Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1841)
- Date
- 1841-01-02
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225173-3225175--03237-3312759- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
10 bald ihn wieder, und nahm das Versprechen als konstatirt an. Die gesammte deutsche Presse in ihrer geheimen Judengehässigkcit ging in die französische Falle, und machte sich zum Echo jener, und die englische torystische Presse, namentlich die Times, folgte gern diesem Beispiele. Zwar kamen nun die Berichte der anderen Konsuln, namentlich des österreichischen, und deckten die ganze Schändlichkeit auf, indem sie auch besonders den Charakter der angeschuldeten Personen hervorhoben; zwar gingen die preußischen und österreichischen Zeitungen sofort zurück, zwar erhoben sich protestirend die Juden aller Orten: aber dies vermochte nicht da zu Helsen „wo der Gegenstand vom judenfeindlichen Standpunkt als zu günstige Gelegenheit benutzt werden sollte, und da einmal zwiefache Berichte Vorlagen, konnten sich die deutschen Blätter immer noch unter den Deckmantel der Unpartheilichkeit verbergen. Vergebens hatten schon Fürsten des Ikten Jahrhunderts diese Art von Beschuldigung selbst mit Strafen belegt, vergebens hatten schon im Uten Jahrhundert ganze theologische Fakultäten die Falschheit derselben ausgedeckt, die französische und deutsche Presse ging überall von dem Satze aus: es könnte doch wahr sein! anstatt ihn zu gestalten: es können wol Juden einen Mönch tödten, aber durchaus nicht aus dem angegebenen religiösen Motive — weil eben mit Verwerfung dieses Motivs die Personen ganz unverdächtig und das Judenthum schuldlos erklärt worden wären! Als man dies nun ferner benutzte, um die Moralität des, Judcnthums überhaupt zu verdächtigen, als man den alten Kunstgriff, aus dem Zusammenhang gerissene Talmud- und maimunische Sätze nackt hinzustellen, anwandte: hatte diese Angelegenheit eine trübe Allgemeinheit erlangt. Während auf diese Weise eine unendliche Trostlosigkeit im Charakter der Angelegenheit stand, da die Protestationen der Juden, die Erklärungen einzelner hochstehenden Christen und solcher, die früher dem Judenthume angehört, übersehen und die Debatten in den französischen Kammern durch das Uebergewicht Thicr's, der seine politische Intuition in dieser Sache hinlänglich kund gab, und sich hinter die Sendung eines untergeordneten Beamten flüchtete, niedergehalten wurden: erhob sich eine erhebende und entscheidende Demonstration in England. Zuerst sprachen sich im Parlemente die Minister wie ihre Gegner,, Lord Palmerston,^.^»'Connel und Robert Peel, aus die freimüthigste Weise zu Gunsten der Juden aus, und eben^diese Übereinstimmung der verschiedenen Partheien bezeugte, daß hier jede politische Beziehung verschwand. Unabhängig von diesen hielt der edelste Kern Englands große Meetings zu London und Manchester, worin die Abscheulichkeit der Vorgänge offen bezeichnet, und den Juden die glänzendsten Zeugnisse gegeben wurden. Der Lord- Mayor von London übergab das Resultat dieser Versammlungen den Gesandten der anderen Mächte, und in Folge dessen erklärten sämmtliche hohen Regierungen, von Nordamerika bis Rußland, mit Ausnahme Frankreich's, die Vorgänge zu Damaskus für schimpflich, und versprachen zur Abschaffung solcher die Menschheit schändenden Verläumdungen ihren Einfluß zu verwenden. Unter solchen Auspicien war es das dringendste Bedürfniß für die Juden selbst, durch thatkräftige Maßregeln das Lügenwerk unsrer Feinde an seiner Grundlage anzugreifrn. Die englischen Gemeinden hielten Versammlungen, denen sich die zu Washington und Hamburg anschloffen, und jene beauftragten den dazu bereitwilligen Sir Moses Montesiore in Verbindung mit dem Herrn Cremieux aus Paris, nach Alexandrien und Damaskus zu gehen, um an Ort und Stelle eine neue Untersuchung zu veranstalten. Unterdeß hatte der Divan die Kläger und Angeklagten von.Rhodus nach Konstantinopel gefordert, und nach unpartheiischer Untersuchung die Unschuld der Juden und die Absetzung des Pascha von Rhodus ausgesprochen. (Schluß folgt.) Die Emaucipatiou der Juden und die holsteiu'schen Stände. Nach einem Aufsätze in KjöbenliaTenspost von D. Rubi» in Kopenhagen. (Schluß.) Es scheint klarer als das Tageslicht, daß die Juden erst dann sich mit den Christen amal-