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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-12-26 · Heft 52 (26.12.1840) · p. Seite 761

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 52 (26.12.1840)
Date
1840-12-26
Page
Seite 761 (sequence 13)
Language
German
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761 gemessenen gottesdienstlichen Feier aus. — Den glücklichen Umstand benutzend, daß Se. Excellenz der Wirkliche Geheime-Rath und Ober-Prasident unserer Provinz, Herr Flottwetl, wegen der Einweihung der hiesigen evangelischen Kirche hier anwesend war; begaben sich die Kaufleue Herr Alexander Bender Lewy und Herr Ephraim Moses als Deputirre der jüdischen Corporation zu Hochdemselben mit dem gehorsamsten Bittgesuche, die Feier in unserer Synagoge mit Seiner Hohen Gegenwart zu verherrlichen, welche Einladung Se. Excellenz auch huldreichst annahm. — Abends 5 Uhr versammelte sich die jüdische Schuljugend in dem Schuilokale, von wo aus sie, mit Blumenkränzen geschmückt, sich paarweise in der schönsten Ordnung, mit den Lehrern an der Spitze, nach dem Tempel begaben, und dort ihren Platz auf der Tribüne einnahmen. Auch sammtliche Gemeindemitglieder hatten sich um diese Zeit, alle in Festkleidern, aber noch festlicher im Herzen gesinnt, in der Synagoge eingefunden. Um 6 Uhr begann die Feier. Das Gotteshaus, von innen und außen durch unzählige Lampen auf's Prächtigste erleuchtet, und mit mannigfachen Verzierungen aller Art versehen, (z.B. das Preußische Wappen erleuchtet, die silbernen Kronen der Gesetzesrollen und sammtliche Kronleuchter mit Kränzen umwunden) u. s. w.) bot einen schönen und erhebenden Anblick dar. An dem mit Ehrenpforten geschmückten Eingänge der Synagoge standen Jünglinge mit brennenden Lichtern in gedrängten Reihen, ein Spalier bildend, das bis ins Innere des Tempels reichte, den hohen Gast erwartend. — Um 6 Uhr erschien Se. Excellenz , begleitet von unserm Landrathe Herrn Major v. d. Brinken, dem Herrn Oberamtmann v. Blank, Sr. Hochwürden dem Herrn Superintendenten Stumpf, drr hiesigen Geistlichkeit beider Confessionen und der der ganzen Umgegend, so wie mehreren hohen Herrschaften, welche die Kirchweihe hier herbeigezogen hatte, als auch fast sämmtlichen hiesigen Honoratioren, und ließen sich auf die für Sie vorbehaltenen Platze nieder. Nun begann der Gottesdienst in folgender Ordnung. Der jüdische Kantor sang das Gebet für den geliebten König „Hanoten Teschua," hierauf mehrere Psalmen, in Begleitung des Chors der Schuljugend und eines gut besetzten Orchesters, in würdiger Weise. — Demnächst trat ein Mitglied unserer Corporation, der Rabbinats- Kandidat Herr David Joel, Sohn des Oberrabbinen zu Schwerin a. d. W., vor die heilige Lade, und hielt eine Aller Herzen ergreifende Rede über den Text Psalm 118 Vers 24 in welcher er auf die überstandene Leidenszeit des Vaterlandes und die göttlichwunderbare Rettung desselben durch Preußens nunmehr in Gott ruhenden König in den Oktobertagen von 1813 sehr rührend hinwies, und zum innigsten Danke gegen Gott und das hohe Königshaus aussorderte; sodann in das Verhältniß Jsrael's unserer Tage im Vergleich mit frühem Jahrhunderten eingehend, und die wiedergewonnene Freiheit des Geistes als das unschätzbarste Kleinod preisend, sprach er im festesten Vertrauen zu unserm geliebtesten Monarchen die wohlgegründete Hoffnung aus, daß wir die Aufrechthaltung, ja die Beförderung dieser Freiheit stets zu erwarten haben, und schloß endlich mit einem herzlichen Gebete, das Segen herabflehete auf den geliebten Landesvater, auf die theure Landesmutter, auf die hohen und niedem Behörden und auf alle Preußischen Unterthanen. Einen tiefen Eindruck brachte diese schöne Rede, besonders durch des Redners sehr angenehmen Vortrag auf alle Anwesenden hervor, und lange werden diese Hetzern Worte in Aller Herzen wiederhatlen. — Hierauf wurden die zwei ersten Verse des Liedes „Nun danket alle Gott"*) von der jüdischen Schuljugend, unter Leitung des katholischen Lehrers Herrn Redner gesungen, welchen Gesang die beiden jüdischen Lehrer, die Herren Löwenstein und Glück, denen hier für ihr eifriges Streben in dieser guten Sache ein besonderer Dank gebührt, kräftigst unterstützten. — Auch unsere zahlreich anwesenden christlichen Mitbrüder stimmten freudig ein. Nachdem nun noch vom Kantor ein hebräisches Loblied und hierauf abermals ein Psalm mit einer volltönenden sonoren Stimme vorgetragen, und von der Gemeinde wechselweise beantwortet worden, machte den Schluß das vom Chore ausgeführte, mit Trompeten und Paukenschlag begleitete allgemeine Volkslied „Heil Dir im Siegerkranz" wobei ebenfalls unsere christlichen Brüder laut und freudig einstimmten. — Hierauf erhob sich Se. Excellenz der Herr Ober-Prasident, ließ den Synagogen-Vorstand zu Sich rufen, und äußerte überaus huldreichst Seine Zufriedenheit in Worten, die uns gewiß unvergeßlich bleiben werden. So schloß die hehere Feier. Daß sie ein Ausfluß der reinsten Vaterlandsliebe und treuer Anhänglichkeit an das hohe Königshaus, also Antrieb des eigenen Herzens war, sprach sich in der regen Theilnahme jedes Einzelnen, unverkennbar aus. Möge dieses Fest noch oft, ach recht oft doch wiederkehren! Darum flehen wir zu Gott dem gütigen Vater. — *) Mit einiger Abweichung. Avertissement. Mit dem ersten Mai künftigen Jahres wird der Unterzeichnete ein Institut eröffnen, das die höhere Bildung des künftigen Kaufmannes, des Künstlers und überhaupt aller derer, welche dereinst in einen solchen Beruf, der keine eigentlichen Universitäts-Studien erfordert, treten wollen, zum Zwecke hat. Die Unterrichtsgcgenstände, werden daher sein: Religion und Erklärung der Bibel, die neueren Sprachen, kaufmännische Buchhaltung, Arithmetik, Geometrie, Geschichte, Logik und Psycholgie, Geographie, Statistik, Naturwissenschaften, Technologie, Zeichnen und Musik,

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