Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1840)
- Date
- 1840-12-26
- Page
- Seite 756 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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756 „Mir blüht kein Vaterland! Die Brüder ringen Durch's Leben sich, zerstreut, im Wandrerkleid! Und doch sind wir ein Volk! In Eins verschlingen Gemeinsam Elend uns, gemeinsam Leid! „Vom Manne, der nicht sterben kann, die Sage Lallt manch' ein Christenkind, vom Ahasver! Es wallt vorbei der Völker Sarkophage Mein Volk, unsterblich, thränenlos, wie er! „Nicht weiß ich's, dämmern uns des Fluchs Gerichte, Strahlt Segen uns aus der Geschicke Buch? Auf unsrer Töchter schönem Angesichte Les' ich sogar den leisen Hauch von Fluch! „Pflanzt in den Süd ein Reis von Nordens Tannen, Wenn's nicht verdorrt, sprießt's doppelt grün und groß; Wollt in den Nord ihr Südens Lorbeer bannen. Erfriert er nicht, verkrüppelt doch sein Sproß. „Zn allen Zonen doch, Geprag' aus Steine, In Färb' und Bildung bleibt mein Antlitz gleich; So heiß ist Südens Brand nicht, daß er's braune. So kalt kein Norden, daß er's tünche bleich! „Die Christen sahn's; da mocht' es ihnen dünken. Es sei wol eisenfest auch unser Leib, Daß unser Blut ihr Schwerdt sie ließen trinken, Uns niederdolchten Greis und Kind und Weib! „Die Christen sahn's, und unsres Leibes Glieder Hielt da wol auch für feuerfest ihr Wahn, Daß sie uns Haus und Hütten brannten nieder, Und unter uns den Holzstoß schürten an! „Ihr schmäht, daß wir den Blick zum Mammon wenden; Wie wir ihn suchen, suchet ihn auch ihr! Nur tappt ibr plump nach ihm mit schweren Händen, Mit leichter Wünschelruthe winken wir! „Und gönnst du, Christ, uns einst auch deine Fluren, Gibst du uns Freiheit, Recht, Gesetz zurück. Ein Krieg, den die Jahrtausende sich schwuren. Den endigt nicht ein Friedensaugenblick! „Hier ist mir wohl! Hier sind wir gleich, wir Beiden, Verschmäht, getreten gleich, in diesem Land! Doch unterm Tritte selbst des schnöden Heiden Reich' ich dir nicht zum Frieden meine Hand!- „Genug der Rasi! Wie labt des Schlummers Bronnen! Laßt sehn, wie die Geschäft' am Grab dort stehn! — Kauft Goldmonstranzen, Rosenkranz, Madonnen! Kauft Kreuze, schmucke Kreuze, blank und schön!" —. Wie wir Im Beginne dieses Artikels bemerkt, gestatten wir uns einige ähnliche Strophen, die Neuzeit schildernd, und eigens von uns abgefaßt zu diesem Zwecke, hierher zu jstellen, um eine abschließende Trilogie zu erhalten, die das Gefühl der Versöhnung zurücklasse. Der Sieg. Am Rheine stand ich, an den grünen Wellen, Die rasch durch fruchtbare Gefilde flieh'n, Am scharfen Felsen sah ich sie zerschellen, Und dann den Fuß des Weinbergs sanft umzkeh'n. Und laut war's um mich; rings ertönten Lieder Aus lustberauschter Winzer Brust und Mund, Sie schwollen hügelauf und hügelnieder, Vom Gottesfegen gebend frohe Kund'. Der Böller Donner dröhnte an den Hügeln; Des Lebens Freude, nicht des Todes Schmerz Tragt er umher auf seinen raschen Flügeln, Und legt sie nieder in des Hörers Herz. Vorüberwallten buntbeflaggte Schiffe, Beladen mit der Völker reichem Gut, Rauchwirbelnd, plötzlich, lenkt' um Zackenriffe - Das Dampfschiff, höhnend ob der Wogen Wuth. Aus tausend Kchlen tönt des Jauchzens Schmettern, Stolz schaut der Mensch auf seine kühne Bahn; Wo ist der Elemente wildes Wettern? Ec hat's zerstreuti ihr Schrecken ward zum Wahn! Da hebt die Seele sich in rascher Schwingung Zum Frohsten, Höchsten flügelleicht empor, In der Gefühle wonniger Durchdringung Drängt der Gedanke muthig sich hervor: „Geschwunden bist Du, alte Zeit des Grauens, Versunken in den Abgrund, graue Zeit! Vor'm Hellen Strahl des lichterfüllten Schauens Zerstreute sich der Menschen alter Streit! „Die Elemente hat ec kühn bezwungen. Daß sie ihm dienen wie gemeiner Knecht, Und mit sich seldsten hat er ausgerungen. Daß freudig ec nur huldiget dem Recht. „Gewonnen ward des Menschen hohe Würde Aus dem Gerolle wilder Leidenschaft, Von jeder Schulter wich des Druckes Bürde, Jedweder gilt, was er an Thun und Kraft.