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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-12-19 · Heft 51 (19.12.1840) · p. Seite 739

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 51 (19.12.1840)
Date
1840-12-19
Page
Seite 739 (sequence 11)
Language
German
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759 6rm^e^t der Menschheit nicht aufbaut, sondern ahnen laßt, wir können sie auch für uns, von unserm Standpunkte uns zurechtlegen, und die Siegesfahne unsrer Meinungen darauf einpflanzen. Doch dies gilt es hier nicht. Der Dichter verstummt, wo die Ahnung eine Gestalt annehmen soll, und wir wollen eben so wenig weiter sprechen, wo jener still geblieben. Wie drr Gedanke dieser Dichtung meisterlich ist, so auch die Form, in der jener ausgeprägt worden. Es ist elegischer Klang, weiches, zerfließendes Metrum, und doch so gehandhabt, daß epigrammatische Gedankenscharfe und Gedankenspitzm vollkommen herausdringen. Dies ist die Meisterschaft. Man lese 1,5. und 12. Der Dichter besingt die Trümmer früher bestandener Bauwerke der Menschheit, und das darin untergegangene und gefangene Glück. In No. I. „Der Thurm am Strande," das alte venezianische Gefangniß, die Klagen des Gefangenen. No. II. „Eine Fensterscheibe," das verfallene Kloster. Hieraus No. III. „Cmcinnatus," Pompeji's wieder ausgegrabene Trümmer, gegenüber dem raschen Aufblühen Nordamerikas. No. LV. „Fünf Ostern": L. die Einöde um Jerusalem; 2. die Kreuzzüge; 3. der Islam in Jerusalem, der nach Jerusalem wandernde Jude; 4. die Spaltungen des Christenthums, Napoleon in Aegypten; 5. die zukünftige, eine Menschenceligion. Zum Schluffe des Ganzen: Epilog, der frische Genuß der Gegenwart, des Lebens. — Die tiefen, inneren Bezüge, die hier der Dichter in die leichte poetische Form gelegt, wir brauchen sie dem denkenden Leser nicht erst deutlich zu machen. Wir ziehen nur die beiden, das Judenrhum betreffenden Gefangesstellen an. Sie charakterisiren zwei geschichtliche Perioden unsres Lebens, und werden wir uns gestatten als Gegenstück ein drittes, die lebendige Gegenwart, anzureihen. I. Die Einöde um Jerusalem (S. 156.) Des Tod's Triumphzug ging durch diese Gründe, Rings keine Spur von eines Menschen Pfad! Kein Vogel singt, es rauscht kein Blatt im Winde, Es weht kein Hülm, es grünet keine Saat! Daß doppelt groß der Sieg des Todes rage. Lebt spärlich hier noch Eines Lebens Schein: Es seufzt, wie eines Dichters Leichenklage, Des Kedron's Quelle zischend durch's Gestein: „Einst streckt' ich wohlbehaglich meine Glieder Zm Blüthenpfühl, auf weichem Silberkies, Bis von Moria's alter Veste nieder In meinen Schooß der Sturm die Trümmer stieß! „Nun ich den Leib von Stein an Steine trage, Muß ich wol ächzen laut vor Schmerz und Zorn; Nun die Gelenk' an Trümmern wund ich schlage. Ist, gleich als blut' er, jetzt so roch mein Born! „Mein Born, so klar einst, weisend noch als Spiegel Der Kön'ge Burg, den Tempel gottverklärt, Pallastdesate, wallumkranzte Hügel, Und auch ein Volk, einst solcher Fülle werth! „O daß sich am Gestein zu Scherben schlüge Der Spiegel, dem einst Solches ward zu schaun, Auf daß dieß Bild des Tod's et nimmer trüge, Dreß Bild verdorrter Fluren voll von Graun! „Der Fluren, die bluttrunken als Hyäne Der Menschen Besten, Titus, würgend sahn! Ob er auch Abends da geweint die Thräne: Nicht sei des Guten heut genug gethan? „Ob, als er trümmerfroh sein Beil ließ schimmern, Die Hand ihm niemals bebte, ahnungsvoll: Daß seine Mutter Rom von Zions Trümmem Gesteinigt einst, erschlagen werden soll? „Nicht ahnt' er's! Denn dem Meere der Verheerung Gebot' er wohl zu zügeln sonst die Wuth, Statt daß er, ein Neptunus der Zerstörung, Rings aufbeschwor zum Sturm der Wogen Fluch! „Ha, wie des Gottesfluches Worte, liegen Gestein und Leichen über's Thal gesät. Darüber Roma's Aar in Siegesflügen Als Leichenrabe, schwarzen Fittigs, weht! —- „Hier lag sie einst, die Königin der Städte, Der Hügel vier bedeckt' ihr Riesenleib, Vier gotdnen Pfosten gleich am Konigsbette, Drauf ruht' im Sonnenkleid das hohe Weib. „Fruchtreiche Gärten, ihr zu Füßen, standen Ats Blumenvasen rings um's Bett gereiht, Und neben ihr die Patmenhügel sandten Ihr Kühlung zu, aus Fachern, grün und breit. „Des goldnen Tempels Kuppel krönte glänzend Als heil'ge Krone ihrer Stirne Saum: Nur Eine Krön', ein Königshaupt bekränzend! Ein Tempel Gottes nur im Erdenraum! „Und ihre beiden, lichten, schönen Augen: Die Söhn' und Töchter waren's ihres Land's;

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