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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-12-12 · Heft 50 (12.12.1840) · p. Seite 725

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 50 (12.12.1840)
Date
1840-12-12
Page
Seite 725 (sequence 13)
Language
German
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725 psingen ihn auch die Zünfte mit ihren alten zerrissenen Fahnen, worauf der Kaiser ihnen den Auftrag gab, neue Fahnen anzuschaffen und jeder die Form sammt Devise dazu selbst vorschrieb, zuletzt kommen auch die Juden zum Vorschein: „Die Juden sollen eine rothe Fahne mit Davids Schilde und Salomonis Sigill führen darunter sie allein gehören." Es ist um diese Auszeichnung schon oft Streit entstanden. Wir beschließen diese Skizzen mit einer sehr blutigen Metzelei, über die wir die verschiedenen Berichte Herstellen wollen. Anno 1390 unter Wenzel IV. „Es wohnete ein Bürger zu Prag in der alten > Stadt nicht fern vom Kloster zum heiligen Geiste der siel am stillen Freitage in große Krankheit; als er aber je länger je schwächer wurde begehrte er am Ostertage frühe eines Beichtvaters welchen man ihm von 8t. Nicoloo bringen sollte, derselb kam und hörte ihn Beicht und vermeldete er könnte mit dem hochwürdigen 8»cram6nte von wegen der Kirch - cermonien nicht eher bei ihm seyn, dann bis nach dem Mittagmahl als dann er es ihm gern reichen wollte. Also nahm er die Hostium und ging mit den Ministranten welcher ihm Kerzen und Glocklein vortrug deme denn ettliche Mann und Weiber, wie bräuchlichen nachfolgten. Als er nun vor der Judengasse gehen müssen, erhörten sie den Schall der Glöcklein, und wurden gewahr was der Priester trüge und singen an alsbald ihn mit Steine zu werfen, zu denen sprach er: Ich rathe euch gutes hört auf. Darauf antworteten: Nein wir wollen nicht aufhören, hast du doch deinen Herrn Gott bei dir laß dich schützen und warfen so lange auf ihn bis sie ihm das 8acrament, oder Hostien aus den Händen auf die Erde fälleten, als es diejenigen, so dem Priester nachsolgten gewahr wurden was allda geschah überfielen sie die Juden dieselben hielten ein wenig Part und gaben endlich die Flucht und nahmen ihre Gassen ein. Die Christen folgten ihnen mit den Kopfstößen nach; mittlerweile kamen andere Juden mit gewährter Hand und wollten die Ihrigen beschützen. Die Christen aber stärkten sich je länger je mehr und als es um die Vesperzeit war machten sie sich in ihre Häuser schlugen ihrer eine große Anzahl tod und verschoneten weder alt noch jung und nahmen alle ihre Güter. Als die Dinge vor dem König Wenzel kamen sprach er: Die Juden hätten an diesem Tage wir vor Alters gebräuchlich gewesen in ihre Hauser sitzen, und die Christen keine Ursache geben besonders aber dem Priester in dem göttlichen Werke keine Verhindernüs thun sollen. Derowegen was sie überkommen dasselbe laßt sie behalten." Ganz anders berichtet Pelzel in seiner Geschichte Böhmens: „Die Böhmen, durch diese Schärfe geschreckt"), betrugen sich einige Jahre wiederum ruhig, bis ihnen die in Prag wohnenden Juden Gelegenheit gaben, in eine Aufwallung zu gerathen. Ein Priester trug das heil. Abendmahl zum Kranken, ein Jude warf, vielleicht von ungefähr, einen Stein auf denselben, dies brachte die prager Bürgerschaft in eine Wuth. Man übersiel die Juden und ermordete derselben einige Tausend in der ersten Hitze. Einige wurden ins Feuer geworfen, und verbrannt. Man findet nirgends, daß der König diese unmenschliche Handlung der Bürgerschaft geahndet hätte, vielleicht glaubte er, daß es die Juden verdient haben. Man schloß aber daraus, Wenzel hatte entweder aus Nachlässigkeit oder Furcht dies Blutbad ungestraft gelassen." In dem Munde der Prager Juden lautet die Erzählung: Im Jahre 5149 am 7. Tage des Pasah tummelten sich einige Knaben aus der Straße in den ersten Frühlings-Sonnenstrahlen, und warfen scherzend, Sand uud kleine Steinchen einander zu, wie es die frohe Jugend zu thun pflegt, wenn sie nach beendigtem Winter einmal wieder ins Freie kommt. Indessen die Knaben fröhlichen Muthes umherhüpf- *) Der König Wenzel ließ einige Priester, die Beischläferinnen hielten, öffentlich an den Pranger stellen, und mit Ruthenstreichm züchtigen, so wie auch einge vom Adel wegen Aufwieglung ins Gesangniß werfen, und hart bestrafen. Corresp.

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