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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-12-26 · Heft 52 (26.12.1840) · p. Seite 755

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 52 (26.12.1840)
Date
1840-12-26
Page
Seite 755 (sequence 7)
Language
German
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755 der moralischesten Mittel sich bedienen müssen, ist eben das Traurigste in ihrem Geschicke. Sie sind aber nicht im geringsten ein Volk, weil der muselmännische Herrscher, der sie in seinen Staaten duldet, sie nicht der Zahl seiner Unterthanen zugesellt, und sie nicht, wie in den europäischen Staaten einen integrirenden Theil der Bevölkerung ausmachen. Die Muselmänner erkennen als Volk nur die an, welche eine Kokarde und eine Standarte haben, die sie aber den Juden verweigern, weil, wie sie sagen, diese eben jene gegen die Macht der Völker nicht aufrecht erhalten können. Sie bilden daher nur ein Geschlecht mit einem nationalen Charakter, an welchem jeder Jude seinen Theil hat. (Schluß folgt.) Literarische Nachrichten. Magdeburg, 8. Dezember. (Fortsetzung und Schluß.) — Schleicht dieser Gesang des Kidron um den Trümmerhaufen des durch Rom zerstörten Jerusalem's, so faßt der folgende Gesang des Juden Leid im Mittelalter auf. Der Dichter verzeihe uns, wenn wir eine gegen das Christenthum zu herbe Stelle auslaffen. Wenn es auch ein Christ gedichtet, so will es uns nach un fr ex Stellung nicht behagen, den Vorwurf, mit Vergnügen zu wiederholen, was ein Christ Schmähendes gegen seine Glaubenspartei in unsrem Sinne gesprochen, auf uns zu laden. Das Buch liegt dem Begehrenden ja leicht zur Hand. II. Der Jude bei Jerusalem aus Anastasius Grün's Schutt (S. 170,) Kein Pilger hier! Nur Beduinen jagen Auf flinken Rossen durch das Haideland; Kein Pilger dort! die Christenfchiffe tragen Des Kaufherrn Gold und Ballen nur zum Strand. Sieh dort bemoost vier Trümmerwande ragen, Langst eingebrochen ist Gewötb' und Dach; Ein Kirchlein Gottes war's in alten Tagen, Jetzt stürzt es mahlig seinen Bauherrn nach. Es sprießen grüne Terebinthen drinnen, Sie stehn die letzten treuen Beter hier; Es wölbt ihr Laub zu Kuppeln sich und Zinnen, Es ragen ihre Stamm' als Säulenzier. In ihrem Schatten ruht ein müder Waller, Olivenfarbe tragt sein Angesicht. Wahrzeichen tragt auch er der Pilger aller: Den Stab und Staub, — doch Christi Zeichen nicht! Er ist ein Körnlein jener Handvoll Saamen, Die einst der Sturm von diesem Boden hob, Und in die Länder sä'te aller Namen, Und weithinaus in alle Winde stob! Ein Judeist's, ein Ast vom Wunderstamme Gefällt, zerschmettert längst, doch nicht verdorrt! Des Markes Kern versengt von Blitzesflamme, Des Wipfels Zweige grünend fort und fort! Und wie unrs Haupt beim Laubeswehn ihm schwanken Bald Sonnenlichter, bald die Schatten dicht,; So gaukeln drin die Bilder und Gedanken, Bald mitternächtig schwarz, bald sonnenlicht: „Die Lerche steuert pilgernd in den Lüften Dem Lenze nach und seiner Blüthenspur; Der Hirte wandert von enthalmten Triften Zu frischem Weideplatz auf reicherer Flur. „Nicht, gleich der Lerche, folg' ich Frühlingsspuren, Und doch wie sie, so wand? ich fort und fort! Nicht, gleich dem Hirten, such' ich schön're Fluren, Und doch wie er, bin ich bald hier, bald dort! „Wenn ihr die Hunde peitscht, den Hirsch zu hetzen, Da rennt durch Busch und Feld er fort und fort; Er rennt noch immer fort in scheuen Sätzen, Wenn Treibers Hand und Ruthe langst verdorrt! „Ich säe nicht, ich pflüge kernen Boden, Mich schreckt kein Hagel, denn ich ernte nicht! Doch beut mir jedes Land von seinen Broden, Und meinem Durste nie der Quell gebricht! „Des Nordens Eiche und des Südens Palme Hat um das Haupt schon Schatten mir gestreut; Der Wüste Sand, der Alpen duft'ge Halme, Sie halten mir des Schlummers Bett bereit. „Ich wohn' in engen Gassen, dunklen Schlüften, Wohin der Christ uns aus den Sradten stieß; Ec ahnt es nicht, wie selbst in Drachenklüften Des Weibes Kuß, des Kindes Lächeln süß! „Ich lerne keine von den Sprachen allen. Nur meine trag' ich durch die ganze Welt; Natur der Staare ist's, die Sprache lallen i Des Peinigers, der sie gefangen hält!

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