechtigkeit, die Vornrtheilslosigkeit und die Menschlichkeit unsre Schilde sind. Im Allgemeinen hatte denn auch dieses Ereigniß eine belebende, erwärmende Rückwirkung auf die Bekenner des Judenthums selbst, man ist wieder einmal warm geworden für dasselbe, man hat einen gemeinschaftlichen verwundbaren Fleck getroffen, an denen Alle Theil haben, und endlich hat eine gewisse Näherung zwischen unseren Glaubensgenossen auch der entferntesten Länderstriche statt gefunden. Möchte dies Alles nicht vorübergehend sein, sondern lebendig bleiben! Wenden wir uns nun von dieser allgemeinen Angelegenheit zu den einzelnen Geschehnissen in den verschiedenen Landern der Erde. In Frankreich regte sich das letzte Residuum einer benachtheiligten Stellung, der Eid more judaico, wieder an verschiedenen Punkten, und, wenn auch die Beredsamkeit Ewmieux' an dem einen Orte ihn beseitigte, so machte er sich doch an anderen nockgeltend, bis die Gesetzgebung hierüber einmal völlig entschieden wird. Im Innern wurde das Interesse durch den Ordonnanzcntwurf, der eine Reform der französischen Synagoge und der jüdischen Geistlichkeit beabsichtigte, lebhaft in Anspruch genommen, eine Menge Bemerkungen und sogar Protestationen hervorgerufen; in Folge dessen wurde er umgearbeitet, und erwartet nunmehr diö Feststellung. — In Algier befinden sich die Juden in einer sehr traurigen Fassung. Vielfach ihrer früheren Nahrungszweige

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