Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1841)
- Date
- 1841-01-02
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 auf dem Frauenchor, für den jüdischen Leser langweilig, für den christlichen am Ende doch unverständlich. Hier und da möchte Heine gern das gemüthliche Element in jenen Ceremonieen hervorheben, das gelingt ihm aber am wenigsten. Wie? ist der Pasta und die alte Frankfurter Synagoge durch Herrn Heine salonfähig geworden? Das nenne ich einen Mittels- und Gewährsmann! Es kömmt nur darauf an, was für ein Salon es sei? Die nächste Nachbarschaft des Fragments verrath ihn hinlänglich. Da folgen gleich einige schmutzige Zoten darauf, die Herr Heine „Gedichte und Romanzen^ zu nennen beliebt, und die Einem wie aus einer Gesellenhecberge gekommen scheinen. In einen solchen Salon können die Hagada und die Frankfurter Synagoge nur mit Gewalt gebracht werden, und werden sich sehr dafür bedanken. Niemandem kann man wehren, seine Gesellschaft zu wählen, aber eine aufdringen, ist wahrlich! nicht fein. Nun, bei solchem Verstoße kann man häufige kleinere in der Schilderung selbst hingehen lasten. Was soll dieses ewige Wiederkauen alter jüdischer Sitten? Was tischt Ihr daran der Lesewelt immer wieder aus? Was wandelt Ihr alte, ehrwürdige Gebräuche, die, wenn sie beibehalten werden, mit Sinn und Gemüth aufgefaßt werden müssen, wo nicht aber, liegen bleiben mögen, zu Spielpuppen Eurer kraftlosen Gaukeleien um? Habt Ihr, entnervte Lüstlinge, nicht in Eurer flachen, charakterlosen Sphäre Gegenstände zu Tändeleien genug? — Aber halt! Herrn Heine eine moralische Vorlesung halten, wäre zu lächerlich. Lieber den Nagel auf den Kopf getroffen — es sollen Büchlein geschmiert werden, und wenn nun dazu das große Genie kein Fünkchen Inhalt, kein Stäubchen produzirten Stoffes in sich verspürt, so holt man sein vergessenes Judenthum aus den Winkeln des wüsten Gedächtnisses hervor, um daraus eine pikante Sauce zu fabriziren, die irgend einen verdorbenen Lesergaumen noch eine halbe Stunde zu reizen vermag, — Heine hat noch einen andern Zweck dei seinem Fragment. Er laßt zuletzt seine jüdisch-christliche Heidengestalt, seinen pracift'renden Genußmenschen auftreten, in welchem bekanntlich er sich selbst vergöttert, der nur darum in das Judenviertel einkehrt, um Schalet'zu essen. Einen solchen Heros zu schildern, ist der Heine'sche Pinsel ganz geeignet, und wollen wir ihm die Freude an dergleichen Meisterwerken und Selbstproduktionen nicht verderben. Wer weiß, wie lange Heine dieses Laster schon treibt. Daß er sich in diesem Fragment mit dem ehrwürdigen Namen Don Isaak Abarbanel benennt, vergebe ihm dieser große Schatten. Wahrscheinlich ist es eine Verwechselung mit dem, nach einer Sage, verlorenen Sohn von Isaak Abarbanel. Herr Heine kann so leicht in die Verwechselung mit einem verlorenen Sohn verfallen. — Das Jahr 1840. Das verflossene Jahr wurde allgemein mit einer dunkeln Vorahnung begonnen, ohne daß man deren Gegenstand genauer bestimmen konnte. Jedermann setzte das Eintreffen irgend eines großen, überraschenden , weltumwandelnden Ereignisses voraus, ohne zu wissen warum. Wurden doch in Frankreich sogar Weissagungen des Nostradamus herumgetragen, die aus eine bedeutsame Umwälzung deuten sollten. Kam nun noch dazu, daß .1840 ein vielfaches Jubeljahr war, der Buchdruckerkunst, Friedrichs des Großen, des Kartoffelbaus und der Louisd'ore: so mochte man in einer nicht gewöhnlichen Spannung in das geheimnißvolle Dunkel des neuen Jahres treten. Wer nun die Begebenheiten des ablaufenden Jahres überschaut, wird kaum finden, daß Etwas dieser Ahnungen in Erfüllung gegangen ist, einzelne Wirren lösten sich, oder sind aus dem Wege der Lösung, die Jubiläen'wurden festlich, aber friedlich begangen, und das Jahr wird unter der großen Reihe seiner Brüder stehen als ein bemerkenswerthes, aber nicht als ein merkwürdiges. Was aber Niemand geahnt, ist eingetroffen: für das Judenthum und seine Bekenner ward 1840 ein merkwürdiges Jahr. Es war ein großes Leid, ein harter Kampf, aber auch ein tüchtiger Sieg in demselben. Tiefe Täuschungen wurden aufgedeckt, aber auch große Fäden angesponnen: die Zukunft steht in einer eigenthümlichen Selbstständigkeit vor uns. Die Morgenröthe von 1840 stieg im Oriente mit rosigen, lebhaften Farben herauf. Der Hattischerif von Gülha^e ward verkündet, die Gleichstellung aller R % ^teten im türkischen Reiche ausgesprochen. I. "-ere sollten vor dem Gerichte alle Raja's mit den Muselmännern auf gleicher Stufe stehen, jene auch der Konskription unter-