Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1840)
- Date
- 1840-12-19
- Page
- Seite 740 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225171--03196-3312723- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
740 Geschichte Wer mag den Preis der Zwei zu richten taugen? Wer sagt es, welches glomm in schön'rem Glanz? „Den edlen Bau der königlichen Glieder Hielt ihr ein dreifach Bollwerk fest umspannt, Gleichwie von Gold und Erz ein schimmernd Mieder, Um das ich mich als Demantgürkel wand. „Da liegt sie nun, die größte aller Leichen! Vom Haupt fiel ihr die Krön' und barst am Stein! Der Quadern Trümmer rings, die fahlen, bleichen, Sind ihres Leib's zerfallenes Gebein! „Die Gräber nur, die sie in Fels einst hieben, Sie halten jetzt noch, wie seit Jahren schon; Sie sind rings um dieß große Grab geblieben, Termitenhügel um den Libanon! „Und als der alte Bau zusammenkrachte. Flog weit des Staubes Wolke, riesengroß. Daß grau die Flur jetzt, die so grün einst lachte, Und grauen Schleier tragt das ärmste Moos! „Da floh des Volkes Rest, lebend'ge Leichen, Tobt ohne Tempel, Satzung, Vaterland! Da sah ich Baum und Strauch weithin erbleichen,: Und morsch auf's Antlitz sinken in den Sand! „Fort flogen da der Büsche Nachtigallen, Die Vögel all', weit über's ferne Meer; Nicht ziemt es ihrem freud'gen Lied, zu schallen, Wo Alles schweigt und trauert ringsumher. „Fort zogen da die Rosen auch nach ihnen, Bis an das blaue Meer, das: Halt! gebot; Da blühn sie gaukelnd nun die reichen, grünen Gestad' entlang, ein Blumenmorgenroth! „Fort zogen auch die bunten Jahreszeiten; Kein Lenz ist, wo nichts keimt, nichts grünt und glüht, Es will kein Herbst die kahle Flur durchschreiten, Denn kein Verwelken giebt's, wo nichts geblüht. „Fort alle Farben, fort auch alle Töne! Und alles, alles Leben fortgedrangt! Ich blieb allein zurück, als eine Thräne, Die an dem Auge der Vernichtung hangt." (Fortsetzung folgt.) Einige Skizzen aus der Vorzeit der Zu den in Wieru In den 1836 erschienenen „Wiener Skizzen aus dem Mittelalter von Schlager" werden mehrere Ur» künden, die bis jetzt nicht veröffentlicht waren, mitgetheilt. Wir stellen aus denselben Folgendes zusammen, was uns einen Einblick in die Vorzeit von Wien's Juden gestaltet. Es ist, sobald keine blutigen Scenen vorfallen, ein höchst interessanter Anblick, das oft vertriebene Häuflein immer wieder zurückkehren zu sehen, den Boden um so lieber gewinnend, der ihnen so oft genommen ward, alsbald sich wieder organisirend, und allerdings ihren materiellen Vortheil wahrnehmend, durch den sie allein eine Freistätte sich eine Zeitlang sichern konnten. So wurden ihre Geschlechter immer wieder erneut, ihre Kinder alterten, ihre Todten gingen zur Ruhe, wie sich auch der Sinn ihrer Beherrscher härter oder weicher auf sie legte. Das Alter des frühesten Judenbezirkes oder vielmehr des Aufenthaltes der Israeliten in Wien steigt urkundlich nur auf das Jahr 1156 hinauf, wo im siebzehnten Artikel der, dem ersten Herzoge von Oesterreich vom Kaiser Friedrich I. ertheilten Bevorrechtungen, dem Herrn von Oesterreich ausdrücklich das Recht eingeräumt wird, in seinem Lande Juden und Genwertschen (Lombarden) zu halten. Allein die Stadt Wien hatte wahrscheinlich schon als römisches Muuicipium Vindobona unter ihren Bewohnern Juden, die den Römern des Erwerbs halber überall gefolgt waren; nur fehlen hierüber die urkundlichen Belege. Daß die Israeliten bei ihrer jeweiligen Duldung in den Hauptstädten der meisten europäischen Länder, in eigenen Bezirken beisammen wohnten, zeigt sich überall in den Chroniken derselben, so daß dies ungezweifelt auch in der alten Faviana Statt hatte; in der Wiener Synodalversammlung vom Jahre 1267 ist ihnen ausdrücklich untersagt, unter Christen zu wohnen.