Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1841)
- Date
- 1841-01-09
- Page
- Seite 18 (sequence 6)
- Language
- German
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IS nüsse, ■ die die vollkommene Kenntniß des Gesetzes gewährt, zu genießen wünscht. Ohne Zweifel war es der Zweck des Redners, bei seinen Zuhörern eine größere Neigung zu liberaler Erziehung zu erwecken, und eine Anzahl solcher Reden (die hier bezeichnete währte 3 Stunden, 'und es wurde dringend um eine Fortsetzung gebeten,) würde er diesem Lande, wo die Erziehung seit Jahrhunderten aufs Acußerste vernachlässigt ist, von der wohlthätigsten Wirkung sein. Ein Linguist. Rußland und Polen. Lublin, 17. Dezember. ^>rivatmitth.) Unsere wohlthärige Regierung, die zum Wohle ihrer israelitischen llnterthanen unablässig wirkt, und um sie der Emanzipation fähig zu machen, sie vorerst der allgemeinen Eivilisation zuzuführen bestrebt ist, hat zu Wilnau ein Komitö errichtet, das sich damit beschäftigen soll^die russischen Bekenner des Judenthums, deren Ml äuHrst stark ist, den andern Unterthanen in ^^ultur und Bildung gleich zu machen. Dieses Könnt« wollte sich aber nicht ermächtigt gemg finden, allein zum Wohle dieses Volkes zu handeln, indem cs leichthin Gesetze, die der jüdischen Religion zuwiderlauf?», machen könnte, und um auch die Lokal-Verhältnisse eines jeden Bezirks in Erwägung zu bringet?, hat es jede Judengemeinde der Gubernial-Städte aufgefordert, Depurirte in diesen Angelegenheiten zu schicken, mit denen es berathschlagen könne. Nun haben-die Gemeinde-Mitglieder der Stadt Wilnau eine Session gehalten, und einen, dem Geiste unserer Zeit entsprechenden Plan entworfen, der wirklich, wie ein Jeder einsehen wird, im Stande ist, die noch sehr obscuren Israeliten Rußland's schnell der Gesittung zuzusühren. Da sie aber eine zu starke Opposition von Seiten der Fanatiker befürchten, und sie durch etwaige Majorität ihren Plan wahrscheinlich durchsetzen würden, haben sie eine hebräische Proklamation an jede Judengemeinde einer jeglichen Stadt gerichtet, wo sie sie um Förderung einer so wohlthätigen Sache 'ersuchen. Diese Proklamation ist zu merkwürdig, als daß sie nicht veröffentlicht werden sollte; sie zeigt allzusehr, wie weit manche Israeliten Rußland's in der Aufklärung Fortschritte gemacht haben, und Jeder, der sich der allgemeinen Obscurirät der dortigen Juden erinnert, wird sich inniglich freuen, Männer unseres Glaubens in Rußland zu sehen, die mit den ausgezeichneten Israeliten Deutschlands wetteifern können. — Ich sende Ihnen daher eine Uebersetzung dieser, hebräisch geschriebenen Proklamation. „Liebe Brüder! Der fürsorgende Geist, den unsre hohe Regierung mit der Einrichtung eines für das materielle und geistige Wohl unsres Volkes beschäftigten Komite's beurkundete, erweckte in uns sowol, als auch in den Herzen jedes vernünftigen Menschen den Eifer, für unsre Glaubensgenossen wirksam zu sein, und die Gesittung unter ihnen möglichst zu fördern, beseelte zugleich jeden Wohldenkenden, der seine Mitbrüder wahrhaft liebt, dem Ewigen dafür zu danken, und unfern allerdurchlauchtigsten Monarchen mit aufrichtigem Herzen zu segnen, der sein väterliches Auge, das aus jeden seiner llnterthanen gnädig herabblickt, auch auf die unglücklichen Israeliten gewendet, um durch Errichtung von Lehranstalten, die sie auf den Weg der Weisheit und Glückseligkeit leiten sollen, ihr Wohl zu fördern. — So ist also die Zeit der Heilung gekommen, wo so lange nur Wunden bluteten, so ist die Stimme des Friedens laut geworden, und auch uns ruft sie auf, jede Art von Fanatismus, von irreligiösem Wahn abzuschütteln, und nach Wissenschaft und Vervollkommnung zu streben. Wer sollte sich nicht hieran ergötzM? wer nicht an den Strahlen dieser Sonne erwärmen? wer, der sich bis hieher im Stillen mit der Weisheit beschäftigte, sollte nun nicht öffentlich austreten, und, durch <pie Gnade unsers Kaisers unterstützt, ihren Werth und ihre Rechte geltend machen? wer, der die Feder führen, und im Tempel der Vernunft aufrecht stehen kann, der seinem Gotte, seinem Kaiser und seinem Volke mit ganzem Herzen ergeben ist, dem das Gesetz heilig, das Wohl unsrer Glaubensbrüder theuer ist, möchte schweigend dieser Angelegenheit zusehen, ohne selbstthatig Hand anzulegen?" „Diese heiligen Gefühle, die jedes Herz zurThätigkeit anregen, haben auch uns, die Mitglieder der Gemeinde Wilnau's, belebt, und sobald die Instruktion veröffentlicht worden, verursachte uns die Einsicht, daß dies der Weg sei, auf welchem die Israeliten Rußlands zu höherer Entwickelung geführt werden müssen,, die tiefste Freude. Im Voll-