Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1840)
- Date
- 1840-12-26
- Page
- Seite 760 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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die Komitee, „rechtlich nur verlangen, daß die Bedingungen, unter welchen ihr Eintreten in den Staat zugestanden wurde, von der Regierung aufrecht erhalten werden. Und da im Anfänge den Juden keine Freizügigkeit versprochen wurde, so ist auch für den Staat keine Verpflichtung vorhanden, eine solche Aufopferung zu bringen. Die Juristerei kam uns noch nie mit solcher Kälte und Unheimlichkeit entgegen als hier. Dieses ist eine große und schwere Anklage, die die Zukunft — sogar in demselben juridischen Holstein — gegen die holsteinischen Stände erhoben wird, daß ihr steifer lateinischer Kodex, umschlungen von einer Masse gothischer Schnörkel, ihr Alpha und Omega ist, daß sie ferner nicht eine höherr Gerechtigkeit, die man nicht im menschlichen Gesetzbuche Nachlesen kann, anerkennen wollte, daß endlich sie sich nicht gebeugt haben vor dem ewigen Gebote der Alle umfassenden Gerechtigkeit. Weil Christian IV. und Friederich III., Jahrhunderte zurück in der Zeit, den Juden nur Altona und noch wenige andere Städte freigegeben, weil ein unwissendes Zeitalter, wo eine unerleuchtete pietiflische Intoleranz die oft den Menschenrechten jede Berücksichtigung versagt, die in der weiten Welt herum irrenden Juden an einige Landstriche gekettet hat, darum soll jetzt und künftig bis in ewige Zeiten hinaus eine ewige Sklavenkette, eine Schaar der im Lande eingebornen Kinder geknechtet halten an den Stellen, wo ihre Väter unter dem bleiernen Scepter eines mißverstandenen Christenthums geseufzt haben! So lehren die historisch-juridischen Holsteiner, die nicht dem Vernunstsatze huldigen, daß Gott allen Menschen gleiche Besugniß zur Freiheit > gegeben. Unter aller dieser spitzfindigen Engherzigkeit und dem Gedränge des Eigennutzes ist es eine wahre Erbauung zu hören, wie ein schlichter aber redlicher Landmann die ganze schlcßwig-holsteinischeKohorte aus dem Felde schlägt mit folgenden einfachen und hoch güldenen Worten. „Ob dieser.Theil der Landes-Einwohner, sprach der vortreffliche Depulirte Rohwer, von welchen hier die Rede ist, aus Christen oder Juden besteht, thut nach meinen ungelehrten Grundsätzen gleichviel zur Sache, sie sind Menschen, und sie fordern mit Recht Menschenrechte. Sie sind Staatsbürger, Holstein ist ihr Vaterland. j Sie haben die Lasten des Staats in einem sehr ein-! geschränkten Dasein getragen, und besitzen deshalb ein unzubezweifelndes Recht auf die Wohlthaten der Staatsgemeinschaften. Der Komiteemajoritäts Meinung kann ich auf keine Weise beipflichten, die mehr einer längstvcrgangenen, als der gegenwärtigen Zeit angehört. Wenn die Regierung die Hand bietet, um einem unterdrückten Kheile der Landes-Bevölkerung eine bessere Stellung zu verschaffen, so kann ich ihr meine schwache Stimme nicht versagen." Derjenige, der das historische Recht als seinen höchsten Grundsatz anerkannt, ist nie für Vernunftgründe empfänglich. Mit Fingerzeigen deutete die Komitee-Majorität es an, und die Notabilitäten der Ständeversammlung, namentlich Löck, wiederholten es unablässig, daß die Juden keinen Shell der Staatsgesammtheit ausmachten, sondern daß sie ein Staat im Staate waren, ja, was die Hauptsache ist, daß sie auch für beständig ihrem Jsolirungs- Prinzipe huldigen und ihrem Absonderungs-Systeme von den übrigen Bewohnern beachten werden.") Eine starke Macht übt ein blindes Hangen an der historischen Schule selbst über sonst selbständige Männer aus, daß sie entweder nicht wollen oder nicht können einschen, daß die Scheidewand, die das Unrecht und die Gewalt in einer alten Vergangenheit zwischen Juden und Christen errichtet, erst durch die Durchführung der Emancipation niedergeriffen werden kann. lSchluß folgt.) *) Um Gott, auf welcher Seite ist denn hier das Absonderungs-System? Redakt. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Seile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. 2)te Berlagshandlung. Birnbaum, den 16. Oktober 1840. Unter so vielen Millionen dankbarer Menschen, denen eS vergönnt war, am gestrigen Tage ihre Gebete zu Gott, dem Erhalter unseres Lebens, emporzuschicken, um für Se. Majestät unsern allergnadigsten König und Herrn, langes Leben und, Segen herabzuflehen, sprach auch die hiesige jüdische Gemeinde ihre allerunterthanigsien Gefühle der Dankbarkeit und Liebe gegen einen so gnädigen und Liebevollen Herrscher in einer der Würde des Tages an-