Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1841)
- Date
- 1841-01-02
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 gamiren können, wenn eine Annährung ihnen möglich gemacht wird; aber daß eine Amalgamirung oder auch nur eine bloße Annährung unmöglich ist, ' unter den gegenwätigen Verhältnissen, wo sie auf eine .'Heise unterdrückt werden, die nur wenig einem civi- Lisirten christlichen Staate ansteht, das kann Keiner leugnen. Wenn man einen Graf Reventlow zu Farve sagen hört, daß hier, wo die Rede von der Emancipation der holsteinischen Juden ist, keine Rücksicht auf die glücklichen Folgen, die die Befreiung der Juden anderswo und namentlich in Frankreich und Dänemark für die Einheit des Staates gehabt haben, genommen werden kann „weil Holstein seinen eigenthümlichen Charakter hat, welcher, Gott gebe es! immer derselbe bleiben möge!" — da wird gewiß ein Jeder mit uns lächeln über eine Nationalität, deren besonderes Kennzeichen Judenhaß sein soll. Das hohe Mitglied der Ritterschaft offenbart uns, daß es mit der Nationalität Holstein's aus ist, wenn 3700 Juden, geboren und zu Hause gehörend in den Herzogthümern, sich mit den übrigen 800,000 Einwohnern desselben Holsteins vermischen sollten, oder, mit andern Worten, ein Vertheidiger für Schleßwig-Holstein glaubt, daß je ein einzelner Jude die Nationalität von mehr denn 200 Schleßwig-Holsteinern verderben kann. Jammerschade für Schleßwig-Holstein! Die Majorität ist ferner der Meinung, daß die Befreiung der Juden vom Sklavenbande, nicht blos unrechtmäßig, sondern auch rücksichtslos sein möchte. Rücksichtslos würde sie sein, „weil sie die Vermehrung der Juden mit sich führen, ja sogar die Vertreibung der christlichen Einwohner zur Folge haben wird!" Eine solche Behauptung stellt die Komitee auf, nachdem sie durch eine ausführliche statistische Berechnung bewiesen und wiederholtenmal hervorgehoben, daß die Anzahl der Juden verhältnißmäßig in den Staaten am geringsten, wo die Emanzipation bereits durchgegangen ist*), und nachdem sie den Schluß daraus *) Es soll zum Beispiel in England ein Jude auf 2000 Christen, in Nordamerika 1 auf 1000, in Frank- . reich 1 auf 550 kommen, während in der Türkei I Jude auf 45 Einwohner, in Polen 1 auf 10, ja in Friederichstadt sogar 1 auf 6 kömmt. — Die Ursachen zu diesen Verhältnissen fällt wol nicht schwer nachzuweisen. Corresp. gefolgert hatte, daß deshalb die Emanzipation selbst den Juden nicht zum Vortheil werden könnte! Mit der Beleuchtung einer solchen Beweisführung ist es wol nicht der Mühe werth die Zeit zu verlieren. Die Befreiung von dem jüdischen Sklavendande, ist ferner rücksichtslos, „weil die Holsteiner es nicht mit der Konkurrenz der Juden werden aushalten können." Dieser Satz ist aus einem und demselben Stoffe mit dem vorigen. Die Majorität hat ausdrücklich hervorgehoben, daß die Armuth der Juden so groß ist, daß 100 Arme auf einen Vermögenden kommen, selbst — was im Vergleich mit der citirten Behauptung unglaublich scheinen würde, wenn es nicht in der Ständezeitung stünde, — daß die Juden namentlich als Handwerker sich nicht mit den Christen werden messen können, durch die vielen Festtage, die sie außer der christlichen feiern. Die Majorität zeigt sich sogar philanthropisch. Sie will die Juden deshalb nicht außerhalb der ihnen angewiesenen Stellem kommen lassen, weil sie fürchtet, sie könnten sonst nicht den gehörigen Religionsunterricht erhalten! Femer befürchtet sie, und das aus purer Liebe, daß die Städte, worin Juden wohnen, Schaden erleiden werden, wenn die Emanzipation durchgehe, indem die vermögenden Juden sie dann verlassen, und die armen darin zurückbleiben werden! Wir befürchten all zusehr, daß die Majorität keine Dankadresse für ihre Nächstenliebe erhalten wird.' Wir haben nun unfern Lesern die Gründe so wiedergegcben, wie die Majorität sie aufgestellt hat. Bei den übrigen unmotivirten Behauptungen, die gegen die Juden geltend gemacht wurden, ist'S nicht der Mühe werth sich aufzuhalten. Als eine Probe derselben wollen wir jedoch hier berichten, daß das Mitglied, welches den Kern des konservativen Phalanx der deputirten Ritterschaft auszumachen scheint, nämlichGraf Reventlow zu Farve, mit vollem Ernst im Namen der Gutsbesitzer gefragt, „wie soll es mit den Untergeordneten gehen, wenn ein Jude als Gutsbesitzer aufträte?i) Wie wird es mit der Kirche *) Der edle Graf hat vermuthlich kn seinem glühenden christlichen Eifer vergessen, daß zufolge des Gesetzentwurfes kein Jude Patronatsrechte ausüben kann, sondern daß die schleßwig-holstcinische Regierung in dieser Hinsicht Vormünderin der jüdischen Gutsbesitzer sein soll. Corr.