Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-12-19 · Heft 51 (19.12.1840) · p. Seite 736

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 51 (19.12.1840)
Date
1840-12-19
Page
Seite 736 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225171--03192-3312719
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

736 Moses einst zu dem Pharaonen gesprochen: „Gib mir heraus die gefesselten Söhne meines Volkes, daß sie mir dienen." Sie haben die Fessel gebrochen an der Hand der Gefesselten, die Eingekerkerten erlöset aus ihrer Haft; wie der Prophet als einen göttlichen Beruf bezeichnet^ Sie haben die bereits Geächteten frei und ungebunden dem Leben wieder gegeben, das Schwerdt in seinem Falle aufgehalten, das bereits an einem Haar über ihrem Haupte geschwebet, und haben die, die Sie nicht retten konnten, die bereits unter Martern sind aus der Welt gegangen, und in einer höhern Welt und vor einem höhern Richterstuhl und Thron, als da ein Mensch richten kann, ihre Unschuldserklärung und Rechtfertigung gefunden haben, die haben Sie von der Schmach erlöset, die ihnen noch in den Tod gefolgt, und haben ihren Namen unbefleckt ihren Kindern und Kindeskindern wieder gegeben. Gottes Segen über Sie! Sie haben ein göttlich Gebot erfüllt, das das heiligste ist in Israel, Sie haben geheiligt den Namen Gottes, Sie haben das Gebot der Liebe erfüllt, das das höchste ist, Sie haben wohlgethan den Tobten und den Lebenden. Wenn der Name Damaskus, der sich auf den ersten und ältesten Blättern unserer Geschichte verzeichnet findet, in neuester und letzterer Zeit, wieder eine trübselige Berühmtheit erlangt hat, Erinnerungen zurückläßt, die für uns eben so unvergeßlich als schmerzlich sind, so werden die Namen der Edeln, die in dem Kampf gefallen, nur ihr Leben geopfert haben, für die Heiligung des göttlichen Namens, und den Namen der edeln Kämpfer, die den Kampf zu Ende gebracht, und den gemarterten den Frieden, den Gefesselten die Freiheit errungen haben, mit ihm unvergänglich und unvergeßlich sein. Das wiedergewonnene Selbstgefühl und das freudige Bewußt- ' sein, daß wo Israel in Noth und Bedrängniß ist, und sein Name geschändet, und sein Glaube geächtet, Gott ihm aus seiner eigenen Mitte seine Helden und Kämpfer erwecket. — Das tröstet urS für die schmerzliche Erfahrung, die wir neuerdings gemacht und deren wir in unserem Jahrhunderte nimmermehr gewärtig waren. Mit diesen Gesinnungen begrüßen wir Sie als einen der Vorkämpfer in dem heiligen Kampfe, und wenn unsere Stimme nicht so weit reicht, daß sie auch Ihren edlen Mitkämpfer Sir Moses Montesiore erreiche, gegen den wir dieselbe Verehrung hegen; so möge Ihnen wenigstens, da uns das Glück vergönnt ward. Sie von Angesicht zu Angesicht zu sehen, dieses Bekenntniß, das das erste ist, das Sie auf deutschem Grund und Boden empfanget, ein Zeugniß sein der Würdigung und Anerkennung, die Ihr Streben und Bemühen, unter Ihren deutschen Glaubensgenossen gefunden, und wie sehr Sie in Ihren weiteren Bestrebungen auf ihre Sympathien werden rechnen können. 22*1 nbL nKK ‘■m V? rufen wir Ihnen zu mit den Worten der Schrift, schreiten Sie muthig und rüstig fort auf der betretenen Bahn, ‘pum *]-nn. Es wird das Ihr Ruhm sein, und Ihre Ehre. Empfangen Sie unfern Dank mit der Versicherung, die gewiß Ihr schönster Lohn ist, daß Ihr edles Beispiel an uns und unfern Kindern nicht wird verloren sein! Wir werden es in einer dankbaren Erinnerung bewahren, als ein Beispiel hochherziger Gesinnung und edler Thatkraft, das nur zu gleicher Aufopferung und Hingebung ermuthigen soll." — Diese Adresse wurde von den Vertretern der hiesigen Gemeinde, den H. H. M. L. Biedermann, I. L. Hofmann Edlen von Hofmannsthal, Joseph Wertheimer, Bernhard Wertheimer, Leopold Edlen von Wertheimstein unterzeichnet und in einem kostbaren, goldenen, mit Edelsteinen besetzten Etui dem Hrn. Crömieux bei dem glänzenden Diner überreicht, welches ihm von der hiesigen Gemeinde gegeben wurde. Preß bürg am 1. Dezember. (Privatmitth.) Am 24. v. M. hat eine Deputation der hiesigen Jsraelitengemeinde Hrn. Cremieur in Wien aufgewartet, und ihm im Namen der hiesigen israelitischen Einwohner folgende Dankadresse überreicht: „Wiewohl .uns zu unserem größten Leidwesen nicht das hohe Glück zu Theil wird, Sie in unserer Mitte zu begrüßen, und Ihnen unsere unbegrenzte Hochachtung und Verehrung auf eine so eklatante Weise auszudrücken, als wir es wollten, und wünschten; so können wir dennoch nicht umhin, Ihren Aufenthalt in unserer Nähe zu benützen, um Ihnen in schwachen Worten das Opfer unseres tiefgefühlten, aufrichtigsten Dankes darzubringen. Wir und mit uns alle ungarischen Israeliten fühlen uns dringender, denn unsere

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.