Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1840)
- Date
- 1840-12-05
- Page
- Seite 705 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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705 schulen emzuschranken, bis sie sich endlich gegenwärtig ganz aufgelöst haben. Um jedoch den Uurerricht im Hebräischen, zu welchem in den zu sehr beschränkten Schulstunden keine Zeit gewonnen werden kann, durch das Aufheben der Winkelschulen! nicht sinken zu lassen, sahen wir uns veranlaßt, die! Einrichtung zu treffen, daß der Unterricht im He-! braischen täglich drei Stunden — außer den Schulstunden — von den an unserer Schule wirkenden Lehrern für eine kleine Gratifikation ertheilt wird. Es ist löblich zu erwähnen, daß die Knaben in den > drei Stunden, sowohl in der Grammatik als auch im Pentateuch mit -cn Kommentar, in den Psalmen, sogar im "p*# ■jnbo, die Mädchen im jüdischen-deutschlesen und Gebeteübersetzen unterrichtet werden. Odschon diese letztgerroffene Einrichtung nur unter Mühseligkeiten zu Stande kam, so wird sie dennoch von den Vorkämpfern der Orthodoxie bekämpft, und droht schon bei ihrem Entstehen in ihr früheres Chaos zusammenzusinken. Lassen Sie mich das Nähere hiervon jetzt noch verschweigen, denn man kann ja nur Einsicht verlangen von denen, die Einsicht haben, wenn man nur bei den Letzteren auch stets kräftige Unterstützung fände. B... du Tages-Controle. Börne's Austritt aus dem Zudeuthum. Viele stehen draußen an der Pforte des alten! Iudenthums, werfen neugierige Blicke in das In-! nere, und rasseln an der Gitterpforte. Sie schauen wohl, was auf der Flur des alterthümlichen Gebäui des vorgeht, aber in die innersten Räume, wo die Vater sitzen mit den Flammenblicken und den schö-! nen Silberbarren, dringt ihr Auge nicht. Da gehen j sie denn entweder fluchend und geifernd, oder achsel- Luckend und unbefriedigt von dannen. Die neueren Juden haben es den psychologischen Raritätensammlern leichter gemacht, sie haben, was so den scharfen Sonnenstich und den rauhen Herbstwind vertragen könnte, auf die allgemeine Straße getragen, und bietet-eö dem Beschauer freiwillig dar, drangen es ihm gar öfter aus. Es ist freilich nebst manchem Unrath auch das Meiste und Zartere, Tiefsinnige und Gemüthliche im Hause geblieben. Gutzkow hat sich in der jüngsten Zeit als solchen gezeigt, der gern dem alten Judenrhume seine historische Geltung, seinen subjektiven Werth vindiciren möchte, aber er kann es ihm noch nicht abgewinnen. Er sieht draußen an der Ginerpforte. Die persönliche Bekanntschaft mit Steinheim, Wihl u. dgl. hat ihm die Ucberzeuguug aufgedrängt, daß das Judenthum auch ein Bodc-n wäre, auf welchem Geister freier Gesinnung und echter Strebsamkeit erwachsen können, ohne daß sie mit einem Teil-Stoße das Schifflein in die Brandung zurückstoßen. Aber das Wiek ist ihm noch nicht begreiflich. Daß er cs aber anerkennt, und deshalb mit einer gewisien Courtoisie, wie gegen eine alte Jungfrau, die viel Leiden gehabt, verfährt, wo er ihr begegnet — nun, cS ist bei manchen Antecedentien auch gut und Etwas. Dies eben Gesagte zeigt sich besonders in jeder Beziehung in seinem „Leben Börne's." Er schildert uns hier das väterliche Haus Börne's, als ein solches, wo ein Vater mit dem „Schein der Strenge" regiert, wo ein Weltmann, „um Vorsteher der Ge- > meinde zu werden," „den Schein der strengsten j Anhänglichkeit an das jüdische Gesetz" walten laßt, j und was so Wirkung eines flachen, abstoßenden,; formellen Familienlebens und der abstoßenden Ge- > mütysart des Knaben Börne, die er uns ebenfalls j getreu zeichnet, war — schreibt er dennoch der jüdischen Erziehung, dem Wesen des Iudenthums zu, und urtheiit also darüber ab. Unfern Lesern, und für die schreiben wir nur, brauchen wir es wol meist nicht zum Bewußtsein zu bringen, wie gerade das häusliche Leben der Juden, verbunden mit einem für heilig und göttlich erachteten Ccremoniell, tief auf die kindliche Gemüthswelt wirkte, und diese zu frühzeitiger Reife weckte. Die Feier des Sabbat, die hohen Feste, der Segen der Eltern, und so viele andere Momente machten das KindeSalter zu einem kleinen Andachtshause für sich, der allmählige aktive Eintritt in die Eeremoniccn gab eine immer wiederholte Weihe, und das Kind