Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1841)
- Date
- 1841-01-09
- Page
- Seite 19 (sequence 7)
- Language
- German
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19 gefühl der Wichtigkeit dieser Zeit, ermangelten wir daher nicht, uns sogleich zu versammeln und hierüber zu berathschlagen, und nachdem wir unsre Hände zum Gebete für das Wohl unsres Kaisers Nikoley I., seiner Minister und Beamten und des ganzen Vaterlandes erhoben, nachdem wir bei der Liebe für unfern Glauben und bei dem heiligen Namen Gottes geschworen hatten, nimmer abzulaffen, um die Ehre Zsracl's zu erheben und jeden Makel von ihr abzuwalzen; vereinigten wir uns, den Quellen des Nebels nachzuforschen, und die Mittel aussindii; zu machen, die dem Willen und Geiste unserer Zeit und Regierung entsprächen, und die angemessen sind, Bildung und Wissenschaft auch in unsre Mitte zu verpflanzen, und jede Verdunkelung zu verscheuchen. Nach sorgfältiger Ueberlegung fanden wir, daß die Hauptursachen, die der Erhebung Jsrael's bis jetzt entgegenständen, und denen abzuhelfcn der Wille unsrer Regierung ist, eben dieselben seien, worüber schon unsre gelehrten und weisen Vorfahren bitter geurtheilt haben." „Nämlich: A. Die Rabbinen und Volkslehrer waren bis jetzt die erste Ursache, durch die wir allmählig heruntersanken; denn seitdem unsre früheren geisteserhabenen Gesetzgeber, die eben sowol in der Religion, als in allen Fächern der Weltweisheit ausgezeichnet waren, aufgehört haben, hat auch die Weisheit bei unseren Häuptern aufgehört. 'Denn anstatt daß unsre ersten Rabbinen so kultivirt in allem Wissen hätten sein müssen, daß sie Wohlgefallen und Vertrauen bei den Negierungen aller Zeiten hätten finden , in allen unseren Angelegenheiten daher eine gewichtige Stimme haben, und so die Vermittelung zwischen Israel und den Völkern bewirken mußten: lag meist diese religiöse Macht in Händen ungebildeter Geistlichen, die unsre Unwissenheit bestärkten, weder eine herrschende Sprache, noch eine Wissenschaft verstanden, in weltlichen'Dingen ganz..unerfahren waren, die daher nur mit speziellen Deutungen sich beschäftigten, keineswegs aber suchten, die Sitten zu verbessern, wahre Aufllärung zu verbreiten, das Herz der Gesammtheit zuzuwenden, und die Nothwendigkeit der Industrie und Agrikultur einzuschärfen." „k. Trägt der erbärmliche Unterricht, die gänzlich vernachlässigte Erziehung sehr viel zurVerschlimmerung der Jugend bei, denn da die'Lehrer, ihre größern Zahl nach, ungebildet, unwissend und fana tisch sind, sich auf den Talmud und mit dem ver dorbensten Jargon beschränken, die Bibel, eine Wis senschaft oder was zur Bildung der Jugend gehört auch nicht im entferntesten kennen, so verbreiten sü Unwissenheit statt Erleuchtung, Thorheit statt Sittlichkeit. Was können wir also von einer Jugend erwarten, der der Obskurantismus mit dem Stock« eingcbläut wird?" „E. Verderben die Masse unsrer Glaubensgenossen die bekannten Faktioncn der ljosclltimim ri2), die seit Schabbatai Zebi der reinen Entwickelung der Israeliten Schlinge und Fallstricke legen, falsche Begriffe in die Köpfe verpflanzen, Verdrehung der Religionslehren, Verschlechterung der Sitten bewirken, alles Bessere entfernt zu halten suchen, und durch ihren verdorbenen Lebenswandel die Verachtung der Völker uns zuziehen. Im Interesse ihrer Lehrer und Geistlichen liegt es, Israel in den Fesseln des Wahns.zu erhalten, und jede Veredlung unsrer Zustände zu Hintertreiben." „Diese drei Uebel, die schon unsre weisen Vorfahren heftig rügten, müssen auch wir als die Hauptursachen unsrer schlimmen Lage betrachten, und so lag es, nachdem der treffliche und weise Wille unsres durchlauchtigen Monarchen kund geworden, für uns am nächsten, sofort auf die Mittel zu denken, durch die jene Uebel beseitigt werden könnten. — Hier haben wir gefunden:" „A. der Stand der Rabbinen muß gebessert werden, und dies ist nur möglich dadurch, daß J) eine jüdisch-theologische Fakultät, ähnlich dem Kollegium rubbiuicum zu Padua und den Seminarien Hollands und Deutschlands auf irgend einem Orre des Landes errichtet werde, wo die Schüler sowol profane als theologische Wissenschaften studiren, die russische Sprache erlernen, und zu solchen Rabbinen gebildet werden können, wie wir sie für die Zukunft bedürfen;" 2) daß inzwischen, bis eine solche Anstalt errichtet, und russische Israeliten sich auf derselben herangebildet und befähigt haben, deutsche Rabbinen, die im Talmud wie in allen übrigen wissenschaftlichen Gebieten ausgezeichnet sind, zu Kreisrabbinen einberufen werden, daß sie die Religion in Reinheit und Fülle lehren, und das Gesetz nach