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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-12-05 · Heft 49 (5.12.1840) · p. Seite 708

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 49 (5.12.1840)
Date
1840-12-05
Page
Seite 708 (sequence 16)
Language
German
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708 Ueberall stößt man auf dich, weil du ehedem Blößen gegeben. Und wir? Wir wollen sie zurückweisen, und davon gehen — aber, um Gottes willen! ja immer Besseres und Tüchtigeres leisten. Theologie. Die A n s i ch t d e s B i b e l w c r k c s über b e n mosaischen Kultus. Es ist bekannt, daß in der aeltern Zeit, sowohl bei Philo, Josephus und den christlichen Kirchenvätern, als auch in der Tradition dem Kultus, insondcrs der Stift-Ahütte, wie sie vom 2Lsten Kap. des 2ten B. Mosis ab beschrieben werden, eine symbolische Bedeutung uutergelegt wurde. Wenn auf jener Leite eine Vergleichung mit der realen Welt, mit Himmel und Erde, Elementen und Planeten ff. versucht wurde — was die heil. Schrift, die mit der realen Natur bei der Schöpfungsgeschichte fertig ward, gänzlich zurückweist, da sie insonderö der heidnischen Naturvergoltcrung stritte entgegenlritt (vgl. das zweite Gebot,) — so erklärt die Trad. die Aussprache des h. Wortes, daß M. das Heiligthum nach dem Vorbilde, das ihm auf dem Berge gezeigt worden, verfertigen solle (2'i, 9. und öfter,) bald, daß im Himmel ein gleiches Heiligthum besiehe, dem das irdische streng nachgebildet, bald daß das Ideale, das im Himmel, zu einem Realen auf der Erde wurde. Man versuchte nun sehr häufig auch nur allegorische Deutungen, was Alles hier speciell auszuführen, nicht der Ort ist. Diesen gegenüber trat die s. g. kritische Schule der neuern Zeit. Diese, überall nur die oberflächlichste Deutung zulassend, und nirgends einen liefern Sinn finden wollend, ja selbst die ganze Existenz des Heiligthums, trotz dem historischen Nachweis bis in's Salomonische Zeitalter (2. Sam. 7, 6.), in Frage stellend, suchte dem ganzen Bau nur die Idee eines arabischen Königszeltes abzugewinnen, dessen Pracht dem rohen Volke imponiren sollte, eine Idee, die dem in diesem Gegenstände sehr kurzsichtigen Rambam (Mw. Neb. 1U, 4L. ff.) schon vorgefchwebt hatte. Allein jede, auch nur etwas vorurtheilslose Beschauung wird diese Ansicht zurückwcisen. Denn, abgesehen, daß dann die skrupulöse Beschreibung aller Maße, Stoffe, Farben, bis auf die Zeltpflöcke und Tragstangen herab sehr nüchtern und pedantisch wäre, was ist das für eine KünigSpracht, die sich auf 48 Bretter, 4 Decken, einen Leuchter und Tisch reducirt, wenn man sich die Riesenwerke Indiens und Perscpolis' zurückruft? wie konnte ein 10 Ellen hohes Zelt dem Volke imi poniren, das so eben die Prachtgebäude und Pyra- , miden Aegypten'S verlassen hatte? Und dann, warl um war das, was prächtig war, in das unnahj bare, dunkle Innere gedrängt, und von außen, wo das Volk hinkam, war nur ein kupferner Altar und > eine Lederdecke sichtbar? Wer, hiervon überführt,! weiter geht, wird eine strenge Konsequenz erkennen,! die ihm eine bestimmte Absicht völlig verräth. Warum stehen am Eingang in's Allerheiligste vier Säu- ■ len, am Eingänge in's Heilige fünf Säulen? : warum ist an der „Wohnung" Alles golden, nur die Füße silbern, am „Hose" die Kapitäler silbern,; alles Andere kupfern? u. f f. In allen diesen Bestimmungen muß eine Absicht, ein innerer Sinn ob- | walten, dem das Aeußere untergeordnet blieb — oder eS bleibt nur Thorheit und unnütze Kleinlichkeit über. : Von diesen Ansichten erfüllt, trat der vr. tlieol. Bachr zu Karlsruhe in seinem trefflichen Werke ' „Symbolik des mosaischen Kultus" gegenüber, und führt mit Meisterhand den ganzen Kultus der h. Schrift wieder auf eine Fülle innerer Ideen zurück. Hier weicht alles Kirchliche zurück, und das Judenthum ist diesem Forscher um so mehr verpflichtet, j da die neueren Schriftsteller auch aus dem Schooße des Judenthums jener kritischen Schule so gern nachgingen, und darin d n Triumph ihrer Freisinnigkeit und Vorurtheilslosigkeit suchten. Aber es ist nicht zu leugnen, daß Baehr in! das entgegengesetzte Extrem verfiel, und theils aus der Fülle seiner Forschungen heraus, sich mehrfach von heidnischen und später-jüdischen Ansichten nicht frei hielt, theils durch Mißgriffe in der Etymologie, und durch das Mode gewordene Hineinpfropfen moderner Ideen in die Wortwurzeln, theils endlich durch überreiche Sophistik verführt, der Gesammtheit und den Spezialitäten des mos. Kultus viele, ihm

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