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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-12-12 · Heft 50 (12.12.1840) · p. Seite 726

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 50 (12.12.1840)
Date
1840-12-12
Page
Seite 726 (sequence 14)
Language
German
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726 ten, kam ein Priester mit dem Kreuze daher gegangen, und unglücklicherweise sielen einige Sandkörner auf den Priester, und beschmutzten dessen Gewänder. Die nachfolgenden Christen sielen über die erschrockenen Kinder her und mißhandelten einige. Die Eltern kamen auf das Geschrei herbei, und befreieten sie aus den Händen der Grausamen. Die Sache wäre hiermit abgethan gewesen. Allein der Priester nicht zufrieden, eilte in dem beschmutzten Chorrock auf den altstadter Ring, schrie mit lauter Stimme „Entweihung! Berrath, und Mord!" die anderen liefen in die Gassen, verkündeten die Frevelthat der Juden mit mannichfaltigen Zusätzen, und ehe eine Stunde verging, hatte sich eine unzählbare Menschenmenge um den Priester zusammengerottet. Sie waren alle mit Hacken, Hauen, Schaufeln und noch andern Mordwerkzeugen bewaffnet, und alles schrie einstimmig: „Schlagt sie todt die verfluchten Juden." Nicht nur der Pöbel, sondern auch vornehme Bürger hatten sich angeseblossen, ja sogar Frauen sollen dabei gewesen sein. Gegen Abend, wo die Männer alle in den Schulen waren, stürmte diese wilde Rotte in die Gassen der Juden, warfen sich in die Häuser, und erschlugen alles was darinnen lebte. Greise und Säuglinge, Weiber, Kinder, alles ward ohne Schonung niedergemacht. Auf den Gassen und in den Häusern floß das Blut in Strömen, man hörte nichts als Mordgeschrei und Röcheln der Sterbenden. Die Männer wollten aus den Schulen eilen, um die Ihrigen zu retten, allein sie fanden die Thüren von wüthendem Pöbel besetzt, und eilten nach fruchtloser Gegenwehr zur heiligen Stätte zurück, um da ihr Leben auszuhauchen; denn es dauerte nicht lange, stürzte der ergrimmte Haufe auch in die heilige Wohnung, und würgten solange darin, bis Niemand am Leben war. Der hochgelehrte, fromme Rabbi Abigdor Kro hat dieses Blutbad in einem Gebete am Jom-Kipur zu Abend, rührend geschildert. .snp •YHyaN» „nxbrin nrz" nwbv A n s z u g e. Bi lder ans dem Orient. (Schluß.) 2. Jüdische Frauen im Orient. Von Miß Pardon. (The New-York ]YTirror.) Nie habe ich, wahrend meines Aufenthaltes im Orient, ein reicheres und (den Kopfputz ausgenommen) eleganteres Kostüm gesehen, als das der jüdischen Frauenzimmer. Es war wie eine Scene aus „Tausend und Eine Nacht/" was wir sahen, und ich war einige Augenblicke ganz in Erstaunen versunken. Die Herrin des Hauses stand unmittelbar dem Divan, auf welchem wir saßen, gegenüber, sie war eine große, stattliche Frau, die nicht das Aussehen hatte, als gehöre sie einem unterdrückten und verachteten Volke an; sie hatte das Adlerauge, die vorspringende Nase und die hohe, weiße Stirne ihrer Nation und einen stolzen, feurigen Blick. So wie ich sie geschildert habe, war sie in einem vollständigen Anzuge von weißer Seide, der etwas unterhalb der Taille von einem breiten Gürtel, aus getriebenem Golde mit Juwelenschloß, zusammengehalten wurde; Gürtel und Schloß waren fünf bis sechs Zoll breit. Ueber diesem Kleide trug sie einen Pelz von taubenfarbigem Kaschmir, der mit den köstlichsten, einige hundert Pfund werthen Zobeln besetzt und vorgestoßen war; die Aermel waren lang und weit und sielen zurück, so daß die prächtigen Armbänder und die Juwelenringe, die auf ihren Fingern blitzten, sich sehen ließen. Ihr Tulberrd*), von der, bei allen jüdischen Frauen an der Mode seienden, ungeheuren Größe, war von dem bunten Muslin des Landes geformt, aber so mit Edelsteinen überdeckt, daß man das Muster gar nicht erkennen konnte, während unter demselben heraus eine große, mit enormen und werthvollen Smaragden untermischte Perlenschnur, über die Stirne zu beiden Seiten des Gesichts auf die Schultern herniederhing. Hinter ihr standen ihre drei Schwiegertöchter in ähnlichem Kostüme, nur daß sie, weil sie keine Wittwen waren, nicht den schweren Pelz .trugen, und daß die *) Turban.

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