Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1840)
- Date
- 1840-12-19
- Page
- Seite 732 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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752 krankheit und andern Uebeln. In einer Synagoge waren ungefähr 150 Knaben beisammen. Aus ein Zeichen traten 20 aus der Menge, setzten sich auf abgenutzte, schmutzige Strohmatten oder auf das Waste», und übersetzten Alle zu gleicher Zeit die Bibel in's Arabische — aber in welches Arabische! — Man lehrte diese Kinder besser übersetzen, und versprach ihnen Bänke, worauf sie sich setzen konnten. — Hr. Crömieux trug Sorge, sie unverzüglich von Kopf bis Fuß kleiden zu lassen. Es wurde ein Comitö aus 12 israelitischen Einwohnern der Stadt gebildet, um mit den Unterstützungen, die aus dem Occivent kommen werden, für die Ausgaben der neuen Schulen zu sorgen. Hr. Crvmieur hat sich verpflichtet, jährlich 6000 Frcs. zu verschaffen. Die Knaben werden Hebräisch, Arabisch, Französisch, Italienisch, Rechnen und etwas Geographie lernen, die Mädchen: Hebräisch, Arabisch, Italienisch und Französisch; diese beiden letztem Sprachen aber nur beiläufig. Die Hauptbeschäftigung für sie wird in weiblichen Arbeiten bestehen. — Die meisten Krankheiten dieser Kinder entliehen aus Mangel an Pflege. Man hat nun dafür gesorgt, daß es ihnen in Zukunft hieran nicht fehle und die Kranken die nöthige ärztliche Sorgfalt erhalten. Clot-Be>) hat sich aus eignem Antriebe, mit der ih»n gewöhnlichen Hingebung dieses Liebeswerk auferlegt. Er wird unentgeldlich Arzt der Schulen bleiben. — Im Hofe einer jeden Schule wird für Brunnen gesorgt werden, wo sich die Kinder täglich mehrmals waschen, und ein großes Wasserbecken errichtet, wo sie sich dreimal wöchentlich baden. Das Etablissement wird sie zweimal iin Jahre mit neuen Kleidern versehen. Die Kinder werden auch in der Schule zu Mittag essen, aber sich dazu nicht, wie es im ganzen Oriente der Brauch ist, ihrer Finger, sondern nach europäischer Weise der Gabel bedienen. Das Lokal der Schulen ist schön, gut gewählt und eine sehr gesunde Lage. Alle Geinächer sind luftig und geräumig. Mehrere ausgezeichnete Männer aus Frankreich, welche Cairo bewohnen, haben versprochen, für das Etablissement Sorge zu tragen. Wir nennen besonders die Herren Linant, Lambert, Dozol, Mengin und Geoffroy, den Kanzler des Consulats. Um diesen Schulen bei der jüdischen Bevölkerung Eingang zu verschaffen, ließ Hr. Cremieur die armen Familien in die Synagoge bescheiden. Hier machte er sie auf den Nutzen eines guten Unterrichts aufmerksam, sagte ihnen, dieser werde vom Gesetze geboten, und die Juden im Abendlande verdankten einer besseren Erziehung die bürgerlichen Rechte, welche sie in den gebildetsten Landen Europa's genießen. Diese Worte wurden von Hr. Munk, einem trefflichen Gelehrten israelitischen Glaubens, sogleich in's Arabische und Hebräische übersetzt und mit dem lebhaftesten Danke ausgenommen. Der Oberrabbine und Hr. Add», ein angesehner Mann aus Cairo, unterstützten den Hrn. Cremieur mit vieler Wärme. Zugleich wurde eine Schulordnung in arabischer und französischer Sprache entworfen, welche durch die Einsicht, die Geduld und die edle Wärme des Hrn. Munk, im Einverständnisse mit den neuen Lehrern, schnell zu Stande kam." — Großbritannien. London, 25. Nov. Nach offiziellen Angaben belief sich die Bevölkerung Großbritanniens am 1. Jan. 1839 bereits auf 27,267,844 Einwohner. Die Zahl der Juden ist in Großbritannien nie genau ermittelt worden; nach den in einem Jahre geschloffenen jüdischen Ehen aber, deren Zahl sich auf 160 beläuft, läßt sich schließen, daß sie 20,000 beträgt. Deutschland. Frankfurt am Main, 30. Nov. Heute ist der Pariser Advokat Cremieur auf seiner Rückreise nach Paris in unserer Stadt angelangt. Die hiesige israelitische Geineinde hat, um ihm ihre Anerkennung für seine im Interesse ihrer verfolgten Glaubensgenossen in Damaskus geleisteten mühevollen Dienste zu bethätigen, beschlossen, eine Dankadresse an ihn zu richten, und ihm einen höchst werthvollen Ehrenpokal überreichen zu lassen. Altona im November. (Privatmitth.) Zu einer Uebersicht und Geschichte der jüdischen Gemeinden müssen, wie es in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" längst geschehen ist, einzelne Beiträge und Materialien geliefert werden, aus denen mit der Zeit erst ein Ganzes gebildet »verden kann. Zu diesen Materialien gehören sicherlich die Zustände der Synagoge und der Schule als die ersten Momente, als diejenigen, durch welche die jüdischen