Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1840)
- Date
- 1840-12-05
- Page
- Seite 700 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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700 Wien, 7. November. (Privatmitth.) Die k.k. vereinigte Hofkanzlei hat dem Med. Dr. Jsaac Jeitelles zu Prag, (Sohn des verstorbenen berühmten vr. Rabbi Jonas Jeitelles), die Annahme des von der gelehrten medizinischen Gesellschaft zu Leipzig erhaltenen Diploms eines Vercinsmitgliedes bewilligt. — ß. Aus Ungarn. Mitte November. (Privatmitth.) Der sechste Theil des Intervalls zwischen dem vergangenen und dem kommenden Reichstage ist bereits verstrichen, ohne daß der Fortschritt in unseren inneren, gottesdienstlichen, pädagogischen und erwerblichen Angelegenheiten den hohen Erwartungen entspräche, welche man während der Landtagsverhandlungen zu hegen berechtigt war. Hier und dort geschieht wol Einzelnes, — in Preßburg hat sich die Mädchenschule durch Vereinigung zweier, bisher getrennter, Anstalten bedeutend gehoben, in Groß-Dabas (Pesther Gespannschaft) hat die Knabenschule die Aufmerksamkeit der Behörde auf sich gezogen, in Körmend wird an einer Verbesserung der Talmud- Tora-Schule gearbeitet, — aber die Vereine für Veredlung des Gottesdienstes, für Verbesserung des Schulwesens und Verbreitung nützlicher Gewerbe sind noch immer nicht ins Leben getreten, wiewol dieselben öfters, und von verschiedenen Seiten her angeregt, und zur Sprache gebracht werden. Man kann sich's nicht verhehlen, daß es an Großmuth fehlt, ansehnliche Geldopfer zu bringen, daher denn Alles und Jedes aus Mangel an Mitteln unterbleiben muß. Bei all dem ist man der Wahrheit schuldig, zu bekennen, daß die Apathie im Schwinden, und ein lebhafteres Interesse für Synagoge und Schule im Werden ist. In den Landgemeinden hat in letzterer Beziehung die allgem. Zeit, des Judenthums viel Ersprießliches geleistet. Sehr erfreulich ist es, daß im Laufe des vergangenen Synagogenjahres mehre neue Gotteshäuser vollendet und eingeweiht wurden; ein Beweis, daß sich die Gemeinden immer mehr consolidiren. Mehre dieser Einweihungen geschahen mit deutschen Vorträgen , und drei dieser Vorträge liegen gedruckt vor mir. Homiletischen Werth hat unter diesen nur Schwab's Rede, mit welcher er die Synagoge zu Palota eingeweiht, und die zum Vortheile der dortigen Talmud-Tora-Schule im Drucke erschienen ist. Eine gewisse Gefühlssrische und viel guten Willen zeigt Königsberger's Einweihungsrede zu Güssing, (Eisenburger Gespannschaft), sehr flach und saftlos ist ,,die Erbauungsrede" Goltmann's, mit welcher die neue Synagoge zu Agram eingeweiht wurde. Prag, 14. November. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen vor Rapaport's Herkunft Manches über Rapaport und seine hiesige Stellung und Wirksamkeit geschrieben. Seit seiner Herkunft schwieg ich, um mich zuerst von der Richtigkeit oder Falschheit meiner Vorherverkündigungen zu überzeugen, und das Eine oder das Andere öffentlich zu bekennen. Jetzt bin ich im Stande, Ihnen zu sagen, daß ich mich in Rapaport's Befähigung keineswegs getäuscht habe; denn nunmehr ist es das Urtheil aller Sachkenner, daß er weder als Talmudist — Charis und Boki, — noch als Darschan excellire; aber ich hatte in meinen früheren Urtheilen nur R.'s literärische Leistungen vor Augen, und konnte mithin aus seine liebenswürdige, einnehmende Persönlichkeit, auf seine Herzensgüte, mit welcher er alle Herzen einnimmt, keine Rücksicht nehmen. Merkwürdigerweise hat der freisinnige Gelehrte unfern neuen Tempel noch nicht besucht. Von seinen talmudischen Vorlesungen, die er so eben beginnt verspricht man sich viel Gutes. M-s. Brünn, 16. November. (Privatmitth.) In unserer Provinz, die ich vor Kurzem zu bereisen Gelegenheit hatte, ist verhältnißmäßig weniger Vorwärtsstreben als anderswo sichtbar. Manches, das ich mir auf meiner Reise notirt, dürste für Sie von Interesse sein. In Lundenburg, einem Stationsörtchen der Kaiser Ferdinands-Nordbahn, ist seit Kurzem in der Person des Hrn. Abraham Nabel ein sehr befähigter Rabbine angestellt, der sich der Jugenderziehung, aber leider bisher ohne erheblichen Erfolg, mit allem Eifer annimmt. In Loschitz steht der bekannte, noch immer schwebende, Prozeß der Gemeinde mit dem Landesrabbinen jetzt etwas günstiger für erstere, und es scheint, daß Herr Renda endlich doch bestätigt werden wird. Proßnitz, das so Vieles versprach, fängt an retrograde Schritte zu machen. Der Gesangunterricht in der Talmud-Tora- Schule hat aufgehört, und die Aussicht auf eine baldige Reorganisation des Gottesdienstes ist wieder