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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-01-02 · Heft 1 (2.1.1841) · p. Seite 9

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 1 (2.1.1841)
Date
1841-01-02
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 worfen sein, eine gleite Besteurung erzielenden, und alle Streitigkeiten, die religiöse Interessen verschiedener ReligioiMenossWOrbetrafen, wurden vor das oberste Justizkollegium gewiesen. Ueberall, wo dieser Hat verkündet wurde, wurden die Israeliten, ihre Rabbinen und Vorsteher an der Spitze, mit Pomp hinzugezogen, und als die wesentlichen Theilnehmer an dessen Wohlthaten begrüßt. Noch war aber kaum die Stimme der Vorleser verhallt, als, wie zur Verspottung jenes kaiserlichen Mandats, allmählig Nachrichten von einem gräßlichen Justizverbrechen verlauteten, das an reichen und sehr angesehnen Juden in Damaskus von dem Statthalter des ägyptischen Pascha's, unter Anregung des französischen Konsuls, und unter unbeachteten Protestationen der anderen Konsuln, begangen worden. Ein Kapuzinermönch war verschwunden; man beschuldigte - die vornehmsten Juden mit ihrem Rabbinen, ihn getödtet, und im Februar sein Blut für die, Ende April's stattfindende Passafeier aufgefangen zu haben. Um aus ihrem eignen Munde die Bestätigung dieses Verbrechens zu erpressen, wurden sie auf die schrecklichste Weise gefoltert, und mehrere Zeugen, die das Alibi des Mönchs erweisen wollten, niedergehauen. Allerdings erlangte man dadurch das Geständniß einiger Schwachen, fünf gaben ihren Geist aus, die Andern hielt man gefangen. Wie diese Thatsache so dastand, war es ein einzelnes Faktum, das unser Mitgefühl erregen, jedoch nicht als von allgemeiner Bedeutung angesehen werden konnte. Aber was hier tiefliegende Machination hervorgebracht, das benutzte anderwärts der Haß, und in Rhodus sah man bald darauf dasselbe Spiel, wo jedoch die Behelligung und Verfolgung gern die ganze Judenschaft umschlingen wollte, so daß ein Umsichgreifen solcher Beschuldigungen und darauf begründeter Bedrückungen zu befürchten stand. In ganz anderm Lichte erscheint aber diese Begebenheit, wenn man bedenkt, daß der Mord aus religiösen Gründen abgeleitet wurde, daß somit das Judenthum als Religion beschuldigt war, solche Gräuel zu fordern: hier mußte die Sympathie auch des Gleichgültigsten erwachen. Jndeß hing dies doch nur davon ab, wie man ' .... die Sache arischen würde. Und hier offer l-.w sich denn die ganze Trüglichkeit unsrer Stellung im Allgemeinen. Ein gemeiner Haß, ein niedriges Vorurtheil that sich überall kund, wie man es im neunzehnten Jahrhundert, in dem von humanen Phrasen strotzenden Europa nicht hätte erwarten sollen. Schon gegen Ende des vorigen Jahres hatten wir vielfach auf einen Geist der Reaktion wider uns aufmerksam zu machen Gelegenheit gehabt. Die Tagesliteratur wurde überschwemmt mit judenfeindlichen Reden, Notizen, Bemerkungen, und man begann weidlich die Vertheidiger der Juden als Philister, veraltete Theoristen zu bezeichnen. Die radikale, wie die torrystische Presse Deutschland's reichten sich die Hand hierin. War doch sogar in Aachen ein Vorspiel jenes großen Drama's gespielt worden, und die Behörde hatte die Falschheit der Beschuldigung bekannt machen müssen. Um nun dm. Hergang der ganzen Angelegenheit klar zu fassen, müssen wir einen Blick auf die damaligen politischen Verhältnisse des Orient's werfen, wie sie sich infonders jetzt nach der großen Veränderung alldvrt deutlicher Herausstellen. In Vorderasien standen sich der Sultan und der egyptische Wicekönig feindlich gegenüber. Diesen unterstützte Frankreich, jenen die anderen vier Großmächte Europa's. Der Sultan hatte offenbar eine große Sympathie im Volke,, wohingegen Mehmed-Ali durch seine großen Erpressungen verhaßt war. Der Sultan hatte die Juden durch den Hat von Gulhane freudig erregt, und in sein Interesse gezogen. Diesen gegenüber wollte Frankreich und der Egyptier sich ein besonderes Interesse sichern, nämlich die Christen in Syrien. Der Fanatismus sollte ersetzen, was die Bedrückung verloren hatte. Darum rnußtcn die Juden einen christlichen Priester getödtet haben, darum mußten der französische Konsul und der egyptische Pascha als Rächer, als Vertheidiger der Christen auflreten, um die Anhänglichkeit der syrischen Christen aus sich zu ziehen. Darum lag es auch im politischen Interesse des französischen Ministeriums und Mehmed-Ali's das durch die Folter erzwungene Verbrechen der Juden als solches und als geschehen anzunehmen, und alle Protestationen gegen das Faktum und die Procedur von sich zu weifen. An der Spitze des französischen Ministeriums stand zugleich ein Mann, der die ganze französische Presse beherrschte. Wie nun der erste Bericht, der in jeder Angelegenheit die Grundsätze abgiebt, von dieser Seite kam, so gab die ganze französische Presse als» 1"

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