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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-12-12 · Heft 50 (12.12.1840) · p. Seite 727

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 50 (12.12.1840)
Date
1840-12-12
Page
Seite 727 (sequence 15)
Language
German
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727 mit Gold und Perlen gestickten Aermel und Brusttheile ihrer seidenen Gewänder sichtbar waren. Die Schönste unter Allen war ihr eigene, einzige Tochter, die Tags vorher aus dem Hause ihres Mannes geholt war, um den jüngern Bruder bei seiner Rückkehr aus Europa, wo er sich fünf Jahre lang aufgehalten hatte, zu begrüßen. Sie war vierzehn Jahre alt, der Ausdruck ihres Gesichts war halb nachdenkend, halb kindlich, es lag ein Etwas darin, welches zeigte, daß ihr Charakter für Lachen zu trübe und doch für Thranen zu heiter sei, als ob die junge, glänzende Seele erstarrt und verwelkt wäre, ehe sie ihre ganze Frische gefühlt hatte, und als ob sie noch ringe, sich von den Fesseln los zu winden. Ihre Kleidung war prächtig; die köstliche Garnitur von Gold und Edelsteinen, von denen ihr ganzes Mieder wie eine Lichtmasse strahlte, ging an ihrer Tunika bis zum Knie, von wo ab es einen breiten Besatz, der den ganzen Saum des Kleides einnahm, bildete. Die mit Juwelen besetzte Tresse ihres Turbans ward an beiden Schläfen von einer großen Brillantenagraffe gehalten, und. siel auf einen Saum von schwarzer .Flockseide, die auf ihrer jugendlichen Stirn ruhte. Ihre Arme waren weiß wie Schnee, und schimmerten beinahe eben so hell, als die Edelsteine, welche sie umgaben, während ihre schmale Taille von einem, in der Fa^on ähnlichen, aber reicheren Gürtel, als der ihrer Mutter war, umspannt wurde. Die jüdischen Mädchen sind sehr eitel bei dem Schmükken ihres Haars; aber vom Augenblicke der Verheiratung ab wird es sorgfältig versteckt, und zwar so sorgfältig, daß sie ein zweites Tuch hinten am Turban tragen, welches bis zur Erde geht, um die Haarwurzeln, welche jenes vielleicht nicht bedeckt, zu verbergen. Ein allerliebstes kleines Mädchen von ungefähr neun Jahren, die Verlobte eines der Brüder, ward uns vorgestellt, um den Unterschied zwischen dem Kopfputz zu zeigen. Und wirklich war ihre Coiffure eine der künstlichsten. Sie muß wenigstens aus fünfzig Flechten, jede an der Spitze mit Perlen und Band geziert, bestanden haben, während ihre kleinen fleischigen Hände im eigentlichen Sinne des Worts mit Ringen bedeckt und ihre Füße, wie die der alteren Frauenzimmer, nur in reichgestickte Pantoffeln gesteckt waren. Die Höflichkeit und Gastfreundlichkeit der ganzen Familie war außerordentlich' groß; sie schienen über das Ungewöhnliche: Besuche von Christen, die ihre guten Absichten zu würdigen verstanden, zu empfangen, entzückt, und als ich, auf ihre dringenden Bitten, versprach, meinen Besuch zu wiederholen, hatte ich die Absicht, auch mein Versprechen zu halten. — Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum Die Verlagshandlung. Einladung }üv Äul'scription. Mit Neujahr 1841 beginnt Dev Orient Berichte Studien und K r i t i k e n für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Fürst. seinen zweiten Jahrgang. Diese Zeitschrift erscheint in wöchentlichen Lieferungen ä 2 Bogen, deren einer historischen, der andere literarischen Nachrichten gewidmet ist. Ueber den Gehalt und die Gediegenheit derselben, haben sich bereits mehrfach die günstigsten Stimmen vernehmen lassen. An äußerer Eleganz übertrifft sie alle übrigen Journale ähnlicher Tendenz. Unterzeichneter richtet daher an ein geehrtes Publikum die ergebenste Bitte, sich recht zeitig auf diese Zeitschrift abboniren zu wollen, da nach dem Verhattniß der Abbonentenzahl die ganze Auflage bestimmt werden wird. Außer allen Buchhandlungen Deutschlands, nehmen auch alle Postämter und Zeitungsexpeditionen Bestellungen an, da die Königl. sachs. wohll. Zeitungsexpedition, den Debit übernommen hat. Der Preis für den ganzen Jahrgang ist 5 Thlr. Vierteljährlich 1 Thlr 6 Gr. Da von Seiten der Redaktion weder Mühe noch Kosten gespart wurden, um das Beste und Gediegenste recht schnell herbeizubringen, so vertraut sie den Förderern und Freunden des Guten, daß sie für Verbreitung dieses Blattes in ihren Kreisen, namentlich bei Gemeinde- Vorständen und angesehenen Gemeindegliedern, recht thatig sein werden. Lripzig, den 28. November 1840. C, L. Fritxsche.

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