Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1840)
- Date
- 1840-12-12
- Page
- Seite 714 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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714 von Seiten der kirchlichen Partei — also ganz im Gegensätze zu dem clerge rallie in Frankreich — und ich kann aus guter Quelle versichern, daß viele, wenn nicht die meisten Episkopalen den Gedanken nähren; aus welcher Absicht, läßt sich leicht errathen und verräth sich in mannichsachen Schriften, wo von einer größer» Gemeinschaft der Juden gesprochen wird, um Bekehrungsversuche en gros anzustellen, die en d’etaii zum Theil fehlgeschlagen sind. Daher das Circular eines clergyniaii, welches vergangene Woche hier die Runde machte, aber spurlos vorüberging. Darum wurde der „reverenä" Nr. Grimshaw zu Bedford von der Bibelgesellschaft nach Pesth gesendet, um den Boden für einen neuen Missionsverein auch unter den Neuemancipirten urbar zu machen. Auch diesen legte Herr Grimshaw Fragen vor in Bezug auf das Anerbieten Mohammed-Ali's, den Israeliten Grundbesitz zu verleihen. Aus keinem andern Grund endlich mußte Raphall jene Schrift für den toryistischen Onkel des Lords Melbourne, Lord Ashley, fertigen. Die Aufgabe dazu erhielt der Erstere von dem Sekretär der Admiralität, Ines, derselbe, welcher die sonderbare Auffoderung zur reslvriitiuo of Üie jews an den verstorbenen König von Preußen, die Königin Victoria und mehre andere protestantische Fürsten richtete. Abgesondert hiervon zeigt sich das Benehmen der Regierung in jener Angelegenheit; ich sage abgesondert, weil ich ihr bei Begünstigung derselben mehr politische, und zwar nur zeitweilige, als kirchliche Absichten unterlege. Sie wissen, daß der ministerielle Globe sich bereits mehre Male dafür aussprach und daß das Morning Chronicle schon Andeutungen enthielt. Die dritte S>ite dieses Projekts bildet die gesundere Ansicht einiger reichen Juden, welche blos von einer Colonisation Syriens sprechen, für welche aber erst der Friede in jenen Gegenden zurückgekehrt sein müßte. An der Spitze derselben steht Sir Moses Montesiore, der bei seiner Stellung, bei seiner Bekanntschaft mit den orientalischen Herrschern und insbesondere bei seinem großen Reichthume der Idee einen Stützpunkt zu verleihen sich berufen glaubt. Es geschehe dies, dergleichen Aeußerungen vernahm ich hier, um der Wiederkehr von ähnlichen Gräueln wie denen der letzten Scenen im Oriente vorzubeugen, was durch die Verbindung mit Europa möglich gemacht werde, theils auch um den gedrückten Glaubensbrüdern aus andern Gegenden dort ein Asyl zu bereiten, wo Klugheit und baare Hülfsmittel leicht ein Ansehen gewähren. Sir Moses führt bekanntlich schon in seinem Wappen eine Fahne Jerusalems; „etwas frühzeitig!" werden Sie sagen; aber die Embleme schaden hier nicht viel, und die Liebhaberei ermuntert dennoch oft zur That. Unterdessen sind L. und I. Goldsmith bemüht, einen Emancipationsverein aus tüchtigen und gelehrten Juden Europas zu bilden, für welchen im Auslande schon mehre Mitglieder gewonnen sind. Sein Zweck ist, den Segen der Emancipation denjenigen Israeliten, die seiner nicht theilhaftig sind, durch vereinte Kraft in besonnener Schrift und Rede zu verschaffen. Schöne Entwürfe, für deren theilweises Gelingen die praktische Seite des Engländers gute Hoffnung gibt." Fassen wir zusammen, was aus diesem Artikel hervorgeht, so ist dies: daß die englischen Juden vielfach zur Reform der Synagoge geneigt sind, und Schritte darin zu thun beabsichtigen, ferner daß sie für die Emancipation nicht mehr gleichgültige Zuschauer bleiben wollen. Wir wünschen ihnen Glück dazu, und mögen alle ihre Bestrebungen mit gutem und oleibendem Erfolge gekrönt werden, vor Allem aber ihr neu erwachter Eifer nicht zu schnell wieder erkalten. Was die Idee von einem jüdischen Staate in Syrien betrifft, so verweisen wir auf unfern Artikel in No. 38. „Tages-Controle." Uns Deutschen liegt einmal der Orient zu ferne, vielleicht sind unsre englischen Glaubensgenossen klüger als wir. Schweden und Norwegen. Stockholm, 13. Nov. Die Statstidning theilt Folgendes aus einer Depesche der K. Gesandtschaft in Konstantinopel vom 6. Oktober mit: „Das „Journal des Debats" gab am 27. August einen Artikel von hier, worin dem Schwedischen und Norwegischen Konsul in Nhodus Antheil an den Unruhen, welche in Folge der Verfolgung der Juden auf dieser Insel stattgehabt, zugeschrieben wurde. Ich habe hierüber Auskunft einzuziehen gesucht, und folgende Antwort auf meine Anfrage erhalten. „„Die Angabe beruhe auf einem völligen Jrrthum; es sei nicht die Rede von der Insel Rhodus, sondern von Scalanuova gewesen, und nicht der Schwedische und