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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-01-09 · Heft 2 (9.1.1841) · p. Seite 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 2 (9.1.1841)
Date
1841-01-09
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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deutsch - amerikanisches Blatt, und findet die Aussprache des Volksfreundes in manchen Stücken wahr, in allen aber zu hart. „Die alte und neue Welt" spricht sich sehr tadelnd und ironisch über die europäischen Staaren aus, in welchen man den Juden noch so vielen Beschränkungen unterwerfe, findet hierin die Schattenseiten des jüdischen Charakters begründet, und schließt, daß, wenn auch die jetzt einwandernden Juden nicht immer die besten Bürger der amerikanischen Republik abgäben, so würden doch ihre Kinder, unter den Segnungen der amerikanischen Institutionen erzogen, ganz solche Bürger werden, wie sie jede andere Konfession liefere. Ueber die Vorschläge des „Bolksfreundes" macht sie sich weidlich lustig. — Dies ein kurzes Referat von dieser, vom Volke wenig beachteten Polemik, der vielleicht noch einige Pröbchen solcher abgestandenen Weisheit folgten, indeß hat wol ein Jeder an diesem Beispiele genug. — Die Anzahl der Juden in den vereinigten Staaten kann nicht festgestellt werden, und Bermuthungen — bleiben Vermuthungen. Man sagte immer 15,000 Seelen. Allein dies reicht gewiß nicht, da der Zuwachs von außen sehr bedeutend ist, sehr Viele zerstreut leben in dem großen Umfange unsres Gebietes, und nicht Wenige von den deutschen Juden sich als solche gar nicht zu erkennen geben, außer wenn sie — in Noth sind. An Organisation ist gar nicht zu denken, aber auch nicht einmal an den geringsten Zusammenhang der Gemeinden unter sich, jede ist eine abgeschlossene Welt für sich, die ganz zufälliger Gestaltung unterworfen ist. Es fällt dies um so mehr in einem Lande auf, wo, ohne daß es von Seiten der Negierung zu der geringsten Einwirkung kommt, dennoch jede Sekte auf die engste Verbindung hinarbeitet, um sich zu erhalten. — Viele Christen lieben es hier zu Lande, .wenn sie mit Juden zusammentreffen, sich über alttestamentliche Gegenstände zu unterhalten, nicht aus Bekehrungssucht, sondern weil sie für die Exegese der heiligen Schrift viel von den Juden zu prositiren denken, auch überhaupt viel Achtung vor der traditionellen Hermeneutik haben. Sie haben dazu auch um so mehr Veranlassung, da hebräische Sprachkunde, wie die ganze Philologie, hier zu Lande auf den schwächsten Füßen steht. Schriften jüdischer Theologen, namentlich der neueren deutschen, die man aus dieser Zeitung kennen lernt, erwecken daher viel Verlangen. Ihr Bibelwerk hat bereits manchen warmen Freund und Verehrer in Nordamerika gefunden. — . Algerien. Algier, 1. Dezember. (Privatmitth. Schluß.) Daß aber dennoch im Speziellen so Manches geschieht, was in kleinen Anfängen eine bessere Zukunft verbürgt, wird man aus Folgendem ersehen. Seit einigen Jahren hat eine Dem. Heloise Hartoch, eine sehr unterrichtete junge Israelitin aus Paris, eine Schule für die jungen Jüdinnen zu Algier errichtet, wofür die genannte Dame die sehr beschränkte Summe von 1200 Fr. (320Thlr.) jährlich von der Regierung erhält, und 80—90 Schülerinnen unterrichtet, und dennoch verwendet sie noch monatlich circa 20 Fr. zur Erhaltung einiger Kinder, damit sie diese noch in der Schule behalte. Denn das größte Hinderniß für diese Anstalt ist, daß theils die Noth, theils die Habsucht der Eltern die Kinder kaum ein Jahr die Anstalt besuchen läßt, so daß meist die Arbeit der Lehrerin ganz vergebens ist, und sie, stets dieselbe Sisyphuslast zu tragen hat. Sie unterrichtet ihre Schülerinnen in Lesen, Schreiben, biblischer Geschichte, Geographie, neuerer Geschichte, Rechnen, Religion, Sticken, Nähen und allen weiblichen Handarbeiten, und rühmt das wunderbare Gedachtniß derselben, ihre Geisteslebendigkeit, so daß sich aus ihnen Alles machen ließe. Am 27. Juli fand ein öffentliches Examen dieser Schule statt, mit Preisvertheilung, welchem selbst die Tochter des Marschalls Balle und andere Damen von hohem Range beiwohnten, und das ganz vorzüglich aussiel. Mit Recht ruft diese von ihrer Aufgabe begeisterte Lehrerin die Unterstützung des Mutterlandes an. — Jnsonders macht man von Algier aus den Anspruch, daß das Central-Konsistorium Schritte bei der Regierung thue, um die Errichtung eines Konsistoriums zu Algier zu bewirken. Besonders klagte man, daß man auf der Mairie, in den Bureaux die Israeliten zwingen wolle, am Sabbat zu schreiben. Herr Cahen hat einige desfallsigeSchritte bei Herrn Laurence, Direktor der Angelegenheiten Algier's im Kriegsministerium, gethan.

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