Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1841)
- Date
- 1841-01-09
- Page
- Seite 21 (sequence 9)
- Language
- German
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21 Jemandem angemeffner scheine, so sende er seine Antwort an uns ein." „Schlüßlich, Brüder! ehret unfern Herrn, segnet mit ganzem Herzen unfern großmächtigsten Kaiser, seine Minister und seine weise Regierung! ff." „Wilnau, den 3. Sept. 1840. Geschrieben in einer Versammlung von sünfundvierzig Personen." Die Gemeinde der Stadt Brzese (Gubern. Grodno) hat ihre Deputirten nach Wilnau gesendet, und nachdem diese der dortigen Versammlung ihren Beifall gezollt, fügten sie noch folgende Vorschläge hinzu: A. Zur Bildung der Gesammtheit ist nothwendig: 1) daß die Israeliten die Landestracht annehmen, so daß sie von den übrigen Bewohnern durch die Kleidung sich nicht ferner unterscheiden; 2) die zu frühzeitigen Heirathen, bevor die Kinder einen selbstständigen Nahrungszweig betreiben können, zu verhindern, und so auch nicht Gewährung von Kost an verheirathete Kinder zu gestatten. B. Zn Bezug auf den Unterricht ist nothwendig: 1) daß die Lehrbücher vom Konsistorium approbirt werden, 2) der Talmud nicht privatim, sondern nur auf der Rabbinenschule gelehrt werde. C. Hinsichtlich der Chassidäer, wäre es bekannt, daß der Chassidismus insondcrs in den warmen Bet kmwiör. an den langen Winterabenden, um diese angenehm zu verbringen, gepflegt wird, wo die Wunderthaten der Rebiim aufgetischt und für sie Anhänger geworben werden, und das auf Unkosten der Gemeinden. Man möge daher die Oefen aus diesen Häusern entfernen, und daS Uebel wird in der Geburt erstickt. Allerdings können wir nicht hoffen, daß alle, ja daß die meisten russischen Gemeinden solche Vorschläge machen werden; aber es ist doch schon sehr viel gewonnen, daß solche überhaupt geschehen, und in die Oeffentlichkeit gebracht werden. Die Meinungen der Gemeinde Brzese werden wol schwerlich gebilligt werden, indeß kann die Wilnauer Eingabe nicht ohne Einwirkung bleiben. Das Weitere nächstens. V. G. Deutschland. Frankfurt am Main, 18. Dezember. (Privatmitth. Schluß.) Der Brief des Herrn Cremieux an die hiesigen Gemeindemitglieder lautet in der Uebersetzung folgendermaßen: „Kaum habe ich den Boden meines Vaterlands betreten, bevor ich noch das Ziel meiner Reise erreicht, widme ich mit Vergnügen meine erste Ruhestunde einem Schreiben an Sie. So viele süße Erinnerungen drängen sich in meiner Seele, wenn ich den Blick auf den langen Weg'zurückwerfe, der in Korfou begann, und der mich zu den französischen Gränzen führte, durch Triest, Venedig, Wien, Fürth, Frankfurt, Mainz! Wie glücklich und wie stolz fühle ich mich auf den brüderlichen Empfang, der mir die israelitische Bevölkerung in ihrer ganzen Aufklärung, in ihrer Würdigkeit, die bürgerliche und politische Gleichstellung, deren sie noch beraubt ist, zu erlangen, zeigte. Es bewirkt, glauben Sie mir, Ruhm und Glück zugleich, sich mit Herz und Seele der Herbeiführung des Triumphes einer so gerechten Sache, wie die Emanzipation der Juden ist, zu widmen." „Sie haben, meine Herren, in Ihrer schönen Adresse, dieser Urkunde, die mein Adelsbrief sein soll, eine so erhabene, rührende Sprache gesprochen, gestattet Sie mir, es noch einmal auszudrücken, wie sehr ich davon durchdrungen bin, wie sehr ich von der herrlichen Vereinigung entzückt bin, in der Sie alle Formen der lebhaftesten Sympathie mir zu Ehren erschöpft haben: bis zu meiner letzten Stunde wird dieses Fest mir gegenwärtig sein." „Ich empfehle Ihrer frommen Menschenfreundlichkeit meine Schulen zu Kairo, ich rechne aus Ihre Beihülfe. Die israelitische Gemeinde Frankfurts, wo so viele aufgeklärte Geister leben, wird die Beschützerin der zarten Jugend sein, die der großmüthigen Unterstützung unsrer abendländischen Glaubensbrüder so sehr bedarf. Ich knüpfe an dieses Institut schöne Hoffnungen für die Zukunft, ich empfinde einen gerechten Stolz, indem ich sehe, daß ich in Deutschland so gut begriffen worden: es ist dies für mich ein unwiderlegbarer Beweis des Erfolges. Empfangen Sie rc. rc. Ad. Cremieux. 2*